Erstellt am 10. September 2014, 08:28

von NÖN Redaktion

Sorge um Weinlese. Weinwirtschaft / Burgenlands Winzer macht der nasse Sommer zu schaffen: „Das kann sich auf Menge und Qualität auswirken“. Die Weinbauern zeugen sich trotzdem optimistisch.

Jahrgang 2014. Das Geschick der Winzer ist heuer besonders gefragt. Regen, Hagel und Pilz setzten den Trauben dieses Jahr zu.  |  NOEN, BVZ

„Der nasse Sommer kann sich auf Qualität und Menge auswirken. Aber noch hoffen wir“, erklärt Wein-Burgenland Geschäftsführer Christian Zechmeister die Lage in den Weinbergen. „Die Gefahr ist, dass einige Trauben platzen, zu Faulen anfangen und die benachbarten Trauben mitreißen“, so auch Landesrat Andreas Liegenfeld. Dennoch sind beide optimistisch. Zechmeister dazu: „Für mich ist da nichts gegessen, die nächsten zehn bis 15 Tage sind entscheidend.“ Auch Liegenfeld ist hoffnungsfroh: „Ein guter Winzer kann mit diesem Jahrgang umgehen. Es wird ein Jahr des Winzers und nicht der Natur. Schlampig darf man im Weingarten jetzt nicht sein. Die Arbeit im Keller wird herausfordernd sein.“

Joiser Winzer schlimm getroffen

Für die Joiser Winzer gehört 2014 zu den schlimmsten Jahren seit Langem. Hagel, die Pilzkrankheit Oidium (Echter Mehltau) und der viele Regen haben den Trauben nicht gut getan.

Der Joiser Winzer Rudolf Wetschka vom Agerlhof beginnt kommende Woche mit der Hauptlese: „Die Fäulnis der Trauben tritt im unreifen Zustand ein und geht rapide voran. Auch die Gradation wird niedrig bleiben“, erklärt er. Außerdem seien in Jois 250 Hektar Weingärten leicht vom Hagelschaden, 100 bis 150 Hektar rund um den Ochsenbrunnen sogar stark vom Hagelschaden betroffen. „Dort rechne ich mit einem kompletten Ausfall unseres Gelben Muskatellers.“

Im Keller: „Trauben schonend pressen“ 

Für die kommenden Tage hofft Wetschka auf wärmere Nächte. Das Schlimmste seien kalte Nächte und heiße Tage. „Das bedeutet nämlich viel Tau und damit wieder Fäulnis.“ Um trotzdem eine gute Qualität des 2014er Jahrganges zu erreichen, muss im Weingarten gut aussortiert und im Keller schnell gearbeitet werden: „Gut entschleimen, sachte und schonend pressen und die Trauben schnell zur Gärung bringen“, heißt sein Rezept in diesem Jahr.

Robert Goldenitz, Winzer aus Tadten, ist guter Dinge: „Das eine oder andere Fäulnis-Nest ist zwar auch in unseren Weingärten zu finden, dennoch ist die Fäulnis noch nicht weit fortgeschritten. Jetzt werden jedoch Sonne und Wind für den Zuckeraufbau der Trauben benötigt. Wir werden konzentriert an die Sache herangehen und somit steht auch heuer einer Top-Ernte nichts mehr im Wege. Der diesjährige Wein wird vermutlich sehr fruchtig und säurebetont. Ich bin äußerst zuversichtlich.“

Winzer hoffen auf warmes Wetter

Der Jungwinzer Christoph Salzl aus Illmitz hofft auf sonnige Tage. Die Haupternte beginnt bei uns um den 15. September herum.“ Der Jungwinzer prognostiziert keine großen Mengen, „aber die Qualität der Weine wird passen.“ Nun heißt es: Geduld bewahren und auch ein wenig zu riskieren.“

Der Neusiedler Weinbauvereinsobmann Thomas Haider: „Es ist ein schwieriges Jahr für die Winzer, speziell in Neusiedl. Wir waren heuer sehr stark vom Unwetter, Hagelschäden und Pilzbefall betroffen. Wir hatten wahnsinnig hohe Niederschläge von 235 Litern in fünf Wochen.“ Einige Weinbauern hätten aufgrund des Hagels einen Totalausfall.
Warmes Wetter für mindestens drei Wochen, also einen kräftigen Altweibersommer, damit die roten Trauben ausreifen können, wäre jetzt optimal. Kühlere Temperaturen lassen wiederum auf einen fruchtigen Weißwein hoffen.