Erstellt am 25. Februar 2015, 05:30

Seebad Neusiedl: Wirbel um Parkgebühr. Konzept mit Parkraumbewirtschaftung und Senkung der Eintrittspreise sorgt für hitzige Diskussion.

Bei der Präsentation. Bürgermeister Kurt Lentsch, die Gemeinderäte Alexandra Fischbach und Hannes Linhart, Stadtrat Thomas Halbritter sowie Helmut Lehner und Christian Grubits, die das Konzept erarbeiteten. Foto: RP  |  NOEN, RP

Seit Jahren gibt es am See ein Parkplatzproblem: Pro Saison gibt es immer wieder Tage, wo eine Überlastung des Parkplatzangebotes im Bereich des Seebades zu verzeichnen ist. Nun wurde von ÖVP und Grünen ein Konzept zur Parkplatzbewirtschaftung am Montagabend präsentiert und diskutiert.

3.200 Besucher an Sommer-Spitzentagen

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Basierend auf einer Studie, die das Höfleiner Unternehmen Lehner & Hysek OG erstellt. Dazu wurden von Mitarbeitern der Stadtgemeinde 2013 täglich sämtliche Autos, die beim Seebad geparkt haben und alle Eintritte, gezählt.

Das Ergebnis: An Spitzentagen im Sommer kommen bis zu 3.200 Besucher in das Seebad, dazu kommen noch Gäste in der Mole West, im Seerestaurant, Bootsbesitzer, Besucher des Yachtclubs, Segelschüler, die vielen Angestellte in den Betrieben am See.

Durch Seehotel 100 Parkplätze weniger

Der überwiegende Teil der Besucher reist mit dem Auto an. Diesen stehen im Seegelände 680 Parkplätze zur Verfügung. Das reicht an Spitzentagen im Sommer bei Weitem nicht aus. Über 100 Autos parken dann in der Seeallee, 250 beim Hallenbad.

Hier wurde ein zusätzlicher Bedarf von 400 Parkplätzen an diesen drei Tagen errechnet. Durch die Errichtung des Seehotels wird die Situation zusätzlich verschärft, weil dadurch 100 Parkplätze wegfallen.

Hitzige Diskussion im Seerestaurant

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Nach dem erarbeiteten Konzept soll durch die Einhebung einer Parkgebühr die Anreise per PKW unattraktiver und ein Anreiz für eine umweltfreundliche Anreise zum Beispiel per Rad geschaffen werden.

Dazu sollen auf dem Parkplatz vier Automaten aufgestellt werden. Pro halbe Stunde wären 50 Cent fällig, pro Tag höchstens fünf Euro, im Zeitraum von Mai bis September, täglich von 9 bis 17 Uhr.

Im Gegenzug werden die Eintrittskarten in das Seebad radikal um 30 Prozent verbilligt bzw. der Gratiseintritt für Kinder von derzeit drei auf sechs Jahre erhöht. Wer also im Sommer zu Fuß oder mit dem Rad kommt – und keinen Parkplatz besetzt – wird belohnt. Ebenso zahlt es sich aus, wenn man Fahrgemeinschaften bildet, so der Plan (Details siehe unten).

Darüber entbrannte im Seerestaurant eine hitzige Diskussion unter den etwa 100 Anwesenden. Der Tenor: Die Parkgebühren wurden rigoros abgelehnt, mit den derzeitigen Eintrittspreisen können die Neusiedler leben. „Die Anregungen der Bevölkerung werden nun eingearbeitet und es wird weiter diskutiert. Eine optimale Lösung für alle Beteiligten soll noch heuer beschlossen werden“, so ÖVP und Grüne unisono.


Konzept: Das wäre geplant

Die wichtigsten Punkte des präsentierten Konzepts zur Parkraumbewirtschaftung im Seebad:

  • Gratiseintritt für alle Kinder bis 6 Jahre (derzeit nur bis 3 Jahre)

  • Für Jugendliche und Pensionisten werden die Preise der Tageskarte von 3 auf 2 Euro gesenkt (Verbilligung um 33 Prozent)

  • Erwachsene zahlen pro Tag statt 4,50 Euro nur 3 Euro (minus 33 Prozent)

  • Nachmittagskarten werden von 2,80 auf 2 Euro beziehungsweise ermäßigte Tageskarten von 2 Euro auf einen Euro verbilligt

  • Saisonkarten werden von 55 Euro auf 35 Euro gesenkt (minus 36 Prozent), ermäßigt von 32 auf 25 Euro, für Kinder/Jugendliche (von 6 bis 18) von 21 auf 15 Euro

  • Abschaffung aller Sondertarife – es gibt nur mehr Halbtages, Tages- und Saisonkarten

  • Für PKW werden 50 Cent pro 1/2 Stunde an Parkgebühren eingehoben (maximal 5 Euro/Tag)

  • Gebührenpflichtige Zeiten: Mai bis September, Mo-So, 9 bis 17 Uhr

  • Infrastruktur wird ausgebaut (200 neue Radabstellplätze, Radboxen für Helme und Zubehör)

  • Verlegung der Bushaltestelle vom hinteren Ende des Parkplatzes zum Eingang ins Seebad


Zitiert: „Der falsche Weg“

„Parkgebühren sind der falsche Weg. Die Leute wollen einen möglichst kurzen Weg vom Parkplatz ins Seebad. Mehr Fläche zum Parken ist die einzige Lösung.“
Johann Dragschitz

„Wie soll das funktionieren? Wer ist heute mit dem Rad, dem Roller oder zu Fuß gekommen? Ich bin der Einzige der mit dem Rad da ist. 90 Prozent hätten heute zu Fuß hierher kommen können.“
Georg Haider

„Ich bin seit 1988 hier. Touristen kommen, um die Mole West oder das Seerestaurant zu besuchen. Wenn man Parkplätze an das Hotel abgibt, sollte man Ersatz schaffen. Es darf keine Parkplatzbewirtschaftung geben.“
Mansoor Fazeli, Betreiber des Seerestaurants „Da Marco“

„Ich muss ein bisschen in der Vergangenheit schwelgen. Jedes Mal, wenn ich mit meiner Mutter zum Seebad fahre, schwärmt sie von der Tingelbahn, die es einmal gegeben hat. Wäre das nicht eine Möglichkeit, eine kleine Bahn, die ständig im Kreis fährt und Leute mitnimmt?“
Maria Theresia Rittsteuer

„Das wird auf dem Rücken der Betriebe ausgetragen. Sind diese hier berücksichtigt worden? Seit circa zehn Jahren hat sich die Zahl der Leute erhöht, die herkommen, um einen Kaffee zu trinken oder spazieren zu gehen. Diese werden damit vertrieben. Neusiedl wird immer bekannter, versucht man das jetzt wieder zu zerstören? Für ein Park & Ride-Ticket in Wien zahlt man für den ganzen Tag 3,40 Euro. Hier will man 5 Euro Parkgebühr für einen Tag einheben.“
Franz und Bernd Karolyi, Mole West