Erstellt am 29. Juli 2015, 09:40

von NÖN Redaktion

Gräberfeld erforscht. Auf 600 Quadratmetern wurden 20 Grabstätten dokumentiert, Knochen werden nun mittels moderner Technik untersucht.

Bei den Ausgrabungen. Sheba Schlimm (Besucher), Roman Skomorowski, Katharina Jug, Mathias Mehofer (unten/Besucher), Erich Draganits, Bendeguz Tobias, Emese Polonyi, Bürgermeister Andreas Steiner, Tekla Balogh-Bodor, Gemeindevorstand Vinzenz Waba, Thomas Koch Waldner, Péter Langó.  |  NOEN, Pia Reiter

Hinweise auf ein Gräberfeld gab es schon in den siebziger Jahren, als beim Anlegen eines Weinbergs eine Bestattung entdeckt wurde. Wie schon das damalige Grab, werden die nun entdeckten, darunter auch welche von Kindern, in das frühe Mittelalter datiert. Mit dem Bagger wurden zunächst 40 Zentimeter vom Erdreich abgetragen. Weiters wurden auch Hinweise auf eine ganze Siedlung entdeckt, diesen konnte aufgrund der kurzen Forschungszeit von drei Wochen nicht nachgegangen werden.

Präzisionswaffen der Awaren und Hunnen

„Die Funde gehen zurück auf die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts bis frühen 8. Jahrhunderts nach Christus“, erklärt Bendeguz Tobias, Institut für Archäologien, Fachbereich Mittelalter- und Neuzeitarchäologie Innsbruck. Auffallend ist laut Tobias, dass sämtliche untersuchten Gräber von Räubern geplündert wurden.

Ungewöhnlich hoch ist die Zahl von Reflexbögen (Kompositbogen) in den aufgefundenen Gräbern: „Bei den Beinen haben sich trotz der Beraubung noch die knöchernen Versteifungsteile der Bögen erhalten. Diese gelten als Präzisionswaffen, mit denen man mehrere hundert Meter weit schießen konnte. Bei Awaren und Hunnen eine Standardwaffe“, meint der Experte. Die Awaren kamen um 568 nach Christus aus Asien in das Karpatenbecken und waren ein typisches Reitervolk, das für den erstmaligen Einsatz von Steigbügeln bekannt war.

Pro Grab war das Team vor Ort zwei Tage lang mit der Dokumentation beschäftigt. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen, es würde sich auf alle Fälle lohnen, hier weiterzumachen“, sagt Tobias. Die Knochen werden jetzt mittels moderner Methoden untersucht. So soll zum Beispiel die Todesursache festgestellt werden oder wie sich die Menschen damals ernährt haben und ob der Verstorbene zu Lebzeiten unter großem Stress gestanden ist.