Erstellt am 22. Juni 2011, 00:00

Sohn (7) missbraucht. ERNIEDRIGEND /  Acht Monate Haft bedingt und 1.200 Euro Geldstrafe für den Arbeiter, der seinen Sohn vergewaltigt haben soll.

BEZIRK NEUSIEDL /  Das Verbrechen soll sich bereits 1999 ereignet haben und zwar am 22. Mai – dieses Datum habe sich ihm im Gedächtnis „eingebrannt“, erklärte der heute 19-jährige Sohn des Angeklagten.

Der heute 52-jährige Vater sei damals am Abend alkoholisiert in das Kinderzimmer getorkelt und habe gesagt: „Das, was ich jetzt mache, darfst du keinem sagen, sonst musst du dran glauben.“ Danach habe er ihn zum Oralsex gezwungen - was juristisch dem Tatbestand der Vergewaltigung entspricht.

Nach dieser Missbrauchshandlung habe der Vater gedroht: „Sag es keinem, besonders deiner Mutter nicht, sonst musst du sterben.“ 2004 wurde die Ehe der Eltern geschieden. Erst 2008 brach das erlittene Unrecht aus dem Sohn heraus: Er vertraute sich einem Mitschüler an, der ihm empfahl, einen Psychologen aufzusuchen.

Im April 2010 wurde bei dem jungen Mann eine schwere Depression diagnostiziert, im Mai 2010 verschlechterte sich bei einer Sprachreise auf der Insel Malta sein Zustand. Er beging einen Selbstmordversuch und unterzog sich danach einer Therapie.

Die Sachverständige für Psychologie, Dr. Heidrun Eichberger, diagnostizierte bei dem Sohn eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung. Der Jugendliche sei davon überzeugt, dass der sexuelle Missbrauch passiert sei, seine Aussagetüchtigkeit sei aber beeinträchtigt, so die Gutachterin.

Vater bekannte sich  „nicht schuldig“

Der von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt angeklagte Vater hatte sich bereits am ersten Verhandlungstag im November 2010 nicht schuldig bekannt. Er könne sich nicht erklären, warum ihn sein Sohn derartig beschuldige. „Der Zeuge hat die Scheidung der Eltern nicht verkraftet. Unter dem Einfluss der hasserfüllten Mutter suchte er die Schuld beim Vater“, sagte der Verteidiger Thomas Stöger.Wenn das Gericht dem Sohn Glauben schenke, dann werde ein „Unschuldiger verurteilt“, so der Rechtsanwalt in seinen Schlussworten.

Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Wolfgang Rauter hielt dennoch die Aussage des Sohnes für glaubwürdig und verurteilte den 52-jährigen Arbeiter zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1.200 Euro.
Dem Sohn muss er 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. „Der Senat ist der Überzeugung, dass es tatsächlich zu dem Übergriff gekommen ist und dass der Jugendliche aufgrund dieses Vorfalles und der Erlebnisse in der Jugend eine Persönlichkeitsstörung erlitten hat“, erklärte Wolfgang Rauter.

Das Gericht ging davon aus, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Vergewaltigung voll berauscht war und daher gar nicht bewusst wahrnahm, was er tat. Der Arbeiter bat um Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab – das Urteil ist nicht rechtskräftig.