Erstellt am 04. Februar 2015, 07:04

von Birgit Böhm-Ritter

Flüchtlinge im Tourismusort. Minderjährige im Alter zwischen 14 und 18 Jahren finden in ehemaliger Frühstückspension Platz. Podersdorfer stehen diesem Projekt mit gemischten Gefühlen gegenüber.

 |  NOEN, © Alexandra Gruber

Bis zu 40 Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 18 Jahren werden in den nächsten Wochen und Monaten ihren neuen Lebensmittelpunkt in Podersdorf finden. Damit kommt das Land der Erfüllung seiner Asylquote einen Schritt näher (siehe

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SPÖ kritisiert Vorgangsweise des Ortschefs

In der Gemeinde selbst herrschte bei Bekanntwerden des Projektes Verunsicherung. Vor allem aus SPÖ-Kreisen wurden skeptische Stimmen laut. So postete ein SP-Politiker in den sozialen Medien, dass „ein Asylheim nicht in eine Tourismusgemeinde passt“.

In den sozialen Medien und im Ort selbst wird das Thema heiß diskutiert. Es scheint, als sei das Dorf in zwei Lager gespalten: Das eine Lager sieht es als Pflicht an zu helfen, wo Hilfe notwendig ist, das andere lehnt ein Asylheim kategorisch ab, weil es nicht in eine Fremdenverkehrsgemeinde gehöre.

Seitens der SPÖ-Podersdorf am See wird die Vorgangsweise von Bürgermeister Andreas Steiner (ÖVP) in der Sache kritisiert. Er habe die SPÖ nicht im Vorfeld über das Asylheim informiert, die SPÖ hätte davon aus den Medien erfahren müssen. Wie sensibel das Thema ist, zeigt die Tatsache, dass keiner aus der SPÖ offiziell dazu Stellung nehmen wollte.

„Sind gastfreundlich - nicht nur zu Touristen“

Bürgermeister Andreas Steiner (ÖVP) möchte sich als verantwortungsbewusste Gemeinde präsentieren: „Wir in Podersdorf am See sind eine gastfreundliche Gemeinde - nicht nur für Touristen“, schreibt er in einer Aussendung an die Bevölkerung.

Dass die Jugendlichen in Podersdorf ein neues zu Hause finden, haben sie allerdings einer Privatinitiative zu verdanken. Die minderjährigen Flüchtlinge werden in der Frühstückspension Haider untergebracht.

Die Räumlichkeiten wurden den Anforderungen bereits angepasst. Eine Betreuung rund um die Uhr bekommen die Teenager vom Arbeiter-Samariter-Bund.

„Die Vorbereitungen laufen gerade auf Hochtouren“, beschreibt der Geschäftsführer des Samariterbundes Burgenland Wolfgang Dihanits den Status quo. Derzeit wird noch Personal ausgewählt. Bis zu 20 Personen könnten in Podersdorf eine neue Arbeitsstelle finden.

In einem Gespräch mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat versuchte Dihanits, positive Stimmung für das Projekt zu verbreiten. Gegenüber der BVZ zeigt er sich realistisch: Natürlich werde nicht alles immer nach Plan laufen, aber gerade bei Jugendlichen seien Entwicklungsfortschritte sehr schnell ersichtlich.

„Die minderjährigen Flüchtlinge gehen in die Schule, bekommen Deutschunterricht, haben sich an eine Hausordnung zu halten und haben einen geregelten Alltag“, erklärt er. Wichtig sei, dass sie ins Dorfleben integriert werden und auch mit der Bevölkerung in Kontakt kommen, so Dihanits weiter.