Erstellt am 06. Juli 2016, 12:50

von Birgit Böhm-Ritter

Landwirtschaft: Ernte gut, Preise im Keller. Franz Stefan Hautzinger spricht über die soeben gestartete Getreideernte, die Chancen für Getreidebauern am Weltmarkt und wie Winzer ihre Ausfälle kompensieren können.

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Vor etwas mehr als einer Woche hat die Getreideernte begonnen. Die ersten Dreschergebnisse lassen gute Erträge erwarten. Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Stefan Hautzinger spricht sogar von einem Plus von zehn Prozent betrachtet man den Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre. Die Witterungsbedingungen hätten den Bauern in die Hand gespielt.

Erträge: Mehr als ein Drittel aus dem Bezirk

23.000 Hektar werden im Seewinkel und auf der Parndorfer Platte mit Getreidekulturen bewirtschaftet, ein Ertrag von 120.000 Tonnen darf heuer erwartet werden. Das ist über ein Drittel des burgenländischen Gesamtertrages, der mit 305.000 Tonnen prognostiziert wird. Eingeholt werden derzeit Wintergerste und Raps. In einigen Tagen wird mit der Ernte der Hauptkultur, dem Weizen, begonnen.

Von Wetterkapriolen blieben die Getreidebauern weitgehend verschont. „Der Frost Ende April hat keine Schäden gebracht, auch der Starkregen vergangenen Samstag hat nicht geschadet“, sagt Hautzinger. Im Gegenteil: Der Regen sei vor allem für die Herbstkulturen Mais, Soja und Zuckerrüben ein Segen gewesen. Das Wetter zeigt sich den Landwirten also momentan von seiner guten Seite, die Märkte eher nicht. Die internationalen Getreidepreise, die in Paris und Chicago gebildet werden, sind im Keller. „Die Märkte stehen unter Druck, weltweit hat es in den vergangenen drei Jahren Rekordernten gegeben. Die Lager sind voll“, erklärt Hautzinger die Situation. Die Erfahrung zeige allerdings, dass für gute Qualität doch mehr bezahlt werde.

Qualität: „Jetzt heißt es abwarten“

Eine Chance für die Landwirte des Bezirks: Die Qualität des heimischen Getreides könnte durch die guten Witterungsbedingungen im europäischen Vergleich überdurchschnittlich werden. In anderen Ländern ist es nämlich zu feucht gewesen. „Wir müssen abwarten. Über die Qualität kann man erst urteilen, wenn das Getreide im Silo ist. Schließlich ist unsere Werkstatt die Natur“, deutet Hautzinger auf deren Unberechenbarkeit hin.

70 Prozent Wein-Ausfall: Marketing forcieren

Davon wissen die Weinbauern der Region ein Lied zu singen. Was dem Getreide nicht geschadet hat, hat die Weinkulturen mit voller Wucht getroffen: der Frost Ende April (die BVZ berichtete). Es hätten sich zwar da und dort neue Triebe gebildet, das Gesamtbild habe sich allerdings kaum verändert.

„Im Neusiedler Bezirk sprechen wir von einem Ausfall von 70 Prozent, in den Gemeinden Andau, Pamhagen und Apetlon sogar von circa 90 Prozent“, glaubt der Landwirtschaftskammer-Präsident. „Jetzt müssen wir noch mehr auf das Marketing setzen, damit der Konsument „nicht fremd geht“. Wir müssen mit weniger Menge trotzdem am Markt präsent bleiben. Als Winzer kann man den Markt schneller verlieren, als man ihn gewinnt.“