Erstellt am 14. Oktober 2015, 10:48

von Birgit Böhm-Ritter

Seit 2014: Sechs Tonnen Munition ausgegraben. Entlang der Bahntrasse der Neusiedler Seebahn ist eine Firma mit der Bergung von Kriegsrelikten beauftragt.

Von Pistolenmunition bis zu 50 Kilogramm - Geschossen - die Bandbreite der gefundenen Kriegsmaterialien ist groß.  |  NOEN, Neusiedler Seebahn
Seit dem Sommer 2014 wurden entlang der Neusiedler Seebahn sechs Tonnen Kriegsmaterial aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Um die Sicherheit entlang der Bahntrasse zu gewährleisten, investierte die Neusiedler Seebahn GmbH bis dato 220.000 Euro. Sie hat eine Spezialfirma für Kampfmittelbergung beauftragt, um die Bahntrasse frei von Kriegsrelikten zu machen.

Gefunden wurden Pistolenmunitionen bis hin zu 50 Kilogramm – Geschossen. Der größte Teil der Funde sei bereits explodiert gewesen, etwa zwanzig Prozent mussten noch entschärft werden, erklärt Gerhard Gürtlich, Geschäftsführer der Neusiedler Seebahn.

Fündig wurde die Spezialfirma zwischen Frauenkirchen und Pamhagen. Bis Jahresende könnten die Bergungsarbeiten abgeschlossen sein: „Vorausgesetzt das Wetter hält.“

Keine Gefahr für Bahn und Fahrgäste

Eine Gefahr für die Bahn und ihre Fahrgäste durch eine Explosion während der Bergungsarbeiten sieht der Geschäftsführer nicht. Ein Sprengkörper explodiere nur, wenn man seinen etwa ein Zentimeter großen Zündpunkt treffen würde, mit großer Wahrscheinlichkeit passiere das nicht. Gürtlich räumt aber ein, dass ein gewisses Risiko einer Selbstentzündung gegeben sei, nämlich dann, „wenn der Zündpunkt verrostet ist.“
2. Weltkrieg: Munitionszug in Frauenkirchen

„Massiv ausgegraben hat man zwischen Sankt Andrä und Frauenkirchen“, sagt Gürtlich. Warum gerade dort, weiß Historiker Herbert Brettl. Er entdeckte im Frauenkirchener Gemeindearchiv eine Korrespondenz des damaligen Bürgermeisters.

Demnach sei in Frauenkirchen bei Kriegsende ein ganzer Munitionszug stecken geblieben, der teilweise in Brand geriet. Die Ortsbevölkerung habe die herumliegende Munition nur unweit der Bahnlinie Frauenkirchen – Sankt Andrä auf einer Wiese im Schilfrohr zusammen getragen. Der Zug soll aus 61 Waggons bestanden haben, davon 33 mit Munition beladen.

Zum Thema

Bei Grabungsarbeiten für die Verlegung von Glasfaserkabel entlang der gesamten Strecke der Neusiedler Seebahn sind im August 2014 erstmals Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg zwischen Frauenkirchen und St. Andrä aufgetaucht.

Seitdem ist entlang der Bahntrasse eine Spezialfirma mit der Bergung von Kriegsrelikten beauftragt. „Munition könnte aber auch im weiter entfernten Umfeld der Bahn vergraben sein“, ruft Seebahn-Geschäftsführer Gürtlich Gemeinden und Landwirte zur Vorsicht auf.