Erstellt am 10. Dezember 2015, 05:38

von Katharina Zedlacher-Fink

Straßenname sorgt in Zurndorf für Wirbel. Hans Hinkel war ein Zurndorfer Schmied im 17. Jahrhundert. Den selben Namen trug aber auch hochrangiger SS-Führer.

Mit Zurndorfer Chronik. Gemeindevorstand Harad Ziniel (l.) und Bürgermeister Werner Friedl vor einem Bild vom Maler Ballabene, nach dem auch eine Straße in Zurndorf benannt ist. Foto: Zedlacher-Fink  |  NOEN, Katharina Zedlacher-Fink
Eine Namensgleichheit sorgt bei einigen Zurndorfern zur Zeit für Aufregung. Der Weg bei der neuen OSG-Wohnanlage hinterm Billa wurde nach Hans Hinkel, einem Zurndorfer Schmied aus dem 17. Jahrhundert benannt.

„Keine Veranlassung, Namen zu ändern“

Den Straßennamen beschloss der Zurndorfer Gemeinderat bereits im Jahr 2000 einstimmig unter dem damaligen Bürgermeister Rudolf Suchy. Damals suchte man nach historischen Persönlichkeiten, die Namensgeber für zukünftige Straßen sein könnten.

Neben dem Bauernschmied Hans Hinkel ist auch eine Straße nach dem Zurndorfer Maler Rudolf Raimund Ballabene (Ballabeneweg) benannt. Beiden sind Kapitel in der Zurndorfer Chronik von Paul Ebner gewidmet.

„Ist natürlich Zufall und keine bewusste Aktion“

Was der Gemeinderat damals nicht wusste, Hans Hinkel hieß auch ein hochrangiger SS-Führer im nationalsozialistischen Deutschland. Einigen Zurndorfern stößt die Namensgleichheit sauer auf und sie machten Bürgermeister Werner Friedl darauf aufmerksam.

Friedl dazu: „Die Namensgleichheit ist natürlich ein Zufall und keine bewusste Aktion. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man vor fünfzehn Jahren tief greifende Recherchen durchgeführt hat, da auch Suchmaschinen wie Google noch nicht so verbreitet und bekannt waren. Ich gehe auch davon aus, dass es in vielen Gemeinden Straßenbezeichnungen gibt, die bei tief greifenden Nachforschungen zufällig auch auf irgendeinen nationalsozialistischen Bezug hinweisen.“

Er sehe deshalb auch keine Veranlassung, eine Änderung der Straßenbezeichnung zu beantragen.


 

Zum Thema:

Über Hans Hinkel wird vom Heimatforscher Mathes Nitsch in einer Sage aus der Türkenzeit erinnert: Im Jahr 1683 zerstörten die Türken unter Großwesir Kara Mustapha weite Teile des heutigen Bezirks Neusiedl.

Auch der Zurndorfer Schmied Hans Hinkel war obdachlos geworden. Der schlaue Schmied erdachte einen Plan. Mit zwei glühenden Eisenstangen stieß er den gegnerischen Reitern in die Kehle.

Mehrere Dutzend sollen durch ihn zu Tode gekommen sein, ehe der Schmied selbst im Zuge dieser Aktion einen Heldentod starb.