Erstellt am 17. November 2010, 21:08

Wasserstandsregulierung am Neusiedler See wird neu geregelt. Ob hoch oder niedrig - der Wasserstand des Neusiedler Sees sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen. Ende des Jahres läuft die wasserrechtliche Bewillligung für jene Schleusenanlage in Ungarn aus, über die das Seewasser bei höheren Pegelständen abfließt. Experten der österreichisch-ungarischen Gewässerkommission haben deshalb den Entwurf für eine neue Regelung erarbeitet.

Durch die darin enthaltenen Maßnahmen sollen künftig hundertjährliche Hochwasserereignisse am See seltener vorkommen, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Neusiedl am See.

Der Entwurf für die neue Wehrbetriebsordnung der 1965 in Betrieb genommenen Wehranlage Mekszikopustza sei bereits fertiggestellt, so Gerhard Kubu von der Universität für Bodenkultur.

Der See wird zu 78 Prozent aus Niederschlägen gespeist. 20 Prozent der Wassermenge kommen von oberirdischem und nur zwei Prozent aus unterirdischem Zufluss. Zu 90 Prozent verlässt das Wasser den See auf dem Weg der Verdunstung, nur zehn Prozent fließen ab, erläuterte Kubu.

Der Abfluss aus dem See erfolgt über den Einserkanal in die Rabnitz, die wiederum bei Abda in die Mosoni-Duna, einen Altarm der Donau, mündet. Nahe der ungarischen Ortschaft Abda befindet sich ein Hochwassertor, das einen Rückfluss von Donauhochwasser in die Rabnitz verhindern soll.

Als hundertjährliches Hochwasserereignis wurde ein Seepegel von 116 Metern über Adria (ü. A.) betrachtet, so Kubu. Bei starkem Wind wird das Wasser in Windrichtung verschoben, was zu Pegelunterschieden von 40 bis 50 Zentimetern führen könne. Einen Rekord habe es 1984 gegeben, als an einem Tag ein Unterschied von 90 Zentimetern gemessen worden sei.

Heuer wurden am Neusiedler See bereits Pegel von 115,80 m ü. A. gemessen. Bei Wind seien einzelne Pegel auch über diesem Wert gelegen. Mehrere Male - zuletzt von 1864 bis 1870 - war der Neusiedler See aber auch schon ausgetrocknet. Dazu seien einige aufeinanderfolgende Jahre mit wenig Niederschlag notwendig. "Ein Jahr mit wenig Niederschlag reicht im Grunde genommen nicht aus, um den See zum Austrocknen zu bringen", so Kubu.

Bei der maximalen Abflussmenge von 15 Kubikmetern in der Sekunde falle der Wasserstand des Neusiedler Sees in einem Monat um zwölf Zentimeter. Um in Zukunft die Anzahl der hundertjährlichen Hochwasserereignisse beim See zu reduzieren, wurden auf Klimamodellen basierend Wetterdaten für einen Zeitraum von 500 Jahren simuliert. Aus insgesamt 17 solcher Varianten wurde ein Vorschlag für die Wehrbetriebsordnung erstellt.

In der neuen Regelung sei unter anderem festgelegt, dass bei Erreichen eines Pegellimits nicht sofort mit der Höchstmenge von 15 Kubikmetern pro Sekunde abgeleitet wird. Stattdessen wird mit niedrigeren Durchflussmengen begonnen, die bei Bedarf sukzessive angehoben werden. Eine Austrocknung des Sees könne jedoch keine der Varianten verhindern, so Kubu.

Die neue Wehrbetriebsordnung soll dazu beitragen, dass extreme Hochwassersituationen nicht mehr zustande kommen. "Wogegen wir aber nicht gefeit sind, sind extreme Niederschlagsereignisse", erklärte der Seebeauftragte des Landes, Hofrat Helmut Rojacz. In den vergangenen Jahrzehnten habe es Niederschlagsereignisse mit bis zu 200 Millimetern an einem Wochenende gegeben. "Ein bestimmtes Restrisiko ist immer da", so Rojacz.

Informationen über aktuelle Pegelstände und Archivmaterial sowie Aufnahmen einer Webcam sollen ab kommendem Jahr auch auf einer Website zu sehen sein, so Karl Maracek vom Referat Hydrographie im Amt der Landesregierung. Bei der Thematik gehe es um eine Abwägung zwischen möglichst wenig Eingriffen in die Natur und den Interessen der Nutzer des Sees - von Seglern über Badende bis hin zum Fremdenverkehr, erklärte Agrarlandesrat Werner Falb-Meixner (V). Eine Prämisse sei daher, "so wenig wie nötig zu regeln und so viel wie möglich allen Interessensgruppen entgegenzukommen".