Erstellt am 04. Juli 2012, 00:00

Wohin bei einem Notfall?. MEDIZINISCHE VERSORGUNG / Nach der Umstrukturierung in der Unfallambulanz ist die Bevölkerung weiter verunsichert.

 |  NOEN
x  |  NOEN

FRAUENKIRCHEN / Es ist abends um 19.05. Im Hause Oroszlan nutzt man die Freizeit um Heimwerker-Aufgaben zu erledigen. Dann das Unglück. Beim Betonschleifen zerreißt die Trennscheibe. Ein Teil fällt Herrn Oroszlan auf den Kopf, wo es sofort stark zu bluten beginnt. Ein Szenario, das nicht aus einem Drehbuch einer beliebten amerikanischen TV-Serie stammt, sondern aus dem realen Leben. Passiert vergangenen Freitag in Tadten. Das Problem: Die notärztliche Versorgung.

„Die Wunde hat extrem stark geblutet. Ich habe sofort die Rettung gerufen“, erzählt Manuela Oroszlan. Diese verweist aber auf die Unfallambulanz in Frauenkirchen. Dort sind die Öffnungszeiten allerdings begrenzt. Geöffnet ist nur zwischen 8 und 19 Uhr. Manuela Oroszlan informierte den diensthabenden praktischen Arzt. Auch dieser möchte den Verletzten zuerst in die Unfallambulanz schicken. Er habe sich erkundigt, ob noch ein Arzt in der Ambulanz Dienst hat, erzählt Oroszlan. „Aber es war schon zu spät, die Unfallambulanz geschlossen und kein Arzt mehr vor Ort.“ Der diensthabende Arzt, Dr. Forster in Frauenkirchen, hat die Verletzung schließlich behandelt. „Zum Glück war es nur eine Platzwunde, aber was geschieht, wenn wirklich einmal etwas Schlimmeres passiert“, fragt Manuela Oroszlan. Sie kritisiert die Öffnungszeiten der Unfallambulanz in Frauenkirchen und weiß, dass sie mit dieser Kritik nicht alleine steht: „Auch im Bekanntenkreis wird oft diskutiert.“

Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß. Dabei wurde der Betrieb in der Unfallambulanz Frauenkirchen erst im März dieses Jahres umstrukturiert, „um die medizinische Versorgung im Seewinkel zu verbessern“. So hieß es damals von Gesundheitslandesrat Peter Rezar (SPÖ) und Direktor Horst Jany, Gesamtleiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt, zu dem die Unfallambulanz Frauenkirchen gehört. Angekündigt wurden die Versorgung durch einen Notarzt rund um die Uhr sowie durch einen Unfallchirurg, der den Patienten sieben Tage in der Woche von 8 bis 19 Uhr zur Verfügung steht. Auf Nachfrage der BVZ bestätigt Dr. Horst Jany dieses Modell. „Ein Notarzt ist rund um die Uhr für die medizinische Versorgung verantwortlich. Muss er allerdings für einen Notfall ausrücken, kann er nicht vor Ort sein“, sagt Jany. Den speziellen Fall der Familie Oroszlan wolle er überprüfen. Manuela Oroszlan und ihr verletzter Gatte haben von der Umstrukturierung nicht profitieren können. „Gerade abends, wo auch die Ärzte in den Ortschaften ihre Ordinationen nicht mehr geöffnet haben, ist die Unfallambulanz geschlossen“, sagt Oroszlan. Sie habe sich in der Notfallsituation hilflos gefühlt.