Erstellt am 12. Dezember 2012, 00:00

Revival der Gladiolen. Beliebt / Mitorganisator Nick Titz, zeigt in seiner Galerie Gerbgruben Filme über die bekannten Feste. Die Neusiedler kommen in Scharen, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Neue Technik. Nick Titz hat die Filme digitalisieren lassen und auf CD gebrannt. Nun zeigt er sie den Neusiedlern. Reiter  |  NOEN
Von Pia Reiter

NEUSIEDL AM SEE /  Sie waren das Großereignis der Stadt: Die legendären Gladiolenfeste, die zwischen 1959 und 1971 alle zwei Jahre stattfanden. Durchaus vergleichbar mit den Narzissenfesten in Bad Aussee. Nick Titz, der die Veranstaltungen mitorganisiert hat, erzählt: „Beim ersten Mal kamen mehr als zweihundert Leute, da musste ich einen Zusatztermin machen, weil so viele die Filme sehen wollten.“ Viele Neusiedler erkennen sich darauf wieder oder erkennen Freunde und Verwandte, die an prächtigen Blumenkorso teilgenommen haben.

Entstanden ist das Neusiedler Gladiolenfest, weil damals Europas größter Gladiolenzüchter, Franz Fekete, in Neusiedl am See zu Hause war. Zu seiner Hochzeit baute er auf 40 Hektar in Neusiedl am See, Weiden am See und am Karlhof in Deutsch Jahrndorf diese Blumensorte an. Der Gärtnermeister durfte aber nur die Knollen verkaufen, die Blütenstände wurden lange einfach nur kompostiert. Dann gab es unter Bürgermeister Jakob Mädl die Idee etwas aus der Blütenpracht zu machen. „Deshalb gab es 1958 ein Gladiolen-Seefest, einen Kirtag auf dem Wasser, wo Gladiolenschmuck angeboten wurde“, erklärt Titz.

70.000 Gäste beim  Gladiolen-Korso

1959 gab es dann das erste Fest mit etwa 50 geschmückten Fahrzeugen, mit Motiven aus Geschichte, Landschaft oder der Operettenszene. 1961 wurden bereits 60.000 Besucher gezählt, 1965 bereits 70.000 und bis zu 450 Neusiedler, von Jugendlichen bis hin zu Pensionisten, waren unentgeltlich dafür im Einsatz. Termin war immer zwischen dem 15. Und 20. August: „Wir haben uns die sogenannte Kaiserwoche ausgesucht, denn da hat es immer den wenigsten Niederschlag gegeben. Tatsächlich hat es bei keinem einzigen Fest geregnet. Ohne Zweifel der Auftakt für den Massentourismus in Neusiedl am See“, so Titz.

Auch das Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen: Es gab eine Segelregatta, eine Modenschau direkt am See, Darbietungen von Trachtenvereinen, Musikkapellen und der ländlichen Reiterei. Finanziell gelohnt habe sich die Veranstaltung nie, so der Mitorganisator, die Stadtgemeinde habe eine Ausfallshaftung übernommen.

Was für viele ein besonderes Erlebnis war, sind die Werbefahrten, die unternommen wurden, um Gäste, vorwiegend aus Wien, zu den Gladiolenfesten einzuladen. „Die Neusiedler Mädchen haben entlang dem Rennweg und der Innenstadt Blumen an die Autofahrer verteilt, außerdem waren wir in der Radio-Sendung „Autofahrer unterwegs“ bei Willi Kralik zu Gast, um für das Fest zu werben“, schwelgt Titz in Erinnerungen an damals.

Fortsetzung geplant: Zweiter Film in Arbeit 

Material für drei weitere Stunden Film gibt es laut dem Neusiedler noch: „Ich habe noch nicht alles gezeigt. Insgesamt gibt es fünf Stunden, dank der Aktion Filmland Burgenland wurden die 64 Altfilme vom Filmarchiv kostenlos digitalisiert. Die möchte ich aber zuerst bearbeiten und dann im Frühjahr 2013 den Neusiedlern zeigen.“