Erstellt am 20. Oktober 2010, 00:00

Drei jüdische Friedhöfe saniert. PROJEKT „ERINNERUNGSZEICHEN“ Die 14 jüdischen Friedhöfe im Burgenland werden instand gesetzt. Begonnen wurde in Kobersdorf, Lackenbach und Deutschkreutz.

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KOBERSDORFGrünschnitt und Bäume wurden entfernt, Mauern saniert, einsturzgefährdete Stellen beseitigt, Grabsteine wieder gerade gerichtet. In den vergangenen Monaten wurden die jüdischen Friedhöfe in Lackenbach, Kobersdorf und Deutschkreuz saniert. Die Arbeiter kamen von Trendwerk, einer gemeinnützigen GmbH zur Förderung der Integration am Arbeitsmarkt, unterstützt aus Mitteln des Arbeitsmarktservice Burgenland und des Europäischen Sozialfonds.

„Die jüdischen Friedhöfe in ganz Österreich befinden sich in schlechtem Zustand. Um Gräber kümmern sich im Allgemeinen die Nachkommen. Es gibt aber bei 100.000 begrabenen jüdischen Bürgern keine Nachkommen, weil diese umgebracht oder in Emigration gezwungen wurden. Die Kultusgemeinde kann mit ihren beschränkten Mitteln nicht einspringen“, erklärte Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien. Er sieht für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe in Österreich einen Gesamtfinanzierungsbedarf von 40 Millionen Euro. Für die 14 Friedhöfe im Burgenland ist die Sanierung im Rahmen des Projekts „Erinnerungszeichen“ geplant. Im Zuge dessen soll auch mit den Gemeinden über weitere Pflegemaßnahmen verhandelt werden. „Es gibt schon von einigen konkrete Zusagen“, berichtet Hofrat Josef Tiefenbach von der Kulturabteilung des Landes.

Die Erhaltung der Friedhöfe ist aber nur ein Eckpunkt des von Land, IKG und dem Verein RE.F.U.G.I.U.S. ins Leben gerufenen Projekts „Erinnerungszeichen“. Denn neben gärtnerischen, legt dieses besonderen Wert auf „geistige“ Pflegemaßnahmen. Bewusstseinsarbeit mit Jugendlichen zu jüdischer Kultur, Geschichte und Shoa werden mit Hilfe von Zeitzeugen und Historikern durchgeführt und dazu Schulen eingebunden. Die dritte Säule des Projekts ist laut Projektkoordinator Dieter Szorger die Dokumentation in Form der Entanonymisierung der jüdischen Toten. Dazu sollen die Inschriften der jüdischen Grabsteine gedeutet und ins Internet gestellt werden.

Am jüdischen Friedhof Kobersdorf: Gregor Wurzer, Josef Tiefenbach, Ewald Hausensteiner, Klaus Hudec, Eva Schwarzenbacher, Horst Horvath, Dieter Szorger und Raimund Fastenbauer.