Erstellt am 22. April 2015, 08:31

von Paul Haider

Wirbel um Puppenküche. Weil Kinder zur Fastenzeit auf Spielzeug verzichten mussten und zum Beten aufgefordert wurden, hat ein Parndorfer Paar seinen Sohn aus dem Kindergarten genommen.

Verärgert. Petr Zak und Vesna Milojkovich sind mit der Kindergartenführung in Parndorf unzufrieden.  |  NOEN, Paul Haider

Es ist derzeit das Thema Nummer eins, das die Gemüter in Parndorf erhitzt: In der Fastenzeit mussten Kindergartenkinder in Parndorf auf die Puppenküche verzichten. Deshalb haben Petr Zak und Vesna Milojkovic ihren dreijährigen Sohn Noel vor Kurzem aus dem Kindergarten genommen.

"Haben es zähneknirschend hingenommen"

Dieser Fall sei aber nur der aktuellste in einer Serie von ähnlichen Vorkommnissen gewesen, schildert Vater Petr Zak im Gespräch mit der BVZ: „Letztes Jahr zur Fastenzeit war es der Leseturm, der verboten war. Wir haben damals zwar angesprochen, dass wir das nicht in Ordnung finden, aber wir haben es noch zähneknirschend hingenommen.“

Das Puppenküchenverbot zur heurigen Fastenzeit war für die Eltern nun der Anlass, Noel aus dem Kindergarten zu nehmen. Vesna Milojkovic hat ihren Beruf aufgegeben, um ihren Sohn zu Hause betreuen zu können. Noel wird von seinen Eltern konfessionsfrei erzogen. Dass das Kind von religiösen Dogmen ferngehalten wird, ist Petr Zak und Vesna Milojkovic sehr wichtig, und hat auch bei der Kindergartenwahl eine große Rolle gespielt. Beim Aufnahmegespräch sei ihnen zugesichert worden, dass Noel nicht an religiösen Aktivitäten teilnehmen müsse, so Zak.

Im Verlauf des letzten Jahres sei Noel dennoch immer wieder zum Beten angehalten worden. Bei einem Kirchenbesuch des Kindergartens sei zudem die Betreuung verwehrt geworden. Auf die Vorwürfe der Eltern angesprochen, entgegnet Barbara Lackner, Pressesprecherin der für Kinderbetreuung zuständigen Landesrätin Michaela Resetar: „Die Sache mit der Puppenküche hat keinen religiösen Hintergrund. So etwas wird immer wieder in verschiedenen Kindergärten praktiziert. Im Rahmen des Projektes spielzeugfreier Kindergarten gibt es immer wieder monatelang gar kein Spielzeug im Kindergarten. Dabei werden die Kinder kreativ und lenken ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst, auf andere und die Natur.“

Resetar: „Wesentliche Werte unserer Kultur“

Landesrätin Resetar stellt in einer Aussendung jedoch auch klar: „Solange ich für den Kinderbetreuungsbereich Verantwortung trage, sind der Nikolaus, die Ostereiersuche und das Laternenfest in unseren Kindergärten gerne gesehen. Das sind wesentliche Werte unserer Gesellschaft und unserer Kultur.“

Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) hat einen persönlichen Zugang zu dem Thema: „Mein Kind war im gleichen Kindergarten. Er ist auch nicht römisch-katholisch und wurde nicht zum Beten verpflichtet. Wir leben in einer bunten Gemeinde, aber rund 80% der Parndorfer sind katholisch. Obwohl es nicht immer einfach war, hat es bis jetzt funktioniert. Es wird niemand verpflichtet, bei religiösen Feiern mitzumachen oder zu beten.“