Erstellt am 27. Juli 2016, 10:26

von Birgit Böhm-Ritter

Stareabwehr-Programme: Wanderfalke statt Drohne. Winzer-Gemeinden beginnen demnächst Stareabwehr-Programme. In Gols könnte ein Test mit Raubvögeln starten.

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Wer seinen Blick in diesen Tagen gen Himmel gerichtet hat, dem sind sie sicher schon aufgefallen. Die Schwärme von Staren. Noch hält sich ihre Anzahl in Grenzen, die Formationen sind klein.

Test in Gols könnte noch heuer starten

Für Winzer wird es aber bereits Zeit, sich Abwehrmaßnahmen zu überlegen. Schließlich stehen die süßen Trauben auf dem Speiseplan dieser Zugvögel. In den meisten Gemeinden wird klassische Stareabwehr betrieben, das heißt, man setzt etwa auf Feldhüter, die die Vögel mit Schreckschusspistolen vertreiben, auf Jäger, die mit Schrot gegen die Vögel vorgehen oder auf Schreckschussapparate. Vermehrt werden die Reben auch durch Netze geschützt.

In Gols könnte es zukünftig eine alternative Variante der Stareabwehr geben. „Es gibt Überlegungen mit Falken, die Stare vom Trauben fressen abzuhalten“, erzählt Michael Allacher, Obmann des Weinbauvereines. Allacher ist bereits im Gespräch mit Falkner Raimund Lindner. Er könnte noch heuer einen Test in Gols starten, vorausgesetzt die Pächter des Jagdreviers geben ihr Einverständnis.

Lindner: „Star erkennt Falken- Imitation“

Der Nickelsdorfer Falkner hat Erfahrung im Einsatz von Falken in der Landwirtschaft. Fast sechs Jahre lang hat er mit seinen Tieren erfolgreich auf Bio-Maisfeldern in Siegendorf, Wulkaprodersdorf, Zagersdorf und Draßmarkt gearbeitet. Damals waren es Saatkrähen, die seine Falken vertrieben hatten. Lindner ist sich sicher, dass die Raubvögel genauso erfolgreich in Weinbaugebieten eingesetzt werden könnten.

Schließlich liege es in der Natur des Falken, Stare zu jagen. Von der Möglichkeit, Stare mittels Drohnen zu vertreiben, die Falken imitieren, wie es derzeit im Rahmen eines Pilotprojektes in Rust versucht wird, hält er dagegen nichts. Die Stare würden schnell durchschauen, dass kein natürlicher Raubvogel unterwegs sei. „Die Vögel merken sogar, wenn ein Falke nur einen Spazierflug macht und gerade nicht auf Jagd ist“, erklärt Lindner.

"Verjagt Vögel nur von einer Ortschaft in die andere"

Trotzdem beobachten auch die Weinbauern im Bezirk das Ruster Pilotprojekt mit Interesse. Gerade für kleinere Weinbaugemeinden dürfte es interessant sein. Auch der Andauer Winzer Erich Scheiblhofer ist auf diese Methode aufmerksam geworden und wartet gespannt, auf die ersten Erkenntnisse. Heuer setzt man aber auch in seiner Heimatgemeinde auf Lautsprecher und Feldhüter. Dabei ist Scheiblhofer sich dem Grundproblem in der gesamten Stareabwehr bewusst. „Eigentlich verjagt man die Vögel nur von einer Ortschaft in die andere“. Die Vögel würden nicht vertrieben, sondern nur „hin und her gejagt“ werden.

In Tadten setzt man traditionell auf Hüterdienst. Ob man heuer überhaupt Stare vertreiben wird, ist offen. „Vielleicht kommen wir mit weniger Stunden aus“, meint Weinbauvereinsobmann Robert Goldenits. Schließlich seien kaum Trauben da. Er spricht von einem Totalausfall durch den Frost im April.