Erstellt am 19. März 2014, 00:00

Fahrerflucht: Hirsch litt Höllenqualen. Erst nach Tagen konnte ein Jäger in Dörfl ein schwer verletztes Tier von seinen Schmerzen erlösen.

„Die hinteren Läufe sind nur noch an einigen Hautfetzen gehängt, die Knochen sind schon zehn Zentimeter herausgestanden“, berichtet Thomas Karonitsch, der Hegeringleiter des Esterházy Jagdreviers, von den Leiden eines Hirschs in seinem Revier. Das Tier war einige Tage zuvor auf der Straße zwischen Draßmarkt und Dörfl angefahren worden, wie sich aufgrund von Beobachtungen eines weiteren Autofahrers erst Tage später herausstellte.

"Ärgste Tierquälerei"

Denn der Unfalllenker hatte den Wildunfall nicht gemeldet, obwohl er dies laut Straßenverkehrsordnung müsste. „Das ist die ärgste Tierquälerei, die es gibt“, meint Karonitsch. Der Hirsch sei auf seinen Stummeln noch rund zwei Kilometer weiter gekrochen. Er hätte laut Hegeringleiter im schlechtesten Fall noch ein bis zwei Wochen mit seinen Schmerzen gelebt bis er aufgrund von Fieber und Infektion zugrunde gegangen wäre.

Rund zehn nicht gemeldete Wildunfälle pro Jahr

Da Wildunfälle mit Fahrerflucht durchaus kein Einzelfall sind, will man nun seitens Esterházy Aufklärung betreiben. „Dass Wild angefahren und dies nicht gemeldet wird, passiert bis zu zehn Mal im jahr im Revier. Wenn der Unfalllenker den Wildunfall meldet, hat dies für ihn keine negativen Konsequenzen, sondern nur positive, weil die Versicherung dann für den Schaden einspringt“, erklärt Karonitsch. Der Lenker muss für die Verletzung des Wilds weder eine Strafe noch eine Schadensersatzzahlung fürchten. „Meldet man den Wildunfall allerdings nicht, macht man sich der Fahrerflucht und Tierquälerei strafbar, was mit ordentlichen Konsequenzen verbunden ist“, weist Karonitsch auf die gesetzliche Lage hin (siehe unten).
 
Verhalten bei Wildunfall

Pflichten nach der Straßenverkehrsordnung (STVO):
§ 4 Alle Personen, deren Verhalten am Unfallort mit einem Verkehrsunfall im ursächlichen Zusammenhang steht, haben
a)wenn sie ein Fahrzeug lenken sofort anzuhalten
b) wenn als Folge des Verkehrsunfalls Schäden für Personen oder Sachen zu befürchten sind, die zur Vermeidung solcher Schäden notwendigen Maßnahmen zu treffen,
c) an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken.

Gemäß §4Absatz5 STVO muss bei einem Wildschaden aufgrund eines Verkehrsunfalls die nächste Polizeidienststelle ohne unnötigen Aufschub verständigt werden.

Auch aus §9 Tierschutzgesetz kann sich eine Hilfeleistungspflicht ergeben:
Wer ein Tier erkennbar verletzt oder in Gefahr gebracht hat, hat, soweit ihm dies zumutbar ist, dem Tier die erforderliche Hilfe zu leisten oder, wenn das nicht möglich ist, eine solche Hilfeleistung zu veranlassen.