Erstellt am 03. Juni 2015, 08:19

von Pia Reiter

Schock für Groß-Parteien. Das Wahlergebnis sorgte vor allem bei SPÖ und ÖVP für böse Überraschung.

Bei der Begrüßung. Vizebürgermeister Matthias Doser und Bürgermeister Josef Ziniel (beide SPÖ) mit Landeschef Hans Niessl, Gattin Christine und Maskottchen Rico vor dem Wahllokal in Frauenkirchen.  |  NOEN, zVg

Nach dem für ÖVP und SPÖ schlechten Ergebnis der Landtagswahl, sind die beiden Parteien nun mit der Ursachenforschung beschäftigt. Landeshauptmann und Bezirksspitzenkandidat Hans Niessl (SPÖ) erklärt: „Natürlich bin ich über das Ergebnis nicht erfreut. Man muss es ernst nehmen und jetzt gründlich analysieren. Im Bezirk Neusiedl hat natürlich auch die Ankündigung von Minister Klug - dass in Bruckneudorf Asylwerber aufgenommen werden sollen - Ängste geschürt.“

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SPÖ-Bezirksgeschäftsführer Fritz Radlspäck ergänzt: „Das Ergebnis spiegelt ganz stark die Unzufriedenheit der Bevölkerung wider. Wir haben das Versagen der Bundespolitik im Asylwesen und der Arbeitsmarktpolitik präsentiert bekommen. Der Bundestrend hat sich bis auf die Landesebene durchgeschlagen.
Nutznießer dieser Unzufriedenheit sind die Blauen, als die großen Profiteure, obwohl sie vor Ort oft aktiv nicht existieren. Obwohl bei uns im Bezirk in den vergangenen fünf Jahren viel weitergegangen ist, ist das von den Wählern nicht honoriert worden.“
 

ÖVP: „Im Bezirk weniger verloren als andere“

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Auch bei der ÖVP im Bezirk wurde das Ergebnis diskutiert und analysiert: „Unser Wahlkampf war handwerklich in Ordnung und die Kampagne gut geplant. Insgesamt haben wir aber nicht die richtigen Antworten auf die Fragen der Bürger gefunden. Ein schwacher Trost ist, dass wir innerhalb der ÖVP-Familie weniger verloren haben, als alle anderen“, meint Klubobmann Rudi Strommer zum Verlust eines Grundmandats der ÖVP im Bezirk Neusiedl am See.

Über etwaige Fehler sagt er: „Der Historiker macht in der Regel weniger Fehler, als der Prognostiker. Die Wähler sind insgesamt experimentierfreudiger geworden und die Protestwähler haben diesmal deutlich aufgezeigt. Außerdem haben diesmal sieben Parteien, statt fünf, kandiert. Gewinnen können sie Stimmen und Prozente nur von den etablierten Parteien.“

LBL-Spitzenkandidat im Bezirk, Thomas Poller, sagt zum Abschneiden seiner Partei: Das Ergebnis im Bezirk ist eher schlapp. Es ist in einem Bezirk, wo der Landeshauptmann und der VP-Klubobmann leben, ohnehin schwierig. Wir haben erst im März unser Bündnis mit der Liste Burgenland (Anm. Poller ist ein Team Stronach-Mann) begründet, daher war die Zeit auch sehr knapp. Wir werden das Bündnis aber weiterführen und auch in Zukunft gemeinsam agieren. Der Grundstein ist gelegt, um sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene etwas erreichen zu können.

FPÖ hofft auf positive Auswirkungen

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FPÖ-Spitzenkandidat Gerhard Kovasits über den Erfolg seiner Partei: „Ich bin sehr zufrieden, wir liegen in den meisten Gemeinden des Bezirks über dem Landesschnitt. Die letzten sechs Wochen sind wir ohne Pause „gelaufen“, das Ergebnis war scheinbar der Dank dafür. Ob das Landtagswahlergebnis für die Gemeinderatswahl 2017 eine Rolle spielen wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Sollten wir als FPÖ in einer Landesregierung mit dabei sein, wird sich das sicher positiv auf die Wahlen in zwei Jahren auswirken.“

Andreas Rohatsch, Bezirkssprecher der Grünen und Spitzenkandidat freut sich: „Wir haben durchgehend in allen Gemeinden dazugewonnen, auch in jenen, wo wir traditionell eher wenig vertreten sind. „Besonders in der Stadt Neusiedl können wir uns mit über 13 Prozent über ein sensationell gutes Ergebnis freuen.“

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Vor voreiligen Entscheidungen warnt Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Stefan Hautzinger (ÖVP), seine Parteikollegen: „Keine Schnellschüsse, wir dürfen die Nerven jetzt nicht wegschmeißen und müssen in Ruhe analysieren.“ Landesrat AD Paul Rittsteuer, der beim Einholen der Ergebnisse im ÖVP-Bezirksbüro mitgefiebert hat, meint: „Durch die lange Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVP entsteht Protestpotenzial, Nutznießer ist jetzt die FPÖ.“

"Derzeitiger Stil gefällt mir nicht"

Als einen harten Kritiker aller Parteien sieht sich Wibag-Direktor Franz Kast (ÖVP): „Der derzeitige Stil der Politik gefällt mir nicht, es geht nicht um die Sache, sondern um den Machterhalt. Der Wahlkampf wurde zu oberflächlich geführt, der Vorzugsstimmen-Wahlkampf hat die Themen verdrängt. Die Wähler erwarten sich klare Stellungnahmen, die Themen wurden zwar angesprochen, aber keine Lösung präsentiert. Bis jetzt hat man keine Antwort auf die FPÖ gefunden. Man wollte Dinge nicht wahrhaben. Die beiden großen Parteien betreiben Realitätsverweigerung.“

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Gerhard Resch, ehemaliger Landesschulratspräsident (SPÖ), reagierte mit Humor auf das Ergebnis: „Wenigstens Rapid hat heute gewonnen. Heute ist das ja nicht so einfach, außer, wenn man gegen alles ist, dann gewinnt man in Österreich“, betont der Neusiedler, den das Stadt-Ergebnis ein wenig zu trösten vermochte.






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