Erstellt am 14. Mai 2014, 09:31

6 Jahre Zentralmatura. Im Gymnasium / Bereits seit dem Jahr 2009 wird in Oberpullendorf die neue Form der Matura im Fach Englisch erprobt.

Zieht positive Bilanz: Als Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Englischlehrer arbeitete Direktor Hans Schütz schon 2008 an der neuen Matura mit.  |  NOEN

Vorigen Dienstag nahm das Gymnasium bereits zum sechsten Mal an der Zentralmatura in Englisch teil – es gehört zu den Pilotschulen. Die Maturaaufgaben vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung treffen kurz vor der Prüfung versiegelt ein und werden im Safe untergebracht. Vor Beginn der Prüfung kontrolliert ein Schüler die Intaktheit des Siegels, dieses wird dann aufgebrochen, die Aufgaben ausgeteilt und die Arbeitszeit beginnt.

„Ich möchte eine Lanze für das Modell der Zentralmatura brechen. Es ist ein gutes Konzept, weil es für Schüler Chancengleichheit schafft“, zieht Direktor Hans Schütz seine Bilanz. „Pannen passieren, die passieren auch bei der traditionellen Matura, nur zeigt sie keiner auf, weil sich dies auf eine Schule beschränkt. Österreich ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern, die bereits eine zentrale Prüfung haben, klein. Es wäre gelacht, wenn Österreich das nicht hinbekommen würde.“

Durch das neue Modell sei es für Schüler nicht schwieriger geworden, die Matura zu bestehen, meint Schütz. „Ganz im Gegenteil: Es ist statistisch nachweisbar, dass die Noten besser geworden sind. Das heißt nicht, dass man den Schülern die Matura schenkt, sondern dass wenn man sie gut vorbereitet, die konkrete Aufgabenstellung für die Schüler eine gewisse Sicherheit bedeutet.“

Zur Vorbereitung gäbe es gute Materialien. Man habe auch die Schularbeiten stark am Modell der neuen Zentralmatura ausgerichtet. „Die Schüler machen etwas, das für sie Routine geworden ist“, so Schütz, der die Zentralmatura als positiv empfindet.

Skepsis seitens der Eltern

Ein gewisses Maß an Skepsis dagegen besteht unter den Eltern. „Der Grundgedanke, dass alle die gleichen Chancen haben, ist gut. Aber haben wirklich alle die gleiche Chance“, fragt Elternvereins-Obfrau Bettina Joszt-Eidler. Schüler, die den Sprachzweig wählen und weniger Stunden Mathematik pro Woche hätten, müssten die gleichen Aufgaben lösen, wie jene aus dem mathematischen Zweig und umgekehrt.

„Die Individualität des Einzelnen findet nicht mehr den Ausdruck, der ihr gebührt.“ Die Vorbereitungszeit für die Lehrer erscheint den Eltern zu wenig, als äußerst fragwürdig sehen sie auch die Hinaufsetzung des Schlüssels von 60 auf 63 Prozent, um eine positive Note zu haben.

Konkrete Kritik wird – wie Joszt-Eidler aus vielen Gesprächen weiß – auch an der Englisch-Hörübung geübt, bei der Alltagsgeräusche wie Straßenverkehrslärm eingebaut sind. „Im Alltag kann man aber nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Dies geht bei der CD nicht. Die Schüler werden so verunsichert“, so Joszt-Eidler. Prinzipiell hält sie fest, dass Unbekanntes skeptisch und ein wenig ängstlich mache.

Kommendes Schuljahr soll die Zentralmatura bereits in allen Gymnasien in Deutsch, Mathematik und Englisch durchgeführt werden, 2016 auch an den berufsbildenden höheren Schulen. „Schulen, die sich schon ein bisschen daran gewöhnt haben, tun sich dann leichter“, ist Schütz überzeugt. „Ich bin sehr dankbar, dass Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter damals zugestimmt haben und wir die Zentralmatura schon seit 2009 durchführen.“