Erstellt am 08. Januar 2015, 09:23

von Stefanie Rieder und Pia Reiter

"Lotteriespiel" Eiswein. Bis zur Lese hieß es für die Winzer zittern, einige Weinbauern ließen den Jahrgang sogar ausfallen.

In den eisigen Nächten vom 29. auf den 31. Dezember rückten einige Winzer des Bezirkes zur Eisweinernte aus.  |  NOEN, BBR

Ein besonders schwieriges Jahr war es heuer für die Winzer, die auf Eiswein setzen. Für viele war es eine Zitterpartie, bis zum Schluss, ob es mit dem heurigen Jahrgang klappen würde. Manche verzichten bewusst auf den Jahrgang. Feststeht: Aufgrund der Wetterbedingungen haben alle Winzer mit einem Ertragsverlust bei der Eisweinernte zu kämpfen.

Bei Minus 9,5 Grad hieß es für den Neusiedler Winzer Thomas Haider und seine Lesehelfer um fünf Uhr früh am Silvestermorgen raus zur Ernte der Blaufränkisch-Trauben: „Bei den Sorten Muskat Ottonel und Gelber Muskateller hatten wir Totalausfall. Beim Blaufränkisch, eine Besonderheit, passt die Qualität, obwohl wir Mengen-Einbußen von 40 bis 50 Prozent hatten. Eiswein ist eben ein Lotteriespiel. Die Grundvoraussetzungen waren schlecht, ich bin das Risiko eingegangen und das hat sich ausgezahlt“, betont der Weinbauer.

"Viele Trauben durch Regen zerstört"

Für das Weingut Nittnaus in Gols fiel der Ertrag mit knapp 35 Prozent sehr gering aus: „Der Behang war sehr karg, viele Trauben wurden durch den Regen zerstört. Nur jene mit einer robusten Schale und guten Stängeln konnten wir ernten“, erklärt Christine Nittnaus. Mit der Qualität sei man jedoch sehr zufrieden.

Hans Tschida vom Angerhof in Illmitz wiederum erntete dieses Jahr keinen Eiswein, wie sonst gewohnt: „Die Wetterbedingungen waren nicht optimal und daher war mir das Risiko zu hoch, die gewohnte Qualität nicht halten zu können.“ Für den Süßwein sei es allgemein ein sehr schwieriges Jahr gewesen: „Man muss auch einmal auf einen Jahrgang verzichten können“, erklärt Tschida.

Die optimalen Temperaturen für die Eisweinernte sind nicht genau zu definieren: „Zwischen sieben und neun Grad minus. Es hängt immer vom Zuckergehalt der Trauben ab“, erklärt Christine Nittnaus. Daher wurde der Welschriesling vom Weingut Nittnaus in der Nacht vom 29. auf 30. Dezember und der Grüne Veltliner jedoch erst am Tag darauf geerntet.


Zum Thema

  • Bei der Eisweinernte gilt es, die Frosteinwirkung zu überprüfen und das geerntete Traubenmaterial zu begutachten.

  • Die Weintrauben werden bis zur Durchfrostung am Rebstock belassen und müssen im gefrorenen Zustand gelesen und verarbeitet werden.

  • Als wichtigstes Qualitätskriterium wird hierbei der Zuckergehalt der Trauben angesehen. Ist die Gesundheit der Trauben nicht durchweg gegeben, besteht das Risiko, dass sich flüchtige Säure beziehungsweise Essigsäure bildet.

  • Die Eisweinernte erfordert somit viel Geduld und Risikobereitschaft. Reifes, gesundes Traubenmaterial muss vor gefräßigen Staren geschützt und bis zu den ersten Frostnächten durchgebracht werden.