Erstellt am 16. November 2011, 00:00

Polizist steht vor Gericht. MISSBRAUCH / Bei einer Präventionsberatung soll ein Polizist einen sechsjährigen Buben unsittlich berührt haben.

BURGENLAND / Mit einem schwerwiegenden Vorwurf wird ein 43-jähriger burgenländischer Polizeibeamter konfrontiert: Er soll während eines Beratungsgespräches zum Thema Einbruchsprävention den sechsjährigen Sohn eines im Nordburgenland lebenden Ehepaares auf den Schoß genommen und im Bereich der Genitalien gestreichelt haben.

Der Vorfall soll sich im März 2009 ereignet haben. Erst heuer im Mai erzählte der Bub einer Polizistin davon, die mit der Familie gut befreundet ist und die 2009 auch das Präventionsgespräch vermittelt hatte.

Beim Prozess in der Vorwoche bekannte sich der Polizist „nicht schuldig“: „Ich komme nicht drauf, wie das Ganze zustande kam“, erklärte er vor Gericht.

„Im Jahr mache ich 200 Präventionsberatungen“, so der Polizist. Er habe auch das Haus, in dem der heute neunjährige Bub mit seinen Eltern lebt, auf Schwachstellen untersucht. Auf Wunsch der Polizistin und der Eltern habe er danach mit dem Buben im Wohnzimmer ein Gespräch geführt, während die Erwachsenen in der Küche warteten.

„Ich nahm ihn nicht auf den  Schoß - weil ich das nie tue“

„Meine Kollegin hatte mich gebeten, mit ihm zu reden, weil er Angst vor Einbrechern hatte“, so der Angeklagte. Er habe dem Buben erklärt, dass die Fenster des Hauses einbruchshemmend seien, dabei sei er in der Türe zum Wohnzimmer stehen geblieben. „Ich bin mir sicher, dass ich mich nicht hinsetzte und ihn auf den Schoß nahm - weil ich das nie tue“, so der Polizist.

Außer diesem einen Vorwurf habe es gegen den Beamten, der sogar selbst in der Vergangenheit gegen einen Sexualstraftäter ermittelt hatte, keine Beschwerden gegeben - dies bestätigte ein Vorgesetzter vor Gericht .

Im Mai 2011 soll der Bub im Zuge eines Detektivspiels der befreundeten Polizistin von dem Übergriff erzählt haben. Er soll ihr vorgeschlagen haben, ihren Kollegen in eine Falle zu locken und einen neuerlichen Übergriff mit der Videokamera zu filmen: „Er sagte zu mir: Dann gibst du das seinem Chef und der soll ihn strafen“, berichtete die Polizistin.

Gegenüber seiner Mutter hatte der Bub zuvor schon einmal erwähnt, dass ihn der Polizist berührt habe. „Ich sagte damals: Das kann nur unabsichtlich gewesen sein“, erklärte die Mutter des Buben. „Ich habe das abgetan. Das tut mir heute leid.“

Der Prozess wurde vertagt, weil der Vater des Buben und eine Lehrerin befragt werden sollen.