Erstellt am 12. Januar 2011, 00:00

Schwieriges Weinjahr, Spritzer wird teurer. WEINMARKT / Laut Weinexperten wird Billigwein teurer, der Preis für höher qualitativen Wein wird gleich bleiben.

Paul Rittsteuer, Präsident der Renommierten Weingüter Burgenland, sieht mit dem Anstieg der Weinpreise eine Normalisierung am Markt. Vor allem Weine der Billigschiene werden 2011 teurer.BIRGIT BÖHM-RITTER  |  NOEN
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BEZIRK NEUSIEDL AM SEE / „Darf es ein bisserl mehr sein“ wird es in den Weinregalen in Zukunft heißen. Und damit ist nicht die Menge der Bouteillen sondern der Preis gemeint. Durch das schlechte Weinjahr 2010 steigt der Handelspreis an. Mit Einbußen von etwa 35 Prozent im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt wurde die kleinste Traubenernte seit 1985 eingefahren.

Andreas Liegenfeld: „Der  Markt ist nervös“

Gerade bei den Weißweinen ist erheblich zu wenig an Menge da, um den österreichischen Markt abdecken zu können. „Für das Verkaufsjahr 2011 fehlen hier 50 Millionen Liter“, sagt Andreas Liegenfeld. Der Präsident des Weinbauverbandes Burgenland sieht im Ansteigen des Gebindepreises um mehr als das Doppelte ein erstes Indiz, dass „der Markt nervös ist“. Laut Liegenfeld werden vor allem Weine im qualitativ unteren Segment, also Billigprodukte, teurer. Das betrifft zum einen Supermarktwein und zum anderen den Landwein, der vor allem als „Spritzerwein“ ausgeschenkt wird. Eine Preissteigerung von 20 Prozent darf erwartet werden. In die gleiche Kerbe schlägt Paul Rittsteuer, Neusiedler Winzer und Präsident der Renommierten Weingüter Burgenland. Er sieht mit dem Anstieg des Trauben- bzw. Fasspreises aber eine Normalisierung am Markt: „Von den niedrigen Preisen für die Trauben, konnte ein Winzer in den letzten Jahren nicht mehr leben.“

Glaubt man den beiden Weinexperten, wird österreichischer Weißwein in den Regalen des Lebensmittelhandels in diesem Jahr seltener zu bekommen sein. Vor allem das Niedrigpreissegment kann nicht abgedeckt werden. Das betrifft Weine, die bis jetzt mit Preisen zwischen 1,99 und 2,99 Euro pro Flasche verkauft wurden. „Die Billigschiene wird entweder wegfallen oder durch ausländische Weine ersetzt“, ist Paul Rittsteuer überzeugt. Eine kontinuierliche Marktabdeckung wäre zwar wünschenswert, die Winzer seien aber von der Natur abhängig. Ernteschwankungen habe es immer gegeben. Ob auch seine Weine teurer werden, weiß er noch nicht.

„Preisanpassung schon  längst fällig“

Der Illmitzer Hans Tschida hingegen hat sich schon entschieden. Für eine teilweise Teuerung seiner Weine. Der Sweet Wine Maker oft the Year 2010 will den Preis für „einfachere Weine“ anheben, die Preise der Top-Produkte werden aber gleich bleiben. Seiner Ansicht nach hätte es schon in den vergangenen Jahren zu einem Preisanstieg kommen müssen. „Auch die Zulieferer sind teurer geworden. Das betrifft zum Beispiel Kapseln und Korken“, sagt Tschida. Die Winzer hätten sich bis jetzt aber nicht getraut, die Preise anzuheben. Auch für die Golser Hans und Anita Nittnaus ist eine „Anpassung längst fällig“. Solange ein Überangebot da sei, könne man mit dem Preis nicht in die Höhe gehen. Selber werde er nun den Preis für drei Sorten von 6,50 auf sieben Euro anheben.