Erstellt am 24. September 2014, 13:33

von Pia Reiter

Russische Tarantel in Nickelsdorf. Die Nickelsdorferin Daniela Pammer entdeckte bei ihrer Garteneinfahrt eine ungewöhnlich große, ihr aber unbekannte Spinne.

 |  NOEN, Pixabay
Sie fing die Spinne ab und brachte sie am nächsten Tag zu Tina Rosner, welche in Nickelsdorf für gefundene Tiere zuständig ist. Gemeinsam mit einem Freund, der Universitätsarzt ist, haben sie festgestellt, dass es sich um eine russische Tarantel handelt. 

Für Menschen ungefährlich

Thomas Zechmeister, Leiter der Biologischen Station in Illmitz weist darauf hin, dass die heimische Tarantel wie sie hier im Seewinkel zu finden ist, eh eine russische ist: "Das Tier ist komplett harmlos und nicht gefährlich für Menschen. Einzig und allein das Aussehen ist furchterregend", betont er.

Die Tiere sind laut dem Experten sehr selten und für das Gebiet charakteristisch. Je nach Jahresverlauf kann es sein, dass sich diese Tiere manchmal  vermehrt in gewissen Gegenden ausbreiten - je nachdem wieviele Junge es gibt. Dies ist dieses Jahr in Nickelsdorf der Fall.

Zechmeister war es schon bekannt, dass es in Nickelsdorf diese Tiere gibt : "Einmal sind es eben mehr, einmal weniger." Gewöhnlich siedeln sie sich in ruhigen Gebieten an, aber es kann vorkommrn, dass die Tiere auch mal im Wohnhaus anzutreffen sind. Er rät dazu, die nachtaktiven Tiere zu nehmen und wieder ins Freie zu setzten. 

Keine Sofortmaßnahmen geplant

Bürgermeister Gerhard Zapfl wird keine großen Maßnahmen gegen die Tiere setzten: "Es wird versucht werden, die Taranteln wegzubringen, beziehungsweise werden wir abzuwarten, ob sie von selbst wegwandern."

Da keine Gefahr von diesen Tieren ausgeht, sind laut Zapfl sofortige Maßnahmen nicht unbedingt zu setzen. Gemeinsam mit Frau Rosner wird nun versucht, eine Lösung zu finden.

Biologe und Experte Milasowszky: "Natürliche Sache" statt Invasion

Auch der Biologe und Spinnen-Experte Norbert Milasowszky gab am Donnerstag Entwarnung: "Im Herbst suchen die Spinnen neue Populationen, das dauert etwa von September bis Oktober. Mitte, Ende Oktober kriechen die Weibchen in selbst gegrabene Röhren und überwintern dort, im Frühjahr kommen sie wieder raus

Von einer Invasion – wie teilweise kolportiert – könne jedenfalls keine Rede sein, betonte der Experte, der sich in den 1990er-Jahren im Rahmen eines Projektes intensiv mit der Tarantel im Seewinkel beschäftigt und diese untersucht hat. Er klärte außerdem auf, dass die Spinne nicht springen könne und es sich um eine sogenannte Wolfspinne handle, die sehr wohl auch giftig sei.

Angst vor Bissen müsse man allerdings keine haben. Milasowszky riet, die Tiere mit einem Glas und einem Karton als Deckel einzufangen. Danach solle man die Spinne am besten in der Natur wieder freilassen.

"Sie verirren sich. Viele wandern weiter, die fallen niemandem auf"

Mit einem erhöhten Wasserstand am Neusiedler See bzw. dem vielen Regen habe das derzeitige Auftreten der Tiere seiner Meinung nach nichts zu tun. Milasowszky geht eher von einem Zusammenhang mit dem Klimawandel aus.

Generell biete der Seewinkel und auch die Parndorfer Platte "sehr schöne Lebensräume" für die Tarantel. Dass sie in Kellern bzw. in besiedelten Gebieten gefunden werde, liege einzig und allein daran, "dass sie sich verirren. Sie kommen zufällig. Viele wandern weiter, die fallen niemandem auf", so der Biologe.

Verirrte Taranteln gibt es laut dem Spinnen-Experten nicht nur im Nordburgenland. Auch in Niederösterreich seien immer wieder solche Tiere in menschlichen Siedlungen entdeckt worden.