Erstellt am 14. August 2014, 13:08

B61a: Grab eines "Wiedergängers" entdeckt. Um zu verhindern, dass sie wieder aus dem Grab steigen und unter den Lebenden Unheil stiften, wurden manche Verstorbene in früheren Zeiten mit besonderen Erschwernissen beigesetzt. Einen solchen "Wiedergänger" haben Archäologen bei Trassengrabungen für die B61a entdeckt.

Grabungsleiter Kurt Fiebig und Kulturlandesrat Helmut Bieler  |  NOEN, BURGENL€NDISCHES LANDESMEDIENSER (APA)
Beim im Bezirk Oberpullendorf entdeckten und mit einer Pflugschar beschwerten Toten dürfte es sich laut Experten um einen römischer Offizier handeln.

Landesrat Bieler sprach von Sensationsfund

Man kenne Wiedergängergeschichten aus Italien - und nun erstmals auch aus dem Burgenland bei einem spätrömischen Friedhof aus dem fünften Jahrhundert, so Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ), der bei der Präsentation am Donnerstag im Landesmuseum Burgenland von einem Sensationsfund sprach.

Im Mai war mit den archäologischen Grabungen an der geplanten Trasse im Bezirk Oberpullendorf begonnen worden. Zwischen Unter- und Oberloisdorf gelang es, ein römisches Gräberfeld freizulegen, berichtete Grabungsleiter Kurt Fiebig. Bei den dort Bestatteten könne man "schon von Eliten sprechen." Dies sei am Grabinventar ersichtlich, das von Münzen über Silberschmuck bis zu hochwertigen Keramikbeigaben reichte.

In einem der Gräber wurde der "Wiedergänger" gefunden. Dass es sich um einen Soldaten handle, sei am Bronzegürtel ersichtlich. Das Tragen solcher Gürtel sei in der Römerzeit ausschließlich Militärs erlaubt gewesen - in der Regel Offiziersrängen, erläuterte Fiebig. Auf der Brust des Mannes hatte einst eine noch relativ gut erhaltene Pflugschar gelegen: "Sie hat immer noch circa fünf bis sieben Kilo."

Kurios: "Seine Hände lagen über dem Kopf"

Dem Toten von Unterloisdorf seien auch die Füße zusammengebunden worden. Erkennbar sei dies durch den Fund einer Gürtelschnalle. "Seine Hände waren nicht wie üblicherweise am Körper anliegend oder vor der Brust verschränkt, sondern seine Hände lagen über dem Kopf", schilderte Fiebig. Indiz dafür sei ein silberner Fingerring. Trotzdem sei der Mann "mit allen Ehren" bestattet worden.

Knochen habe man - bedingt durch das extrem saure Milieu des Bodens und den hohen Grundwasserspiegel - "in minimalsten Resten" gefunden. Der Mann sei wahrscheinlich in einem Holzsarg bestattet worden. Darauf würden Holzreste hindeuten, die man auf dem Gürtel fand.

Gräberfeld stammt aus ersten Jahrhunderten nach Christus

Die damalige Siedlung oder der Gutshof sei in der unmittelbaren Umgebung zu vermuten. Das Gräberfeld sei wahrscheinlich von Beginn des ersten bis Ende des fünften Jahrhunderts belegt worden, so Fiebig. Insgesamt wurden 25 Körpergräber und zehn Brandbestattungen gefunden.

Aufgrund der Funde und der Münzen lasse sich das Alter der Grabstelle gut bestimmen. Zur Zeit, als der Mann beerdigt wurde, habe das Oströmische Reich nicht mehr existiert, erläuterte der Grabungsleiter.

Dennoch habe es damals im Gebiet des heutigen Unterloisdorf eine florierende Wirtschaft gegeben, die den Menschen noch solche Grabbeigaben ermöglichte, so Fiebig. Das Römische Reich sei damals eigentlich bereits christianisiert gewesen. Jedoch habe man in dem Gräberfeld keine christlichen Bestattungen gefunden.

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