Erstellt am 19. Oktober 2011, 00:00

„Produzieren Strom selbst“. HEFTIGE DISKUSSION / ÖVP und FPÖ wollen eigenes Windrad für Parndorf, Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) ist dagegen: „Zu teuer, soziale Projekte sind wichtiger.“

 |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi (BilderBox - Erwin Wodicka / wodi)

VON PIA REITER

PARNDORF / Auf Parndorfer Gemeindegebiet sollen weitere 23 Windkraftanlagen hinter der Autobahn A6 errichtet werden. Das Gebiet des neuen Windparks muss jedoch vor Beginn der Errichtung vom Land als sogenannte Eignungszone ausgewiesen werden. In einem einstimmigen Grundsatzbeschluss des Gemeinderates, wurde die Absicht bekundet, der Firma „ImWind“ bei den Verhandlungen auf Landesebene zu unterstützen.

FPÖ und ÖVP gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie fordern die Anschaffung einer eigenen Windkraftanlage für die Gemeinde.

Keine ganz neue Idee: Schon vor einigen Jahren, als die ersten Anlagen auf Parndorfer Gemeindegebiet geplant waren, forderte die ÖVP-Parndorf die Anschaffung einer Anlage. Gemeindevorstand Gerhard Umathum (ÖVP) meint dazu: „ Eine Windkraftanlage mit der Leistung von 3 Megawatt produziert im Jahr circa 500.000 Euro Umsatz, ein Teil dieses Geldes würde der Gemeinde jährlich zu Verfügung stehen. Bei einer Laufzeit von 13 Jahren wären dies circa 6,5 Millionen Euro.“

Parndorf kriegt 2,6 Millionen  für 23 weitere Windräder

Im Gegensatz dazu bekäme die Gemeinde Parndorf von der Betreiberfirma „ImWind“ 2,6 Millionen Euro für den neuen Windpark ( das sind einmal, pro drei Megawatt-Anlage, 111.000 Euro für 20 Jahre Laufzeit).

Laut Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) liegen die Anschaffungskosten für ein Windrad - nach Rücksprache mit dem Betreiber - zwischen 4,9 und 5,5 Millionen Euro. Deshalb ist für ihn die Anschaffung eines eigenen Windrades keine gute Idee: „Ich bin strikt dagegen. Meiner Meinung nach sollte sich eine Gemeinde nicht wirtschaftlich betätigen, wir haben andere Sorgen zum Beispiel im sozialen Bereich wäre die Realisierung eines Jugendzentrums von großer Bedeutung“, erklärt der Ortschef. Außerdem wären dann die zusätzlichen 2,5 Millionen Euro aufzutreiben, die bei anderen Projekten schlussendlich fehlen würden.

Klar stellen möchte Kovacs aber eines: „Ich brauche die 2,6 Millionen von „ImWind“ nicht für meine eigenen Projekte, wie die ÖVP behauptet. Dieses Geld fließt frühestens im Jahr 2015. Bis dahin gibt es längst einen neuen Gemeinderat. Die Entscheidungen fällen dann andere.“ Seitens der ÖVP wird die Vorgehensweise der Betreiberfirma und des Bürgermeisters kritisiert. „Wir hätten uns zumindest ein Ja oder Nein bezüglich des Betriebs oder der wirtschaftlichen Mitbetreibung durch die Firma „ImWind“ gewünscht, so hätten wir unsere Entscheidung leichter treffen können,“ sagt Gemeinderat Jakob Skodler.

Auch FPÖ-Gemeinderat Stefan Rainer ist für die Anschaffung eines eigenen Windrades und sagt: „Strom wird laufend teurer und viele Familien leiden unter den hohen Kosten. Parndorf ist finanziell in der Lage, ohne die sozialen oder wirtschaftlichen Aufgaben zu vernachlässigen, in eine eigene Windkraftanlage zu investieren. Mit dieser wäre es möglich, jeden Parndorfer Haushalt finanziell zu entlasten oder durch die Einnahmen Projekte - wie die Errichtung eines Gemeindeamtes zu finanzieren.