Erstellt am 10. Dezember 2014, 12:14

von Birgit Böhm-Ritter

150 Skelette ausgegraben. Auf den Weidener Kirchenäckern entsteht ein Informationsstand. Ob Ausgrabungen für Besucher offen gelegt bleiben, ist aber noch nicht geklärt.

So soll der künftige Informationsstand direkt im Ausgrabungsgebiet auf den Weidener Kirchenäckern aussehen.  |  NOEN, Arch. Riedl ZT GmbH

„Man könnte 30 Dissertationen und 50 Diplomarbeiten füllen“, sagt Nikolaus Franz. Der Grabungsleiter des Teams ARGE Zeitalter erzählt von den Ergebnissen der Ausgrabungen, die in Weiden am See seit zweieinhalb Jahren von Archäologen, Historikern und Kunstgeschichtlern durchgeführt werden.

Im Mai 2012 wurden im Zuge von Aufschließungsarbeiten erste Funde einer römischen Villa entdeckt. 133 Grundstücke später - so viele hat das Grabungsteam bereits umgegraben und durchforstet - spricht Nikolaus Franz von einer sehr „Befund dichten“ Gegend. Nun ist ein Infopoint geplant, der Interessierte über das geschichtsträchtige Gebiet informieren soll. Schon kommende Woche wird mit den Bauarbeiten begonnen.

Ob ein kleiner Teil der „Villa Rustica“ offen gelegt bleibt und in die baulichen Maßnahmen des Informationsstandes integriert werden kann, steht jedoch noch nicht fest. „Das ist eine Kostenfrage“, sagt Bürgermeister Wilhelm Schwartz (ÖVP). Entschieden werde nach einer Begehung mit Architekt, Baufirma und Archäologen in den nächsten Tagen. Für Grabungsleiter Nikolaus Franz wäre es eine einmalige Gelegenheit, die die Gemeinde nicht verpassen sollte: „Es ist lediglich eine Schutzmauer notwendig“, sagt er. Eine 90.000 Euro - Förderung der Kulturabteilung des Landes Burgenland für den Infopoint ist bereits fix.

Fundstellen werden wieder zugeschüttet

Auf Elf der insgesamt 144 Grundstücke wird das Team der ARGE Zeitalter nächstes Jahr weiter arbeiten, dann sollen die Grabungsarbeiten beendet sein. Alle Fundergebnisse werden so dokumentiert, dass sie für eine wissenschaftliche Aufarbeitung herangezogen werden können. Die Fundstellen werden jedoch wieder zugeschüttet. Nikolaus Franz schwärmt von der entdeckten römischen Villa, die etwa 3.500 Quadratmeter groß gewesen sein dürfte: „mit ressourcenschonender T-förmiger Fußbodenheizung und eigenem Badehaus.“

Darüber hinaus wurde ein großes Gräberfeld aus der Frühbronzezeit gefunden. „220 Bestattungen, die meisten sind Hocker-Gräber“, beschreibt der Archäologe, „davon wurden rund 150 vollständige Skelette ausgegraben - mit Grabbeigaben - die 4.000 Jahre unter der Erde gut eingepackt waren.“ Das Gräberfeld ist neben jenem in Hainburg, das größte Ostösterreichs.

Aber auch über interessante Funde aus der Neuzeit kann der Grabungsleiter berichten. So stieß das Team während der Grabungen auf Granatwerferstellungen und Laufgräben aus dem Zweiten Weltkrieg, die über den Verlauf des Süd-Ost-Walls Aufschluss geben könnten.


Nachgewiesene Epochen

  • Siedlungsbefunde der Jungsteinzeit (5600 bis 2300 v. Chr.)

  • Gräberfeld und Siedlung der Frühen Bronzezeit (2300 bis 1600 vor. Chr.)

  • Villa Rustica (Landgut) und Gräber der Römischen Kaiserzeit (15 vor bis 433 nach Chr.)

  • Siedlungsbefunde der Völkerwanderungszeit (400 bis 600 nach Chr.)

  • Slawische-Awarische Siedlungsbefunde und Gräber des Frühmittelalters (600 bis 800 n. Chr.)

  • Militärische Stellungsbauten des Zweiten Weltkrieges 1939 bis 1945)