Erstellt am 26. März 2015, 12:45

von Elisabeth Kirchmeir

Pfarrer vor Gericht. Weil er während des Religionsunterrichtes zwei Schülerinnen am Oberarm gepackt hatte, musste sich ein 49-jähriger Pfarrer aus dem Nordburgenland am Donnerstag vor Gericht verantworten.

Der angeklagte Pfarrer mit dem Rücken zu den Zuhörern (rechts ist der Verteidiger zu sehen, links stehend der Privatbeteiligtenvertreter) vor der Richterin.  |  NOEN, Elisabeth Kirchmeir
Der Vorfall hatte sich am 26. Jänner dieses Jahres in einer Neuen Mittelschule im Bezirk Neusiedl ereignet, in der der Pfarrer Religion unterrichtete. Nach dem Vorfall beendete er seine Tätigkeit an dieser Schule, an anderen Schulen unterrichtet der Geistliche nach wie vor.

Der Religionsunterricht fand an der Neuen Mittelschule an diesem Tag am Nachmittag statt, die Schüler der 2. Klasse seien bereits müde und unruhig gewesen, wie der Verteidiger des Pfarrers, Francisco Rumpf, erläuterte.

Vorgeworfen wurde dem Geistlichen, er habe während des Religionsunterrichtes ein Mädchen am Oberarm gepackt, vom Stuhl hoch gezogen und veranlasst, die Klasse zu verlassen.

Arm wurde vom Heft weggezogen

Einer zweiten Schülerin soll der Pfarrer den Arm weggezogen haben, den das Mädchen auf das Schulheft gelegt hatte. Beide Mädchen erlitten Hämatome am Oberarm, eines der Mädchen klagte über Abschürfungen.

"Diese pädagogischen Methoden waren vielleicht vor 50 Jahren üblich", hielt der Staatsanwalt dem Beschuldigten vor. "Heute darf es nicht mehr sein, dass ein Lehrer Schüler am Arm packt und Hand anlegt."

"Mein Mandant unterrichtet seit 30 Jahren und es ist das erste Mal, dass er sich vergleichbaren Vorwürfen ausgesetzt sieht - und das gleich vor Gericht", brachte der Verteidiger vor.

"Haben Sie einen Fehler gemacht?", wollte Richterin Karin Knöchl von dem Pfarrer wissen. "Es kann sein, dass ich überreagiert habe, weil die Klasse derartig unruhig war", antwortete der Geistliche.

Pfarrer: "Habe eine laute Stimme"

"Könnte es sein, dass sich die Kinder vor Ihnen fürchten?", fragte die Richterin. "Ich habe eine laute Stimme", antwortete der Pfarrer. Aber Angst müsse nicht sein. Und auf die Frage, ob er als streng bekannt sei, sagte er: "Streng ist, wenn man Ordnung hineingibt."

Zu einem der Opfer habe er gesagt: "So, jetzt gehst du hinaus", so der Pfarrer. "Ich nahm sie am Arm, was mir sehr leid tut", fügte er hinzu. "Es war ein fester Griff", erklärte die Schülerin. "Der blaue Fleck war vom Herrn Pfarrer."

"Sagte ihm, er soll darauf achten"

Später habe er bei allen Schülern die Religionshefte kontrolliert. "Er nahm meinen Arm und zog ihn vom Heft weg", berichtete das zweite Opfer. Gesagt habe der Lehrer vorher nichts. Der Griff sei "eher fest" gewesen. "Ich weiß dass der Kollege durchaus manchmal lauter geworden ist", berichtete die Direktorin der NMS. "Ich sagte ihm, er soll darauf achten, weil manche Kinder Angst vor der Lautstärke haben."

Die Vorfälle mit den Mädchen habe sie nicht beobachtet, sie habe erst im Nachhinein von der Polizei davon erfahren.

Die Richterin entschied, dass die Voraussetzungen für eine Diversion gegeben seien. Daher kam es zu keiner Verurteilung. Der Pfarrer muss eine Geldbuße in der Höhe von 1000 Euro bezahlen, dann wird das Verfahren gegen ihn eingestellt. An die beiden Mädchen muss er jeweils100 Euro als symbolische Schadensgutmachung bezahlen.

Drohung mit schmutzigem Schnuller

Rechtsanwalt Rudolf Tobler vertrat eines der Opfer. Er berichtete im Zuge des Prozesses von einem weiteren Vorfall, der aber nicht Gegenstand der Anklage war.

"Der Herr Pfarrer hatte zwei Schnuller in den Unterricht mitgebracht - einen sauberen und einen schmutzigen. Er drohte an, den Kindern den Schnuller in den Mund zu stecken, wenn sie nicht ruhig seien. In Ordnung ist das nicht!", so Rudolf Tobler. "Dabei handelt es sich um eine Angelegenheit, die strafrechtlich nicht fassbar ist", erklärte die Richterin.

"Das mit dem Schnuller nahmen einige Schüler ernst, andere fanden es lustig", berichtete jene Schülerin, der der Pfarrer den Arm vom Heft weggezogen hatte.

BVZ.at hatte berichtet: