Erstellt am 14. März 2012, 00:00

Fledermaus als Lockvogel. NATURTOURISMUS /  Burg wird zu einem Fledermauszentrum, das Schutz für die Tiere und touristische Impulse bringen soll.

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Im Burgenland gibt es 24 Fledermausarten, wobei die Wimperfledermaus zu den selteneren Arten zählt.

Ein kleiner Dachraum der Burg Lockenhaus dient 700 bis 1.100 Weibchen Jahr für Jahr als Fortpflanzungsquartier.

Die Fledermausweibchen kommen als trächtige Mütter Ende April. Anfang bis Mitte Juni bringt jede Mutter ein Jungtier zur Welt. Bis Ende Juli werden die Jungen flügge.

QUELLE: FRIEDERIKE SPITZENBERGER, VEREIN BATLIFE

„Dieses naturtouristische Highlight ist ein Juwel für die ganze Region und leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Fledermäuse.“ Erich Trummer, Obmann mittelburgenland plus

„Manchen Bürger befremdet das Projekt möglicherweise oder er sieht die Beschäftigung mit der Fledermaus vielleicht als etwas Verrücktes. Aber genau das ist das Geniale und Einzigartige.“ Rudolf Geißler, Obmannstellvertreter mittelburgenland plus

„Das Projekt passt gut in das Konzept der Burg. Wir haben vor drei Jahren begonnen, den Erlebnistourismus auf unsere Fahnen zu heften. Die Fledermaus ist zu unseren Angeboten zum Thema Ritter eine sinnvolle Ergänzung.“ Roman Horvath, Burg Lockenhaus

„Wir wollen das Projekt nutzen, um eine Imagekampagne für die Fledermaus zu machen.“

Bürgermeister Christian Vlasich

„Ich bin überzeugt, dass die Fledermaus das touristische Interesse sehr schnell wecken wird.“

Vizebürgermeister Klaus Schranz

VON MICHAELA GRABNER

LOCKENHAUS / Hunderte Mütter und Babys kuscheln sich jedes Jahr im Sommer am Dachboden der Burg Lockenhaus zusammen. Dieser beherbergt Mitteleuropas größte Wimperfledermauskolonie mit zwischen 700 und 1.100 Weibchen. „Der Dachboden ist optimal von der Temperatur, die Tiere werden niemals gestört und auch die Umgebung der Burg ist wahnsinnig toll, weil die Tiere hier hervorragende Nahrung finden“, erklärt Friederike Spitzenberger vom Verein Batlife, was die Burg zum Fledermaus-Paradies macht.

Just im heurigen von den Vereinten Nationen ausgerufenen Jahr der Fledermaus startet der Naturparkverein Lockenhaus in Kooperation mit der Burg und der Gemeinde ein Projekt unter dem Titel „Die Fledermaus in Lockenhaus“. „Es gilt die Schere zu schaffen zwischen naturtouristischer Nutzung des Themas und dem Schutz der Fledermaus, der ganz vorne steht“, gibt Bürgermeister und Naturparkobmann Christian Vlasich die Zielrichtung vor. „Das geht durch Bewusstseinsbildung.“

Ab Juni Dauerausstellung  „Freunde der Nacht“

Dazu wird am 17. Juni eine Dauerausstellung unter dem Titel „Freunde der Nacht“ eröffnet. „Wir wollen nicht eine klassische Ausstellung machen, sondern eine mit Wow-Effekt“, betont Roman Horvath von der Burg. „Eine Ausstellung, bei der der Besucher etwas erleben kann, wo er selbst am Rad drehen oder Schallfrequenzen der Fledermäuse hören kann.“ Fledermaus Betsi und Burggeist Baldi werden durch die Ausstellung führen und als Maskottchen die Werbetrommel rühren.

Da man mit der Aufklärungsarbeit rund um die Fledermaus stark auf Schulen abzielt, wird es ergänzend dazu in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule einen Workshop für Lehrer geben, die das Thema dann an Schüler weitergeben können. Außerdem sind Infoveranstaltungen für die Bevölkerung und eine Lese-Serie vorgesehen. Weiters sind mehrere Events für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geplant – wie zum Beispiel im Juni, dem Geburtsmonat der Fledermäuse, ein Geburtstagsfest. An den Details werde noch gearbeitet, so Vlasich. Ihm ist es auch wichtig, die Bevölkerung stark in das Projekt einzubinden, das er im Rahmen einer Bürgerversammlung vorstellen möchte. „Wir wollen die Vereine einladen, Events rund um die Fledermaus anzubieten“, sagt Vlasich. Auch die Gastronomie soll durch das Projekt belebt werden, zum Beispiel durch Fledermaus-Menüs in Form spezieller Mehlspeisen und Gerichte gekocht mit jenem Teil des Rindfleischs, das sich Fledermaus nennt.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 195.000 Euro, wobei 156.000 Euro im Rahmen von LEADER als Förderung ausgeschüttet werden. Den Rest teilen sich Gemeinde und Burg. Diese hatte schon im Vorjahr eine Kamera installiert, von der Live-Bilder aus der Fledermauskolonie in die Rezeption übertragen wurden. „Das ist von unseren Gästen positiv aufgenommen worden“, so Roman Horvath.

ZITATE

Am Dachboden der Burg: Wo die Wimperfledermäuse Quartier beziehen, das sahen sich Erich Trummer, Rudolf Geißler, Christian Vlasich, Roman Horvath, Klaus Schranz, Heidi Drucker und Friederike Spitzenberger an.EDMUND WEISS/GRABNER