Illmitz

Erstellt am 01. September 2016, 05:00

von Birgit Böhm-Ritter

Jahrgang 2016: Rar, aber von Qualität. Während die ersten Jungweine in die Flasche kommen, läuft die Haupternte erst richtig an. Das Wenige ist vielversprechend.

Die Lese der Frühsorten hat begonnen und ist teilweise bereits abgeschlossen. Die Qualität der Trauben lässt auf einen guten Jahrgang hoffen.  |  BVZ

In etwa einer Woche wird der erste Jungwein des Jahrgangs 2016 in der Flasche sein. Die Lese der Frühsorten wie etwa Bouvier, Müller Thurgau oder Muskat Ottonel, ist in einigen Weingütern bereits abgeschlossen.

Das Illmitzer Weingut Heiß etwa ist jedes Jahr unter den ersten Weingütern, die Jungwein in die Flasche bringen. Auch das Weingut Schrammel „3Mäderlhaus“ gehört zu den Frühstarten. In ein paar Tagen wird es soweit sein“, bestätigt Herbert Schrammel.

Bezirk: 65 Prozent weniger Ertrag

Liebhaber der leichten, fruchtigen jungen Weißweine dürfen sich also freuen. Den ersten 2016er können sie in den nächsten Tagen schon verkosten. Dann, wenn für viele Weinbauern die Arbeit erst so richtig beginnt.

Denn Mitte September wird in den meisten Weinbaugemeinden mit der Haupternte gestartet. Damit liegt man heuer ziemlich im Durchschnitt, vergleicht man vergangene Jahre. Die Vegetation sei trotz des schwierigen Witterungsverlaufes im Frühjahr nur um einige Tage verzögert, erklärt der Präsident der Landwirtschaftskammer Franz Stefan Hautzinger (siehe Infobox).

Waren die Frosttage am 26., 27. und 29. April sozusagen mehr als suboptimal, so spielt das Wetter den Winzern momentan in die Hände. „Die Weinreben sind mit genügend Wasser versorgt, jede Menge Sonne und kühle Nächte - das sind tolle Bedingungen für ein perfektes Aroma“, freut sich Hautzinger und hofft weiter auf ein stabiles trockenes Wetter. Werden Hautzingers Hoffnungen erfüllt, ist ein qualitativ guter Jahrgang zu erwarten.

Aber ein Jahrgang mit einem großen Wermutstropfen, denn es wird nur ganz wenig davon geben. Hautzinger spricht von rund 65 Prozent weniger Ernteertrag im Neusiedler Bezirk: „Die Hauptaugen der Knospen sind erfroren, die heurigen Erträge kommen fast vollständig von den Nebenaugen“. Die Nebenaugen, die in der Folge in den geschädigten Anlagen austrieben, haben allerdings naturgemäß einen geringeren Fruchtansatz gezeigt.

Trauben sind schneller reif

Franz Zehetner von der Burgenland Kellerei in Illmitz schätzt die Lage im Bezirk ähnlich ein: „In Summe werden wir heuer etwa bei 40 Prozent einer Durchschnittsernte liegen.“ Die Ernte werde wohl nicht lange dauern. Auch der Reifezeitpunkt nahe rasch heran. „Die Trauben werden schneller reif, das dürfen Bauern nicht unterschätzen. Wenn ein Stock seine gesamte Kraft in zwei Trauben steckt, geht es schneller, als wenn 20 Trauben zu versorgen sind“, führt Zehetner aus.

Mit seinem Traubenverarbeitungsbetrieb kauft er Trauben von Pamhagen bis Mörbisch ein. Er rechnet mit einem Durchschnittspreis von 1,30 Euro pro Kilo, vereinzelte Sorten könnten heuer bis auf 2 Euro das Kilo steigen. Vergangenes Jahr lag der durchschnittliche Kilopreis etwa bei 80 Cent.

Die Steigerung wird Bauern allerdings auch nicht glücklicher machen. „Bei der geringen Menge müsste der Winzer 6 bis 8 Euro bekommen, um noch einen Gewinn zu machen“, schätzt Zehetner. Das sei aber illusorisch. Wie weit der Konsument die Preissteigerung zu spüren bekommen werde? „Sicher nicht dramatisch“, glaubt Zehetner.

Kaum Preiserhöhung für Konsumenten

So sieht das auch Robert Goldenits aus Tadten. Die Winzer in seiner Ortschaft und in der Nachbargemeinde Pamhagen sind am stärksten vom Frost getroffen worden. „Bei uns kann man heuer gar nicht von einer Lese sprechen, es ist ein „Zsammglauben“ der Trauben“, verdeutlicht er.

Die Erträge liegen im einstelligen Prozentbereich einer Durchschnittsernte. Die Arbeit sei deswegen aber nicht weniger, im Gegenteil. Trotzdem werde er seine Preise nicht anheben.