Erstellt am 17. Februar 2014, 18:15

Aufruhr vor Pfarrhof: Kampf für Jelic. Bis zuletzt machten Gläubige ihrer großen Verärgerung über die Abberufung ihres beliebten Pfarrers Ivan Jelic Luft.

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Von Michaela Grabner

Montag Nachmittag vor dem Pfarrheim in Großwarasdorf. Rund 150 Menschen aus der Pfarre haben sich versammelt. Sie wollten ihren Protest über die Abberufung ihres beliebten Pfarrers Ivan Jelic kundtun, während im Inneren des Pfarrhofs die Übergabe der Pfarre an den neuen Pfarrer Božidar Blaževic über die Bühne gehen sollte. Der 53-jährige wird Pfarrmoderator in Großwarasdorf, Nebersdorf und Langental sowie Pfarradministrator in Kleinwarasdorf.
Die Übergabe versuchte man zu verhindern, indem man dem kroatischen Bischofsvikar Stefan Vukits den Zutritt zum Pfarrhof versperrte. Augenzeugen zufolge soll dieser dann aufgrund des Aufruhrs mit Dechant Ivan Vertesich abgefahren sein. „Wir haben die beiden vertrieben“, meinte ein verärgerter Protestteilnehmer.


Der Protestkundgebung am Montag waren – wie die BVZ berichtete – weitere Protestaktionen im Kampf um den beliebten Pfarrer vorangegangen. Eine Abordnung aus Nebersdorf und Langental fuhr nicht nur nach Eisenstadt, um vor dem Bischofshof zu demonstrieren, sondern reiste Bischof Ägidius Zsifkovics sogar bis zum Flughafen nach, da dieser ins Heilige Land reiste. Während man ihn beim Abflug verpasst hatte, gelang es den verärgerten Vertretern der Pfarre den Bischof nach seiner Ankunft in Schwechat abzupassen. Jelic’ Befürworter wollten versuchen, den Bischof umzustimmen und ihm eine Petition zu übergeben. Im Rahmen dieser Petition kündigten 67 Menschen per Unterschrift ihren Kirchenaustritt an, sollte sich nichts ändern.

Nur einen Tag später, am Sonntag, hielt Pater Ivan Jelic dann aber doch seine letzte Predigt in der Pfarre. „Die Ministranten und fast alle Kirchenbesucher weinten bei der letzten Messe“, schildert Nebersdorfs Ortsvorsteher Stefan Bantsich. Seitens der Diözese hatte man indes wiederholt darauf hingewiesen, dass Jelic von seinem Provinzial aus Bosnien abberufen worden sei. „Trotz intensiver Vermittlungsversuche auf Dekanats- und Diözesenebene, in die auch Stefan Vukits eingebunden war, ist es leider nicht möglich gewesen, einen seit längerem bestehenden persönlichen Konflikt zwischen Ivan Jelic und den geistlichen Schwestern im Kloster Großwarasdorf zu entschärfen. Um für die Zukunft eine ungestörte Zusammenarbeit und eine unbelastete Seelsorge in Pfarre und Dekanat zu ermöglichen, wurde Jelic, der dem Franziskanerorden angehört, von seinem Provinzial und Oberen in Bosnien aus der Diözese Eisenstadt wieder abberufen“, hieß es von der Diözese.

„Legen neuen Pfarrer keine Steine in Weg“

In der Pfarre selbst wird man die Protestaktionen nun einstellen. „Wir wollen dem neuen Pfarrer keine Steine in den Weg legen. Er kann nichts dafür. Er ist nur zur falschen Zeit am falschen Ort“, meint Bantsich.
Der Unmut gegenüber der Diözese ist aber noch nicht verraucht. Die Vorbeterinnen und der Glockenläuter von Nebersdorf legten ihre Ämter in der Pfarre zurück, Kirchenzeitungs-Abos wurden gekündigt, etliche Gläubige haben angekündigt, die Zahlung der Kirchensteuer einzustellen. Seitens der Diözese heißt es zu den Ereignissen am Montag: „Die Pfarre wurde am Abend ordnungsgemäß übergeben. Es hat im Vorfeld einen Störungsversuch gegeben.“