Erstellt am 23. Mai 2012, 00:00

Wilhelm Busch lässt grüßen. RADWEG / Seit Jahren wird über einen grenzüberschreitenden Radweg diskutiert. Auf ungarischer Seite existiert er bereits. Die Brücke nach Österreich wurde angesägt.

Nur mit geschultertem Fahrrad geht es über die Brücke, die den ehemaligen ungarischen Grenzgraben mit Österreich verbindet.  |  NOEN
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PAMHAGEN / Was kurz vor der ungarischen Grenzöffnung, nach den Schengengrundlagen vor etwas mehr als vier Jahren, bei engagierten Touristikern für Kopfschütteln sorgte, entwickelt sich zurzeit geradezu zu einer einmaligen Kuriosität. Es geht um den Radweg, der das Nationalparkzentrum in Fertöujlak (Mexikopuszta) an den Seewinkel anbinden soll, beziehungsweise wird. Momentan gibt es keinen offiziellen Anschlussweg, deshalb benützen Radfahrer einen Trampelpfad, der allerdings nur mit geschultertem Rad zu begehen ist.

Ein kurzer, geschichtlicher Rückblick: Seit dem Frühjahr 2007 gibt es für den ungarischen Teil des Nationalparks ein neues Informationszentrum, ähnlich dem in Illmitz. Der Ort gehört zur Gemeinde Sarrod und liegt direkt am Anfang der ungarischen Landzunge (Spitz), die geografisch an den Güterweg zwischen Apetlon und Pamhagen anstößt. Zur damaligen Zeit existierte von ungarischer Seite die Planung eines Radweges vom neuen Zentrum hinein in den Spitz, um dem nicht motorisierten Verkehr den Weg in beide Teile des internationalen Nationalparks zu erleichtern.

Politiker lehnten  verbindenden Radweg ab

Damals gab es für die Anschluss-Anfrage der ungarischen Kommunalverwaltung (Sarrods Bürgermeister Lajos Turi) vom damaligen Pamhagener Ortschef Josef Wüger (SPÖ) eine völlig ablehnende Haltung und auch der Apetloner Bürgermeister Ronald Payer (ÖVP) mochte sich zu diesem Projekt nicht konkret äußern. Allein der heutige Pamhagener Vize-Bürgermeister Josef Tschida (ÖVP) nahm Stellung und meinte, „der Radweg wird so oder so kommen, davon ist auszugehen. Da wäre es besser, wenn er über Pamhagener Gebiet angeschlossen würde. Möglichkeiten gäbe es viele, da auf Seewinkler Seite genügend Güterwege schon vorhanden seien.“

Inzwischen ist der Radweg auf ungarischer Seite gebaut. Es fehlt nur noch die Verschleißdecke. Einen offiziell geregelten Anschluss für dieses touristisch, infrastrukturelle Projekt auf österreichischer Seite gibt es aber bis heute nicht. Was die Politik nicht schafft, schaffen, zumindest inoffiziell, die Menschen. Ähnlich einem „Trampelpfad“ ist zwischen der Straße von Apetlon nach Pamhagen am Ende des Radwegs eine Zuwegung entstanden, indem von den Radlern die Begrünung ignoriert wurde. Zwar kann diese „Lücke“ nicht befahren werden, aber mit dem Fahrrad auf der Schulter hat sich ein reger Pendelverkehr etabliert.

Wie bei „Max und Moritz“:  Brücke angesägt

Einen zweiten Übergang, bei dem ebenfalls das Rad geschultert werden muss, gibt es auch. Seit geraumer Zeit existiert ein Steg, der den Pamhagener Grenzgraben mit ungarischem Gebiet verbindet. Er birgt eine „einschneidende“ Gefahr: Ähnlich wie beim Streich von Max und Moritz (Wilhelm Busch), ist er an zwei Seiten angesägt worden. Aber nicht „Schneider Böck“ wird in den Bach fallen. Gefährdet sind vor allem Jugendliche beider Länder, die vermehrt diese „Brücke“ nutzen.