Potzneusiedl , Eisenstadt

Erstellt am 01. September 2016, 11:38

von APA Red

Friseurin getötet: Prozess ohne Hauptangeklagten. Im Landesgericht Eisenstadt hat am Donnerstag der Mordprozess im Fall einer im Vorjahr getöteten 57-jährigen Friseurin aus Potzneusiedl (Bezirk Neusiedl am See) begonnen. Der Hauptangeklagte, der 53-jährige Exfreund des Opfers, ist schwer krank und kam deshalb nicht zum Prozess.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, Erwin Wodicka

Daher wird vorerst nur jener Teil der Anklage verhandelt, der die 53-jährige Mitangeklagte betrifft. Die Frau aus dem Bezirk Wien-Umgebung, die damals mit dem Hauptangeklagten befreundet war, muss sich wegen Beitragstäterschaft zum Mord und wegen Hehlerei verantworten.

Staatsanwalt: Prozess "ein bisschen amputiert"

Der Prozess wirke zum Auftakt wegen der Abwesenheit des 53-Jährigen "ein bisschen amputiert", meinte Staatsanwalt Roland Koch. Der Hauptangeklagte soll im September des Vorjahres der 57-Jährigen in ihrem Haus in Potzneusiedl ein Messer in die Brust gerammt und ihr dann mit einem Stahlrohr sechs wuchtige Schläge auf den Kopf versetzt haben, schilderte der Ankläger die Tat, die zum Tod der Friseurin geführt hatte.

Der Zweitangeklagten werde nicht zur Last gelegt, "dass sie selbst das Messer geführt hat oder das Stahlrohr". Jedoch habe sie dazu beigetragen, dass der Angeklagte die Tat begehen konnte, erläuterte Koch. Die 53-Jährige habe gewusst, dass der Hauptangeklagte die 57-Jährige umbringen wolle. Sie habe ihm die Schlüssel für ihr Auto überlassen, mit dem beide in der Tatnacht nach Potzneusiedl gefahren seien. "Dort stieg der Angeklagte aus, ging ins Haus und vollbrachte die Tat".

"Das ist Beitragstäterschaft": Frau fürchtete sich

Die Frau sei dann, wie ihr aufgetragen worden war, zum Bahnhof nach Parndorf gefahren und habe dort gewartet, bis der 53-Jährige dort eintraf: "Er ist gekommen mit dem Auto des Opfers." Auf der Rückfahrt zur Wohnung der Mitangeklagten habe der Mann dann das Stahlrohr verschwinden lassen. Aus dem Haus der Getöteten habe er Geld und eine Digitalkamera mitgenommen und der 53-Jährigen gegeben, die beides verwahrt habe: "Sie hat gewusst, woher das ist".

Die Mitangeklagte habe dem Hauptangeklagten geholfen: "Das ist Beitragstäterschaft", stellte Koch fest. Die Frau habe sich vor ihrem damaligen Freund gefürchtet. Der 53-Jährige sei größer als 1,90 Meter und habe 130 Kilo auf die Waage gebracht. Dennoch, ohne sie hätte dieser die Tat nicht begehen können, argumentierte der Ankläger.

Auch wenn die Mitangeklagte Angst gehabt habe: Eines verstehe er nicht, meinte Koch: Einen Kilometer vom Tatort in Potzneusiedl entfernt befinde sich die Polizeiinspektion. Dort hätte sie hinfahren müssen und alles der Polizei melden, hielt er der 53-Jährigen vor.

Mitangeklagte bekannte sich nicht schuldig

Die Frau bekannte sich vor Gericht nicht schuldig. Zuvor hatte ihr Anwalt Werner Tomanek erläutert, dass sie zwar zugebe, dass sie in der Tatnacht mit dem Hauptangeklagten unterwegs gewesen sei, jedoch nicht um dessen Absicht, die Frau zu töten, gewusst habe.

Die 53-Jährige sei für den Hauptangeklagten "ein Verhältnis" gewesen, beide hätten sich über eine Partnervermittlung im Internet kennengelernt. "Sie ist hier in etwas hineingeschlittert und nicht mehr herausgekommen". Der 53-Jährige sei zu dieser Zeit "ein gewaltbereiter, sehr dominanter Mann" gewesen, führte Tomanek aus.

Wäre sie zur Polizei gegangen, um von der Absicht ihres Freundes zu erzählen, dann hätten Vorerhebungen begonnen - "und dann kann sie auswandern". Der Hauptangeklagte habe die Frau immer wieder kontrolliert, gedemütigt und erniedrigt. Er habe eine Art gehabt, "wo man nicht so leicht Nein sagen kann, ohne vielleicht Schlimmes befürchten zu müssen", sagte Tomanek.

Haus-Angebot im Internet sorgte für Ärger

Ähnlich verantwortete sich auch die 53-Jährige selbst. Anfangs konnte sie der Beziehung zum Hauptangeklagten noch Positives abgewinnen: "Er war sehr charmant" und habe sie zum Essen ausgeführt, schilderte sie vor Gericht. Der Mann habe ihr erzählt, dass er ein Transportunternehmen besitze und keine finanziellen Sorgen habe. Dieses sei dann seiner Schilderung zufolge bald nicht mehr so gut gelaufen, schließlich sei auch der letzte noch verbliebene Klein-Lkw kaputtgegangen.

Sie habe gewusst, dass die 57-Jährige seine Lebensgefährtin gewesen sei. Der Hauptangeklagte habe ihr erzählt, dass sie sich Ende 2013 getrennt hätten und dass das Haus in Potzneusiedl beiden gehöre. Von den Schulden, die auf das Haus aufgenommen waren, habe der 53-Jährige nichts erwähnt.

Als er einen Imbissstand in Potzneusiedl übernommen habe, habe sie ihn unterstützt, erzählte die Frau. "Er wollte sich ein kleines Haus kaufen und hat gemeint, das will er auf mich überschreiben wegen einer Verurteilung vor langer Zeit" und wegen Finanzschulden, berichtete die Mitangeklagte.

Dass seine Exfreundin das Haus in Potzneusiedl im Internet zum Verkauf anpries, verärgerte den Hauptangeklagten allerdings schwer. Er habe gesagt: "I bring de Oide um", erzählte die 53-Jährige. Richter Wolfgang Rauter, der Vorsitzende des Geschworenensenats, wollte von der Frau wissen, warum sie sich nicht von ihrem Freund getrennt habe. Er habe ihr gesagt: "'Ich habe schon einmal gemordet'. Diese Message habe ich verstanden", sagte die Mitangeklagte.

"Er hat nur gesagt: Du wirst mein Alibi sein"

Was er genau vorhatte, habe ihr der Hauptangeklagte nicht gesagt, erzählte die 53-jährige Mitangeklagte vor Gericht. "Er hat nur gesagt: Du wirst mein Alibi sein". Über seine Äußerungen, die Ex-Freundin töten zu wollen, hatte sie Notizen in ihrem Kalender gemacht.

Natürlich wäre es möglich, Kalendereinträge im Nachhinein zu verfassen, hielt ihr der Vorsitzende vor. Die 53-Jährige wies das zurück: "Ich schreibe seit zehn Jahren Tagebuch." Eine Freundin von ihr habe gemeint, dass da schon ein finanzielles Motiv dahinter sein könnte, stellte der Richter fest. "Unpackbar", empörte sich die Zweitangeklagte über die Aussage der "Freundin".

Das Gericht befragte die Frau auch nach dem GPS-Tracker, den der Hauptangeklagte im Auto des Opfers eingebaut haben soll, um über deren Aufenthaltsort Bescheid zu wissen. Sie habe das Gerät sowie ein Tablet wegen ihres Hundes gekauft, der schon einige Male ausgerissen sei, schilderte die 53-Jährige. Auf die Idee, mit ihrem Handy eine Verbindung zum Tracker herstellen zu können, sei sie nie gekommen.

"Warum sind sie nicht zur Polizei gegangen?", wollte der Vorsitzende wissen. "Na, wer hätte mir das geglaubt", kam als Antwort. Ob sie Furcht gehabt habe, dass der 53-Jährige ihr etwas antue? "Ja, natürlich".

Sie erinnere sich, dass er in der Tatnacht zu ihr so etwas gesagt habe, wie: "Das geht heute über die Bühne", erzählte die Mitangeklagte. Als sie dann nach Potzneusiedl gefahren seien, sei sie davon überzeugt gewesen, dass die 57-jährige Friseurin nicht daheim sei. Am Weg zum Bahnhof nach Parndorf habe sie sich dann zweimal verfahren.

Dass der Mann die 57-Jährige getötet hatte, habe sie erst angenommen, als er sie auf der Rückfahrt anhalten ließ und etwas wegwarf, schilderte die Frau. Als sie das Stahlrohr, das er dort entsorgte, gesehen habe, habe sie sich gedacht: "Jetzt ist etwas Schlimmes passiert".

Dass sie auch nach der Tat nicht zur Polizei gegangen sei, begründete die 53-Jährige damit, dass sie sich nicht habe sicher sein können, "dass man ihn einsperrt". Das sei allerdings wieder ein kleines Puzzlestückchen, "dass man annehmen könnte, das Ganze war geplant", hielt ihr Richter Rauter vor. "Ja, aber das war nicht so", beteuerte die Frau.

Für Donnerstag war im Prozess die Befragung erster Zeugen geplant. Auch die Gutachter sollten zu Wort kommen.