Erstellt am 25. November 2015, 07:18

von Pia Reiter

Petition: Baustelle soll zur Adventszeit ruhen. Neusiedler Unternehmer fürchten Umsatzeinbußen, Stopp der Arbeiten am Hauptplatz vom 4. bis 24. Dezember gefordert.

Am Hauptplatz. Von der Unteren Hauptstraße ist die Baustelle jetzt ins Stadtzentrum gewandert. Die Arbeiten an der Erneuerung der Leitungen läuft weiter, die Hausanschlüsse werden später gemacht.  |  NOEN, Reiter
Anna Maria Rausch, die das Juwelier-Geschäft am Neusiedler Hauptplatz nach 40 Jahren von ihrem Vater übernommen hat, ist verzweifelt: Sie fürchtet wegen der Baustelle des Wasserleitungsverbandes um das Weihnachtsgeschäft.

„Ich habe schlaflose Nächte und gehe den Schritt in die Öffentlichkeit aus Verzweiflung. Ich bin darauf angewiesen, bei mir geht es um die nackte Existenz, kann ich den Kredit nicht bezahlen, verliere ich mein Haus. Seit dem Tod meines Mannes muss ich meine zwei minderjährigen Kinder alleine versorgen“, sagt die 44-Jährige, die sich für die finanzielle Hilfe bei Kiwanis und Lionsclub in der schwierigen Zeit überaus dankbar zeigt.

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„Durch die Baustelle kommen kaum mehr Kunden in die Stadt, alle meiden den Weg durch die Stadt und somit kaufen sie hier auch nicht mehr ein. Beim Monatsmarkt wird die Baustelle eingestellt, für die Gewerbetreibenden der Stadt ist das zum Weihnachtsgeschäft nicht möglich“, ärgert sich Rausch.

Denn im Rathaus sei man nicht zuständig, wäre ihr mitgeteilt worden und der Wasserleitungsverband hätte gesagt, dass es nicht möglich sei, die Baustelle während der Weihnachtszeit einzustellen, so die Unternehmerin, die sich von öffentlichen Stellen im Stich gelassen fühlt: „Wir wissen, dass die Baustelle sein muss, und dass es gemacht gehört, aber für mich ist es selbstverständlich anderen zu helfen, ich habe zum Beispiel in der Nacht während der Flüchtlingskrise vor Ort geholfen und mich lässt man mit meinem Problem jetzt alleine“, sagt sie. Bis Redaktionsschluss gab es keine Stellungnahme vom Stadtchef.

Trotz Petition: Kein Baustellen-Stopp

Deshalb hat Rausch nun eine Unterschriftenliste gestartet, die vorsieht, dass die Arbeiten an der Baustelle vom 4. bis 24. Dezember gestoppt werden, die auch etliche Unternehmer der Stadt unterschrieben haben. Diese hat sie am vergangenen Freitag im Rathaus deponiert.

Helmut Herlicska, technischer Betriebsleiter des Wasserleitungsverbandes Nördliches Burgenland, erklärt: „Wir haben laufende Verträge mit Firmen, die wir einhalten müssen und auch die entsprechenden Genehmigungen von Stadtgemeinde und Bezirkshauptmannschaft. Außerdem betreiben wir die Baustelle gemeinsam mit der Energie Burgenland.“

Auch wenn ein Stopp nicht möglich wäre, und an den Hauptleitungen weiter gebaut würde, so sei man dennoch bemüht, den Geschäftsleuten weitestgehend engegenzukommen, betont er: „Wir haben unser Programm umgestellt und machen keine Hausanschlüsse, damit der Zugang zu den Geschäften nicht beeinträchtigt ist. Der Gehsteig-Bereich ist also nicht betroffen.“

Manuela Wurm, Besitzerin des Kinderfachgeschäfts „Holzwurm“ sieht in der Baustelle entlang der Hauptstraße nicht die größte Herausforderung für das anlaufende Weihnachtsgeschäft.

Die Bauarbeiten seien notwendig, würden aber häufig als Ausrede für anderweitige Aspekte genutzt, die nicht optimal funktionieren - allen voran die Parkraumbewirtschaftung, so Wurm: „Eine gute Idee wäre es, die Parkgebühren während der Weihnachtszeit aufzuheben, um auch jungen Familien mit Kindern, die oft mit Sack und Pack unterwegs sind, das Einkaufen im Zentrum zu erleichtern.“

Wünschenswert wäre zudem eine gemeinsame Plattform aller Gewerbetreibenden, um sich besser über Aktionen rund ums Weihnachtsgeschäft kurzschließen zu können - heuer wurde dies zwar verabsäumt, dennoch hoffe man auf ein gutes Weihnachtsgeschäft, meint Manuela Wurm: „Als Fachbetrieb kommen meine Kunden in erster Linie ohnehin wegen des persönlichen Kontakts und individuellen Angebots.“

Kleiner Frechdachs schließt mit Jahresende

Verständnis für die Sorgen ihrer Kollegen zeigt Gemeinderätin Emma Hitzinger (ÖVP), die mit ihrer Parfümerie im Sommer selbst von der Baustelle betroffen war: „Ich wünsche mir, dass die Leute wieder mehr in den kleinen Geschäften einkaufen. Wir bemühen uns um jeden Kunden und viele Geschäfte in der Stadt geben Prozente.“

Im Kindermodengeschäft von Tina Richter startet ab 30. November der große Ausverkauf: Denn die Unternehmerin hat sich entschieden, den „Kleinen Frechdachs“ mit Jahresende zu schließen: „Neusiedl verliert damit seine schönste Auslage, aber es war eine Grundsatz-Entscheidung, die mit der Gesamtsituation zu tun hat. Die Baustelle war für unsere Entscheidung nicht der alleinige Grund.“
 

Zitiert: „Da geht Einigen die Puste aus“

„Momentan ist es keine einfache Situation für die Unternehmer in der Stadt. Abgesehen von der Baustelle gibt es auch die Themen Registrierkasse und Barrierefreiheit, die vielen zu schaffen machen. Um das umzusetzen, muss oft viel investiert werden. Da geht Einigen die Puste aus.“
Emma Hitzinger, Unternehmerin und ÖVP-Gemeinderätin

„Die laufenden Bauarbeiten sind eine notwendige Maßnahme. Für das Weihnachtsgeschäft bin ich guter Dinge, Gesundheit und Wohlbefinden sind immer ein Thema und auch Artikel wie Teegeschenke erfreuen sich in der Vorweihnachtszeit trotz der aktuellen Baustelle großer Nachfrage.“
Reformhaus-Geschäftsführerin Veronika Lehner


Baustelle: Der Zeitplan

  • Anfang Juni erfolgte der Startschuss: 150 Hausanschlüsse werden erneuert.

  • In die neuen Wasserleitungen inklusive Hausanschlüsse investiert der Wasserleitungsverband in Summe etwa 1,3 Millionen Euro.

  • Die Energie Burgenland ersetzt Gasrohrleitungen aus PVC durch Leitungen aus dem Werkstoff Polyethylen.

  • Zudem investiert die Netz Burgenland Erdgas GmbH 180.000 Euro in die Neuverlegung von rund 1,2 Kilometern an Hauptrohrleitungen.

  • Geht es nach den Plänen des Wasserleitungsverbandes und spielt das Wetter mit, dann sollen die Arbeiten bis 18. Dezember weiter laufen. Danach geht man in die Winterpause, die bis März andauern soll.