Erstellt am 04. Mai 2016, 05:44

von Tanja Beck und Birgit Böhm-Ritter

Spätfrostschäden: „Fast 90 Prozent zerstört“. Verzweifelt versuchten einige Winzer aus dem Bezirk, gegen die extremen Temperaturen in der Vorwoche anzukämpfen. Vergebens - es kam zu enormen Schäden.

Abgefroren. Die jungen Triebe hielten dem Frost nicht stand.  |  NOEN, Werner Müllner
Der nächtliche Spätfrost in der Vorwoche brachte verheerende Schäden in der Natur mit sich. Leidtragende sind vor allem Landwirte. Betroffen sind nicht nur Wein und Obst, sondern auch Spezialkulturen, wie zum Beispiel Grünspargel, Kürbis, Zuckermais, Zucchini und Frühkartoffeln.

„Eine richtige Ernte wird es heuer nicht geben“

Wie groß der Schaden in der gesamten Landwirtschaft im Bezirk tatsächlich ist, trauen sich Experten noch nicht zu beziffern. Alfred Brasch, Bezirksreferent der Landwirtschaftskammer, spricht aber von einem Ausnahmejahr. Drei aufeinander folgende Frostnächte Ende April habe es schon sehr lange nicht gegeben. Einige Weinbauern sprechen sogar von Jahrzehnten.

Die Frostnächte am 26., 27. und 29. April haben den Winzern in kaum da gewesener Dimension zugesetzt. „Die Kälte hat die Triebe in einem sehr jungen Stadium erwischt. Dem Frost konnten sie nicht standhalten“, beschreibt Brasch die Situation.

Die Größe der beschädigten Weinbaufläche schätzt Michael Allacher auf 6.000 bis 7.000 Hektar im Bezirk. Der Bezirksobmann des Weinbauverbandes und Weinbauvereinsobmann der Gemeinde Gols schätzt, dass 80 bis 90 Prozent der Golser Weinbaufläche zerstört wurde. Das hat enorme Ertragsausfälle für die Winzer zur Folge.

„Eine richtige Ernte wird es heuer nicht geben, sogar die Toplagen wurden durch den Spätfrost in Mitleidenschaft gezogen. Es wurde teilweise zwar versucht mit altbewährten Maßnahmen, wie zum Beispiel Stroh räuchern gegen den Frost anzukämpfen und ein Winzer hatte sogar einen Hubschrauber im Einsatz um warme Luft aufzuwirbeln, doch bei Temperaturen von Minus drei Grad war nichts mehr zu machen“, gibt Allacher zu bedenken.

Der ebenfalls aus Gols stammende Winzer Andreas Nittnaus erklärt: „Momentan ist es schwer, über die genauen Ausmaße des Schadens zu berichten, denn teilweise ist der Schaden so groß, dass man hoffen muss, dass die Rebstöcke nicht kaputt wurden, denn das wäre der nachhaltigste und schlimmste Schaden überhaupt.“

Salzl: „Die dritte Frostnacht war fatal“

Auch im Seewinkel kann man fast flächendeckend von einem Spätfrostschaden im Ausmaß von bis zu 90 Prozent der Weinbaufläche ausgehen. Der Illmitzer Josef Salzl zeigt sich schockiert: „Die aktuelle Situation in den Weingärten ist fürchterlich. Die ersten zwei Nächte sind wir noch mit einem blauen Auge davon gekommen, doch die dritte Frostnacht war fatal. Wir rechnen in unserem Betrieb mit einem 90 prozentigen Ernteausfall. Wir sind zwar hagel- und frostschutzversichert, doch das Problem ist, dass der Wein von unseren Zulieferern fehlt.“

Ein wenig besser scheint die Situation in Weiden am See, da sich die meisten Weingärten direkt rund um die Ortschaft befinden und somit besser geschützt waren. Markus Hareter schätzt den momentanen Schadensausfall in der Gemeinde trotzdem auf 60 Prozent.

Eine Versicherung für Hagel- und Frostschutz können die wenigsten Bauern vorweisen. Da so ein später Frost Ende April etwas sehr Seltenes ist und sich jahrzehntelang nicht mehr in diesem Ausmaß ereignete, verzichteten viele Weinbauern auf einen derartigen Versicherungsschutz, obwohl gerade Wein zu den versicherbaren Kulturen gehört. „Kartoffel und Spargel etwa können gar nicht gegen Frost versichert werden“, erklärt Alfred Brasch.

Die Burgenländische Landwirtschaftskammer geht von einem Wertschöpfungsverlust von bis zu 150 Millionen im gesamten Bundesland aus.