Erstellt am 08. Juli 2015, 09:33

von Birgit Böhm-Ritter, Paul Haider und Pia Reiter

Feste: Noch mehr Absagen. Edelstaler Grätzlfest und Illmitzer Seefest bereits im Vorfeld abgesagt, Pamhagener Sportfest fällt nach Anzeige aus, soll aber vom 24. bis 26. Juli nachgeholt werden.

Nach einigen Anzeigen ist die Feierlaune im Bezirk getrübt.  |  NOEN, Erwin Wodicka
Vereinsfeste stehen immer mehr im Visier der Behörden. Durch die steigende Anzahl der Anzeigen werden Veranstalter verstärkt kontrolliert. Einige Feste im Bezirk wurden sogar präventiv abgesagt, wie etwa das „Summer Happening“ in Edelstal ( ).

Ebenfalls vorsichtshalber abgesagt wurde das Illmitzer Seefest, dass seit fast 50 Jahren veranstaltet wird. Die JVP-Illmitz hat laut Obmann Sebastian Steiner heuer beschlossen, es ausfallen zu lassen: „Wenn es eine Lösung seitens der Politik gibt, werden wir es wieder machen. Für einen Abend feiern, ist der Aufwand, den man durch die Auflagen hat, zu groß. Damit man jede Kleinigkeit einhalten kann, wie zum Beispiel das Personal anmelden, das ist für kleine Vereine nicht leistbar.

Das steht in keiner Relation zu dem, was durch das Fest bei uns reinkommt.“ Steiner findet es schlimm, dass versucht wird, Feste einfach „auszuschalten“, deshalb meint er: „Zur Zeit sind die ganzen Vorschriften für Vereinsfeste zu kompliziert, deshalb hoffe ich, dass man zu einer Lösung mit der Gastronomenvereinigung kommen wird.“

Sportfest nach Anzeige abgesagt

Eine anonyme Anzeige ging am 26. Juni in Pamhagen ein. „Genau am Tag, an dem das traditionelle Sportfest des UFC beginnen sollte“, erklärt Bürgermeister Josef Tschida (ÖVP) auf Anfrage der BVZ. Tatsächlich lag keine Veranstaltungsgenehmigung für das dreitägige Fest vor. Es sei schlichtweg vergessen worden, eine Genehmigung einzuholen, sagt der Ortschef. Da eine Veranstaltung mindestens eine Woche vorher bei der Behörde angemeldet werden müsse, sei es auch nicht möglich gewesen, noch eine Genehmigung zu bekommen. Abgesagt wurde das Sportfest allerdings nicht. Vom 24. bis 26. Juli soll die Veranstaltung in gewohnter Manier stattfinden.

Grätzlfest: Absage wegen Auflagen

Nicht nur Vereine, sondern auch private Veranstalter sind aufgrund der Anzeigenflut der vergangenen Wochen verunsichert. Günter Schnürch veranstaltet seit vielen Jahren das Edelstaler Grätzlfest. Auch für heuer war das beliebte Fest geplant, es hätte am 18. Juli über die Bühne gehen sollen. Doch daraus wird nichts: Zu groß sind die Bedenken, die strengen Auflagen nicht erfüllen zu können. Auch die Angst vor Anzeigen habe eine Rolle gespielt, wie Günter Schnürch im Gespräch mit der BVZ erzählt: „Das Grätzlfest war immer eine private Benefizveranstaltung und ich habe es immer gerne gemacht. Aber bei den heutigen Auflagen traue ich mich nicht mehr drüber. Ich habe kein Interesse daran, dass mich jemand anzeigt und ich dann mit einem Minus von hunderten Euro überbleibe.“

WKO und Finanzminister sollen helfen

Um das Jugend- und Kulturleben im ländlichen Raum zu sichern, hat sich unter der Federführung des Joiser JVP-Obmanns Sascha Krikler die Initiative „Rettet die Vereinsfeste“ gegründet. Gestartet wurde mit einer Facebook-Seite, die es innerhalb kürzester Zeit auf über 4.000 „Likes“ gebracht hat. Nun sollen Gespräche mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und dem Bundesministerium für Finanzen folgen. „Menschen, die freiwillig sowie unentgeltlich ihre Freizeit für eine gute Sache aufwenden und sich engagieren, um das Ortsgeschehen zu beleben, werden derzeit kriminalisiert“, kritisiert Krikler.

Die rechtliche Lage würde es möglich machen, ehrenamtlich-engagierte Menschen unter den Generalverdacht illegaler Tätigkeiten zu stellen. Die Initiative fordert daher die österreichische Bundesregierung auf, mit einer entsprechenden Gesetzesänderung die Vereinsfeste zu retten.

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