Erstellt am 22. Oktober 2014, 08:55

von Nicole Thüringer

Fliege bringt Einbußen. Winzer befürchten heuer Ernteeinbußen von mehr als 50 Prozent. Schuld daran soll die sogenannte Kirschessigfliege sein.

Kirschessigfliege. Die Fliege richtet erheblichen Schaden an Trauben an und lässt Winzer, die Süßwein-Einbußen, deutlich spüren.  |  NOEN, zVg

Die diesjährige Weinlese stellte für viele Winzer aus dem Bezirk eine große Herausforderung dar. Ungünstige Witterungsbedingungen sowie Schädlinge, wie die Kirschessigfliege, bereiten den Weinbauern große Sorgen. Vor allem bei den Süßweinen werden Ernteeinbußen von mehr als 50 Prozent befürchtet. Schuld daran soll unter anderem die sogenannte Kirschessigfliege sein.

„Fliege wird in nächsten Jahren zu Problem“ 

Die von dieser Fliege befallenen Trauben schmecken dann nämlich nach Essig und faulen zusammen.

Der Schädling wurde erstmals vor fünf Jahren in Europa vorgefunden und von Asien eingeschleppt. Mittels genauer Beobachtung will die Wirtschaftskammer das Verbreitungsgebiet der Kirschessigfliege genau feststellen. Das Ziel dabei ist es, so schnell wie möglich ein Mittel gegen den Schädling zu finden. Auch das Weingut Angerhof Tschida aus Illmitz hat die diesjährige Süßweintraubenernte bereits abgeschlossen, zufrieden mit der Ernte sei Hans Tschida jedoch nicht: „Die Schäden sind heuer enorm. Ob es sich aber hierbei um die einheimische Essigfliege oder die Kirschessigfliege handelt, die den Schaden angerichtet hat, kann ich nicht beantworten.“

Am stärksten betroffen seien aromatische Sorten, wie zum Beispiel Sämling und Traminer. Laut Tschida richtete die Fliege binnen einer Woche einen enormen Schaden an. Auch er spreche von Ernteeinbußen von mehr als 50 Prozent. „So etwas hat es noch nicht gegeben.“ Dennoch weiß der Winzer aus Illmitz: „Zumindest die Menge, die wir verarbeiten konnten, ist qualitativ sehr gut.“

Die Vermehrung erfolgt explosionsartig 

Der Weinbauberater Gerhard Steinhofer erklärt: „Im Vorjahr wurde die Kirschessigfliege erstmals im Südburgenland bei Holunderpflanzen vorgefunden. Nun konnte der Schädling auch im Nordburgenland nachgewiesen werden. Vereinzelt gibt es von Winzern aus dem Gebiet bereits Verdachtsmeldungen über erste Schäden bei Weintrauben.“

Das Problem dabei: Ein Weibchen könne circa 400 Eier legen, Rotweinsorten würden bevorzugt befallen werden. Die Vermehrung erfolgt laut Steinhofer explosionsartig. Dabei würden die Beeren madig werden und zu faulen beginnen oder einen Essigstich bekommen. Ernteausfälle bis zu 80 Prozent wären möglich.

Auch die Weingärten vom Weingut Steiner aus Podersdorf am See wurden von der Kirschessigfliege heimgesucht: „Vor allem bei den Traminern müssen wir heuer ungefähr 70 Prozent Ernteeinbußen hinnehmen. Innerhalb einiger Tage wurden die Trauben erheblich geschädigt. Ich würde sagen, dass ungefähr 50 Prozent der Schäden auf die Kirschessigfliege zurückzuführen sind“, erzählt Silvia Steiner.


Zum Thema

Die Kirschessigfliege ist in Südostasien beheimatet und wurde erstmals vor fünf Jahren in Europa vorgefunden. Sie bevorzugt gemäßigtes Klima. Temperaturen von 30 Grad Celsius schränken die Aktivitäten und über 32 Grad Celsius auch die Vermehrung ein. Damit sind große Teile Europas für eine Ansiedlung geeignet.

Sie gilt in der Landwirtschaft als gefürchtet, da sie die reifenden Früchte schädigt und durch ihre enorm schnelle Vermehrung eben sehr großen Schaden verursachen kann. Die Kirschessigfliege zählt daher zu einem schwer bekämpfbaren Insekt.