Erstellt am 18. Juni 2014, 12:10

von Pia Reiter

Werbeverein der Stadt ist Geschichte. Neusiedl am See / Gerald Richter zieht sich nach zwei Jahren als Obmann zurück, derzeit noch kein Nachfolger in Sicht.

Hört auf. Gerald Richter will nach seinem Rückzug als Obmann nicht untätig sein und wünscht sich aktive Unternehmer. Foto: privat  |  NOEN, privat
Neusiedls Werbeverein, seit mehr als dreißig Jahren eine Plattform der Unternehmer der Stadt, gibt es nun nicht mehr. Am Freitag beschlossen von den zuletzt 34 Mitgliedern die anwesenden zwölf (inklusive sechs Vorstandsmitgliedern) dessen Auflösung.

„Wir müssen uns finden und neu erfinden“

Nach dem angekündigten Rücktritt von Obmann Gerald Richter, der seinen Entschluss und seine Gründe bei der Sitzung darlegte, stimmten alle Anwesenden für die Auflösung. „Das hat persönliche Gründe, weil mein Unternehmen selbst vor einem Expansionsschritt steht, und Gründe, die den Verein und die Stadtpolitik betreffen.“

Richter sieht diese Entscheidung aber nicht als Schlussstrich, sondern als Beginn einer Veränderung: „Wir müssen uns finden und neu erfinden. Ich werde nicht untätig sein, habe Ideen“, sagt er, wünscht sich aber auch, dass die Unternehmer stärker aufeinander zugehen und miteinander arbeiten.

„Die Stadt muss aber die Perspektive vorgeben, die momentan fehlt. Ähnlich große Städte haben dafür jemand, der sich hauptberuflich darum kümmert und bis zu 300.000 Euro Budget pro Jahr. Stadt am See ist eine Überschrift, aber keine Vision. Die Leute müssen wissen, was Neusiedl am See ist“, betont Richter.

Kolar sieht Notwendigkeit für stärkeres Engagement

Frau in der Wirtschaft Bezirksvorsitzende Emma Hitzinger, selbst Wirtschaftsreibende in Neusiedl am See, sagt zu der Auflösung; „Der Obmann hat seine Beweggründe erklärt, es gab keine andere Möglichkeit. Wenn man einen neuen Obmann findet, dann muss man den Verein neu gründen. Momentan gibt es dafür aber niemand.“

ÖVP-Gemeinderat und Unternehmer Günter Kolar, der ebenfalls bei der Generalversammlung dabei war, erklärt: „Die Stadt braucht einen Werbeverein. Die Frage ist nur, wer es macht und wie man es macht.“ Zum Rückzug von Gerald Richter sagt er: „Da hat sicher die Rückendeckung gefehlt. Wir waren vor zwei Jahren ja schon in einer ähnlichen Situation, wo keiner den Werbeverein übernehmen wollte, bis sich Gerald Richter dazu bereit erklärt hat.“

Dennoch sieht er die Notwendigkeit der Wirtschaftstreibenden sich in Zukunft wieder stärker zu engagieren: „Unmittelbar sehe ich zwar keinen neuen Werbeverein, dazu ist der Moment für alle noch zu emotionsbeladen. Es muss wieder etwas kommen, in welcher Form auch immer. Das sehe ich aber nicht vor dem Frühjahr.“