Erstellt am 04. Mai 2016, 05:34

von NÖN Redaktion

Frost vernichtet Ernte. Winzer und Obstbauern im Bezirk rechnen mit hohen Ernteausfällen, teilweise von bis zu 90 Prozent.

Lokalaugenschein: Johann Plemenschits zeigte auch Bauernbundobmann Niki Berlakovich die Schäden. Dieser fordert eine Mitfinanzierung des Landes bei der Versicherung. Foto: zVg  |  NOEN, zVg
„Wir gehen von 90 Prozent Totalschäden aus“, fasst Deutschkreutz‘ Weinbauvereinsobmann Albert Gesellmann die derzeitige Lage in den Weingärten zusammen. Der Frost in einigen Nächten der vergangenen Woche hat in den Weingärten große Schäden angerichtet.

In Deutschkreutz hatte man versucht, durch das Abbrennen von Strohballen in den Weingärten Schlimmeres zu verhindern. „In der ersten Nacht hat das schon geholfen“, so Gesellmann. Als es dann in der Wetterprognose hieß, es komme kein Frost mehr, sei man sehr erleichtert gewesen – bis es dann doch noch gefroren hat.

„Es hat uns leider massiv getroffen“

Auch in Horitschon war man von den niedrigen Temperaturen betroffen. „Es hat uns leider massiv getroffen. Es gibt ein paar Lagen, wo alle grünen Triebe kaputt sind und ein paar, wo man vielleicht noch ein bisschen was lesen können wird“, so Weinbauvereinsobmann Franz Strass. Sein Kollege Stefan Wellanschitz aus Neckenmarkt führt aus: „Bei uns sind etwa 90 Prozent der Weingärten betroffen, auch Lagen, die bisher noch nie betroffen waren.“

Das Ausmaß der Schäden sei derzeit noch nicht abschätzbar, so Wellanschitz weiter. Weinbauvereinsobmann Günther Toth aus Lutzmannsburg, führt aus: „Es ist sehr großer Schaden entstanden. Man muss schauen, was übrig geblieben ist.“

In Lutzmannsburg hat man außerdem noch an zwei Stellen die Rebzikade, einen Schädling, nachgewiesen. „Die Stöcke mussten gerodet werden. Die Winzer müssen jetzt Spritzmittel einsetzen, dafür gibt es aber noch keine Verordnung.“

Auch der Obstbau war stark betroffen

Christian Zechmeister, Geschäftsführer von Weinbau Burgenland, meint: „Vorsichtigen Schätzungen zufolge wurden rund 45 Prozent der Weingartenfläche des Landes geschädigt.“ Es gäbe im Weinbau eine Versicherung und zwar eine Hagel-Frost-Kombiversicherung, sie wird zu 25 Prozent vom Land und zu 25 Prozent vom Bund unterstützt, so Zechmeister.

Auch der Obstbau war stark betroffen. „Es ist schwierig bis zermürbend“, meint Burgenlands Obstbaupräsident Johann Plemenschits aus Klostermarienberg. „Die beginnende kleine Frucht ist besonders empfindlich“, erklärt Plemenschits weiter.

Helfen kann man sich nur durch Frostberegnung, da die Frucht durch die Gefrierwärme vor dem Frost geschützt ist. „Für viele Obstbauern wird der Schaden auch existenzbedrohend sein, da die Auszahlungspreise in den vergangenen Jahren sehr niedrig waren“, meint der Obstbaupräsident. Wie sich der Frost ausgewirkt hat, wird erst in zwei bis drei Wochen sichtbar sein.

Wolf Reheis, Leiter der Abteilung Pflanzenbau an der Landwirtschaftskammer führt dazu aus: „Im Obstbau kann man sich auch versichern, allerdings gibt es keinen Zuschuss seitens der öffentlichen Hand wie beim Weinbau. Seitens der Landwirtschaftskammer wünschen wir uns daher auch eine derartige Ko-Finanzierung für den Obstbau und generell unbürokratische Unterstützungsmodelle.“

Johann Eichberger vom landwirtschaftlichen Bezirksreferat erklärt, dass es noch keine großen Schadensmeldungen aus der Landwirtschaft in puncto Frost gab. „Beim Raps sind die Folgen aber derzeit noch nicht absehbar, dieser steht zurzeit in der Blüte“, so Eichberger.