Erstellt am 09. Mai 2012, 07:39

Bahn: Sorge um geplante Einstellung. AUFSCHREI / Für die Forstwirtschaft ist die Strecke von Oberloisdorf nach Deutschkreutz eine Lebensader. Rund 1.400 Holzwaggons sind dort im Jahr unterwegs.

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REGION / Ein Antrag auf Einstellung der Bahnstrecke zwischen Oberloisdorf und Deutschkreutz – die BVZ berichtete exklusiv über die drohende Schließung – liegt im Verkehrsministerium vor. Laut Verkehrskoordinator Peter Zinggl vom Land Burgenland haben die ÖBB im Rahmen ihres Programms „Zielenetz 2025plus“ beschlossen, Strecken mit einem Frachtaufkommen unter 250.000 Bruttotonnen pro 15 Kilometer im Jahr einzustellen. Da die Strecke Deutschkreutz-Oberloisdorf 38 Kilometer lang ist, müssten 250.000 bis 300.000 Tonnen transportiert werden, aktuell sind es 160.000.

Seitens der Forstwirtschaft besteht dennoch großes Interesse am Erhalt der Bahn. Rund 1.400 Holzwaggons sollen pro Jahr unterwegs sein, die in den Bahnhöfen St. Martin, Oberpullendorf und Oberloisdorf beladen werden. „Für die Forstwirtschaft im Mittelburgenland ist es sicher eine wichtige Transportschiene“, meint Lois Berger, Obmann des Burgenländischen Forstvereins. „Man kann nicht nur nach den nackten Zahlen urteilen. Von der Umweltseite heißt es immer weg von der Straße auf die Schiene. Es würden mehr Lkw durch die Orte fahren.“ Das bestätigt auch Martin Pollak von der Fürst Esterhazy?schen Privatstiftung Lockenhaus: „Die Strecke ist eine Lebensader für die Land- und Forstwirtschaft im Bezirk. Wir hätten keine andere Möglichkeit als auf die Straße auszuweichen.“

Das Anliegen der Forstwirtschaft unterstützt Grünen-Bezirkssprecher Josko Vlasich. Für ihn ist die Bahnlinie eine wichtige Verkehrsader für Lastentransporte, die BürgerInnen vor Lärm- und Staubaufkommen schützt, die Umwelt entlastet und die regionale Land- und Forstwirtschaft gegen wirtschaftliche Benachteiligung stützt. „In Summe müsste man mit etwa 4.000 zusätzlichen Lkw-Fahrten in einer Richtung im Bezirk rechnen“, befürchtet Vlasich. Andererseits sieht er die Draisine als Tourismusattraktion gefährdet. Eine mögliche Lösung wäre für Vlasich eine regionale Betreibergesellschaft mit Bund, Land, Gemeinden, Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft, die wie im niederösterreichischen Traisental, eine Anschlussbahn betreibt. „Dazu ist ein politischer Konsens in der Region nötig“, meint Vlasich. Bei der ÖVP rennt er offene Türen ein. „Wir werden alles daransetzen, die Bahnlinie zu erhalten. Die Schließung wäre eine weitere Schwächung der Region“, meint Landtagsabgeordneter Werner Gradwohl. Auch LBL-Abgeordneter Manfred Kölly ist für den Erhalt der Strecke. SPÖ-Landesrat Peter Rezar glaubt, dass es schwierig wird, die Strecke zu erhalten, wenn kein entsprechendes Güteraufkommen vorhanden ist.

„Einerseits besteht für die ÖBB ein gewisser Spardruck und deshalb hat man genaue Vorgaben aufgestellt. Eine gewisse Wirtschaftlichkeit muss die Strecke haben“, erklärt auch Verkehrskoordinator Zinggl. Andererseits gehe es auch um eine Infrastruktur im Land. Daher habe man Gespräche mit dem Bund aufgenommen.

Will, dass Holztransporte auf der Schiene bleiben: Josko Vlasich setzt sich für die Bahnstrecke ein.