Erstellt am 14. Mai 2014, 08:55

von Pia Reiter

Sterben in der Stadt die Wirtshäuser aus?. Neusiedl am See | Wirt Gerhard Windholz kritisiert Überregulierung und strenge Vorschriften bei Übernahme durch einen Nachfolger.

Kritik. Gerhard Windholz ortet in der Neusiedler Wirtshausszene eine »prekäre Lage«. Foto: Pia Reiter  |  NOEN, Pia Reiter
„Ich könnte schon seit drei Jahren in Pension gehen, aber weil ich von der Behörde eine Vorschreibung nach der anderen kriege, kann ich nicht an meinen Sohn Kurt übergeben“, macht Gerhard Windholz, Chef des Rasthauses „Zur Alten Mauth“ seinem Ärger Luft. Schuld ist für den Wirt aber nicht die zuständige Bezirkshauptmannschaft, denn die habe ja nur den Gesetzesauftrag zu erfüllen.

Überregulierung: „Uns geht bald die Luft aus“

„Wir sind einfach überreguliert. Uns geht bald die Luft aus“, stöhnt der Neusiedler, der, wenn sich nichts ändert, sein Restaurant in fünf Jahren zusperren will. Ein Jungunternehmer müsse sich bei einer Betriebsübernahme auch meistens hoch verschulden: „Heute muss man sich genau überlegen, ob ein Betrieb weitergeführt wird, wir müssen uns überlegen, wie wir weitermachen“, meint Windholz, der die Probleme bei einer Übergabe aufzeigen möchte.

Auch bei anderen Wirtshäusern sei die Nachfolge nach wie vor nicht geklärt, so Windholz. Drei weitere Betriebe würden vor dem Aus stehen: „Der Ettl-Wirt möchte verkaufen, das Rathausstüberl hat eine ungewisse Zukunft wegen der laufenden Insolvenz und Franz Rittsteuer will auch nicht mehr weitermachen.“

Ende Mai entscheidet sich Rathausstüberl-Zukunft

BVZ-Recherchen ergaben: Das „Gasthaus zur Lok“ wird im Internet tatsächlich über einen Immobilienmakler zum Kauf angeboten. Franz Rittsteuer, Besitzer des Gasthauses „Zur Traube“ erklärt auf Nachfrage: „Wir wollen weitermachen, derzeit gibt es keine Pläne aufzuhören.“

Wie es mit dem Rathausstüberl weitergeht, wird sich am 26. Mai entscheiden: Dann steht die Abstimmung über den Sanierungsplanvorschlag auf der Tagesordnung. „Wenn die 26 Gläubiger zustimmen, dann wird die Insolvenz aufgehoben, jedoch nur wenn die Auflagen erfüllt werden“, heißt es vom Alpenländischen Kreditorenverband.


 

Information:

In der Gewerbeordnung wurde ein neuer Paragraf (§ 79d GewO) geschaffen, dieser soll die Betriebsübergabe hinsichtlich Zeit- und Kostenaufwand erleichtern. Bezirkshauptmann Martin Huber sagt: „Man bekommt von uns eine zusammengefasste Info, was gesetzlich passt, welche Bescheides es gibt und was noch zu machen ist, sodass der neue Betriebsinhaber alle Infos hat und nicht nach einiger Zeit überrascht wird. Außerdem kann man die Erforderlichkeit von alten Auflagen überprüfen lassen und eine neue Frist für die Umsetzung erhalten.“