Erstellt am 21. Januar 2015, 09:41

von Pia Reiter

Stadt-Wirte: Debatte ums Rauchen nervt. Kommt ein generelles Rauchverbot in Lokalen, befürchten Gastronomen einen Gästeschwund und wenig Umsatz.

Rauchverbot  |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Geht es nach der Bundesregierung, sollen alle Lokale in Österreich endgültig rauchfrei werden. Bereits in wenigen Monaten soll es ein Verbot geben. Widerstand kommt aus den Reihen der Wirte, die zum Großteil viel für getrennte Bereiche investiert haben.

Auch unter Neusiedls Wirten sorgen die wieder aufgeflammte Raucher-Debatte und das geplante Verbot in den Lokalen für Unmut. Viele haben sich mittlerweile mit der Trennung von Raucher- und Nicht-Raucher-Bereich angefreundet und wollen das auch so beibehalten. „Die neuerliche Diskussion um ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie nervt“, sind sich die Wirte dann auch einig. Die BVZ hörte sich bei Stadt-Gastronomen um, was sie von „rauchfreien“ Lokalen halten.

Bei Silvia Etl im „Gasthaus zur Lok“ befindet sich momentan im vorderen Barbereich des Gasthofs eine Raucherzone, in der angeschlossenen Gaststube herrscht hingegen Rauchverbot. Dieser Bereich werde zwar bei Geburtstagsfesten oder Familienfeiern gerne angenommen, in der übrigen Zeit konzentriere sich jedoch alles auf den vorderen Gaststubenbereich, wie Silvia Etl erklärt: „Hier herrscht mehr Treiben und viele Gäste suchen die Gesellschaft. Das Konzept der räumlichen Trennung wird von unseren Gästen zwar gut angenommen, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass endlich eine Einigung erzielt werden sollte. Eine definitive Entscheidung ist wirklich nötig.“

Einheitliche Regelung, keine Ausnahmen

Eine solche würde sich auch Kurt Windholz, Chef des „Rasthaus zur Alten Mauth“ wünschen: „Eine Regelung, die für alle, auch Vereine, gleich ist, muss her. Viele Wirte haben in die Abgrenzung der Bereiche investiert und jetzt wird wieder alles anders. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, ob er Gäste als Raucher haben möchte oder nicht.“

Bei einem strikten Rauchverbot in den Lokalen rechnet er aber damit, dass viele Gäste einfach ausbleiben werden und somit auch das Geschäft schlechter wird: „Bei einer Veranstaltung haben wir heuer das Rauchen an der Bar nicht erlaubt und das prompt am Umsatz gemerkt, der um die Hälfte weniger war, als im Vorjahr“, betont Windholz.

Weniger Umsatz im Winter befürchtet

Dass sich ein generelles Rauchverbot schlecht auf das Geschäft auswirken würde, davon ist auch Franz Rittsteuer vom Gasthaus zur Traube überzeugt: „Vor allem im Winter, wenn die Leute zum Rauchen nicht rausgehen wollen, weil es zu kalt ist, wird es spürbar sein. Im Sommer, wenn sie in den Gastgärten sitzen können, wird es sich weniger auswirken.“ Der Gast könne selbst für sich entscheiden, ob er in den Raucherraum gehen wolle oder nicht, so Rittsteuer, deshalb befürworte er die Beibehaltung der jetzigen Regelung.


Reaktion der Wirtschaftskammer

Nachdem vor allem im Südburgenland einige Lokale nun rauchfrei sein werden, flammten die Diskussionen darüber nicht nur in sozialen Medien, sondern auch an Stammtischen auf.

Vermutlich ist die Wirtschaftskammer auch deshalb gerade dabei, mittels einer E-Mail an Gastronomen das „Stimmungsbild zur Raucherregelung“ einzufangen.

Schließlich hatte sich zuletzt auch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner unter dem Eindruck des Todes von Kurt Kuch für ein generelles Rauchverbot in Lokalen ausgesprochen.

Forderung nach "Präventionskampagnen"

Gegenwind kommt, wie nicht anders zu erwarten, von der Wirtschaftskammer: „Die Wirte dürfen nicht zu Prügelknaben für die Versäumnisse der Politik werden“, sagt Spartenobmann Helmut Tury, der „Präventionskampagnen“ zum Thema Rauchen fordert: „Die Gesundheitspolitik hätte genug zu tun, aber Verbote sind eben einfacher, weil sie nichts kosten. Zumindest nicht der Politik.“

Die Rechtssicherheit und der Investitionsschutz für Gastronomiebetriebe, die teilweise sehr umfangreiche Umbauten getätigt haben, müssten trotz heftig geführter Diskussionen gewahrt bleiben. „Diese ständig wiederholte Forderung nach einem generellen Rauchverbot in der Gastronomie zeigt für mich nur den Mangel an Fantasie, Willen und Entschlossenheit der Entscheidungsträger“, so Tury.