Erstellt am 26. Oktober 2011, 00:00

Die Apotheke ist weiblich. TYPISCHER FRAUENBERUF / Jenny Oberhauser ist eine von rund 20 Mitarbeiterinnen in der Apotheke zum Mohren. Einziger Mann im Team ist Apotheker Alfred Sczcepanski.

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VON MICHAELA GRABNER

OBERPULLENDORF /  Schier unzählige Laden vom Boden bis beinahe zur Decke säumen eine ganze Wand. Darin befinden sich alphabetisch geordnet Tabletten, Salben, Elixiere: Es handelt sich ums Lager der Apotheke zum Mohren, in der rund 6.000 Arzneien vorrätig sind. „Das Lager muss optimal sein - nicht zuviel wegen der Kosten, nicht zu wenig wegen des Services“, weiß Apotheker Alfred Szczepanski.

Die Betreuung des Lagers ist eine der Hauptaufgaben der pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten (PKA), zu denen in Oberpullendorf auch Jenny Oberhauser zählt. Sie kümmern sich um Bestellung, Warenübernahme und Bearbeitung der Lieferungen. Außerdem sorgen sie im Hintergrund dafür, dass jene Medikamente durch die sogenannte Rohrpost in den Verkaufsraum - Offizin genannt - kommen, die die Kolleginnen vorne in den Computer eingeben. Doch auch in der Offizin selbst, ist die Hilfe der pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten gefragt. Einerseits kümmern sie sich um die Gestaltung des Verkaufsraums, um die optisch ansprechende Präsentation nicht rezeptpflichtiger Angebote wie Kosmetika, Tees, Nahrungsergänzungsmittel und Ähnlichem sowie deren Vermarktung, andererseits dürfen sie an der Tara - der Verkaufstheke stehen - und im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen auch Kundengespräche und Verkaufsgespräche führen und die Apotheker beim Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel unterstützen. Der Verkauf in der Apotheke ist mit dem Beruf eines Verkäufers, zum Beispiel in einem Modegeschäft nicht vergleichbar, wie Alfred Szczepanski weiß. So ist man in der Apotheke mit Kunden bzw. Patienten aus allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen konfrontiert. „Außerdem braucht es ein grundlegendes Fachwissen, der PKA muss Fremdwörter und Fachausdrücke kennen“, so Szczepanski. Die Grundlage für dieses Wissen erhalten pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten im Rahmen einer dreijährigen Lehre.

Herstellung von Arzneien wie  Kapslen und Teemischungen

Jenny Oberhauser hat ihre Ausbildung in der Opernapotheke in Wien gemacht und die Berufsschule in St. Pölten besucht. Seit zwei Jahren arbeitet sie nun in Oberpullendorf in der Apotheke zum Mohren. Die tägliche Arbeit ist ein ständiges Zusammenspiel mit den Apothekern, von denen es in Oberpullendorf vier gibt und die im Unterschied zu den PKA ein Studium der Pharmazie abgeschlossen haben. Unter Anleitung einer ihrer Apotheker-Kolleginnen beschäftigt sich Jenny Oberhauser auch mit der Herstellung von Arzneien wie Kapseln, Teemischungen und Salben. Für eine Salbe wird zum Beispiel in eine sogenannte wirkstofffreie Salbengrundlage eine andere Salbe, Lösung oder Substanz eingerührt. Etwa zehn Prozent der Arzneien werden selbst nach Vorgabe des jeweiligen Arztes hergestellt, weil es diese spezifische Konzentration von Wirkstoffen am Markt in der gewünschten Form nicht gibt.

Weitere typische Aufgaben der PKA sind die Taxierung, also die Rezeptabrechnung mit den Krankenkassen, Hautanalysen und kosmetische Hilfe bei Hauptproblemen wie trockener oder geröteter Haut, Beratungen und Kundengespräche zu Themen wie Ernährungen und Stärkung des Immunsystems und die Organisation von Vorträgen. „Es ist sehr abwechslungsreich“, erzählt Jenny Oberhauser, was sie an ihrem Beruf besonders liebt. Wichtige Eigenschaften für Menschen, die in einer Apotheke arbeiten wollen, sind aus ihrer Sicht Genauigkeit, Verlässlichkeit, ständige Bereitschaft zum Lernen und ein gutes Gespür für Menschen.

Insgesamt besteht das Team der Apotheke zum Mohren aus rund 20 Mitarbeiterinnen, davon vier Pharamzeuten. Etwa die Hälfte ist pro Tag im Einsatz, viele hinter den Kulissen. „Es sind lauter Damen, es gibt nur einen Mann und das bin ich“, meint Alfred Szczepanski. „Ich würde aber sehr gerne mal auch einen Burschen als Lehrling haben.“

In der Offizin: Jenny Oberhauser und ihre Kolleginnen gestalten den Verkaufsraum, beraten Kunden und helfen beim Verkauf.