Erstellt am 06. März 2013, 00:00

Zwiespältige Bilanz. Ein Jahr Unfallambulanz neu / Nach der Umstrukturierung in Frauenkirchen ziehen die Verantwortlichen positive Bilanz, die Allgemeinmediziner der Region sehen nicht alles so rosig.

Ziehen positive Bilanz: Franz Szinovatz, Abteilung für Unfallchirurgie, Direktor Horst Jany, Gesundheitslandesrat Peter Rezar und Günther Frank, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin  |  NOEN

FRAUENKIRCHEN / “Es war die richtige Entscheidung“, sagt Direktor Horst Jany. Er spricht von der Neustrukturierung der Unfallambulanz in Frauenkirchen. Nach einem Jahr zogen die Verantwortlichen Bilanz.

Zur Erinnerung: Seit 1. März 2012 ist die Unfallambulanz täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet, in den Nachtstunden allerdings nicht mehr durch einen Unfallchirurgen besetzt. Das medizinische Personal wurde dagegen tagsüber aufgestockt. Neben dem Unfallchirurgen ist auch ein Notarzt vor Ort, der rund um die Uhr einsatzbereit ist. Damit stehen nun tagsüber zwei Mediziner zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr seien laut statistischen Aufzeichnungen ein bis drei Patienten weniger pro Tag in die Unfallambulanz gekommen. „Das lässt sich aber sehr wohl verantworten, die Öffnungszeiten so weiterzuführen“, sagt Franz Szinovatz von der Abteilung für Unfallchirurgie des Krankenhauses Eisenstadt, zu dem die Frauenkirchner Unfallambulanz gehört. Es sei wichtiger, wirkliche Notfälle, wie etwa einen Herzinfarkt, schneller behandeln zu können, als eine Schnittwunde, präzisiert Günther Frank, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Durch die Neustrukturierung könne auf Notfälle besser und schneller reagiert werden. „Die Einsatzzahlen haben sich nun auch an die in den anderen Bezirken angepasst. Vorher war man eher zurückhaltend mit Noteinsätzen“, erklärt Frank.

Längere Anfahrtswege für Patienten 

Die Veränderungen seien ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, weil nun mehr Schwerkranke erreicht werden können.

Nicht ganz so positiv wirken sich die Neuerungen für Patienten mit unfallchirurgischen Anliegen aus. „Nach 19 Uhr müssen die Patienten weite Anfahrtswege nach Eisenstadt oder Kittsee auf sich nehmen“ heißt es von einer Ärztin aus dem Seewinkel. Kleinigkeiten würden die Allgemeinmediziner übernehmen, aber keine chirurgische Wundversorgung.

Für Herbert Cerny, praktischer Arzt in Weiden am See, ist die Lösung akzeptabel. Er würde sich jedoch verlängerte Öffnungszeiten im Sommer wünschen. Kritik übt er allerdings am „eingesparten“ Notarztwagen. Der Notarzt komme nun mit dem PKW zum Unfallort und steige dann in den Rettungswagen. „Nun herrscht ein kleines Defizit an Rettungswägen“, sagt er. Außerdem fehle das eingespielte Team.