Erstellt am 26. August 2015, 11:09

Jeder hat 997 Euro Schulden. Gesamtschulden der 28 Gemeinden im Bezirk betragen 37,479.984 Euro.

Freie Finanzspitze: 5,310.986 Euro standen den Gemeinden für Projekte zur Verfügung.  |  NOEN, Bilderbox.com

37.479.984 Euro macht der in der Gemeindefinanzstatistik 2014 ausgewiesene Schuldenstand der 28 Gemeinden des Bezirks Oberpullendorf aus. Legt man dies auf die Einwohnerzahl um, so hätte jeder Mittelburgenländer 997 Euro Schulden. Das sind 17 Euro mehr als im Jahr 2013. Die aktuelle Statistik wurde vergangene Woche von Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ) präsentiert.

„Die burgenländischen Gemeinden haben in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet und die Vielzahl ihrer Aufgaben sehr sparsam, wirtschaftlich und zweckmäßig erfüllt. Mit der Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte wurde in die Zukunft investiert – ohne dabei die Finanzen aus dem Blick zu verlieren“, meint Eisenkopf.

Höchster Schuldenstand pro Kopf in Draßmarkt

Den höchsten Schuldenstand pro Kopf im Bezirk weist Draßmarkt mit 3.091 Euro auf. Bürgermeister Rudolf Pfneisl führt dies auf die umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur in den drei Ortsteilen zurück. „Alle drei Ortsteile sind mit einem Kanal-Trennsystem ausgestattet, natürlich wurde beim Kanalbau größtenteils die Wasserleitung mitverlegt und auch die Lichtwellenleitung“, so Pfneisl.

Er weist auch auf den neuen Sendemast von A1 in Karl hin. „Dieser wurde auf Initiative von Ortsvorsteher Renner und mir in Betrieb genommen und versorgt auch die angrenzenden Gemeinden“, führt der Draßmarkter Bürgermeister weiter aus. Dies seien Investitionen für die kommenden 50 Jahre gewesen, so der Ortschef.

Die freie Finanzspitze, also jenes Geld, das den Gemeinden nach Abzug der Fixkoten aus dem laufenden Budget für Projekte zur Verfügung steht, beläuft sich im Bezirk auf 5.310.986 Euro. Über die höchste freie Finanzspitze im Bezirk konnte sich 2014 die Gemeinde Neutal mit 476 Euro pro Einwohner freuen.

Die niedrigste freie Finanzspitze (minus 270 Euro) im Bezirk Oberpullendorf weist Lackenbach auf, die Gemeinde hat allerdings auch als einzige Gemeinde im Bezirk einen Schuldenstand von 0 Euro. „Es gab umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur, wir haben Kindergarten, Schule und Leichenhalle saniert sowie in Straßen- und Kanalbau investiert“, führt Bürgermeister Christian Weninger aus.

Daher habe man 2014 mehr ausgegeben, als man eingenommen hat. Man könnte die freie Finanzspitze theoretisch erhöhen, indem man Gebühren erhöhen oder Vereinsförderungen kürzen würde, aber das sei derzeit kein Thema im Gemeinderat, so der Lackenbacher Ortschef.

Den Schuldenstand von Null führt Weninger einerseits auf den finanziellen Polster durch die Verkäufe der Hauptschule und der Begas-Anteile zurück, andererseits meint er aber auch: „Man hat in der Gemeinde über Jahre gut gewirtschaftet, das ist auch meinem Vorgänger geschuldet.“


Erläuterungen

  • Grundlage für die Gemeindefinanzstatistik sind die im Frühjahr 2015 von den burgenländischen Gemeinden übermittelten Rechnungsabschlüsse des Haushaltsjahres 2014.

  • Bei der Betrachtung und Analyse der Übersichten ist zu bedenken, dass es sich lediglich um die Zahlen eines Jahres, also um ein punktuelles und statistisches Ergebnis handelt, das wohl Vergleiche zwischen Gemeinden, Bezirken und Gemeindegrößengruppen zulässt, aber nicht dazu geeignet ist, ein endgültiges Urteil über die Finanzlage einer bestimmten Gemeinde abzugeben.

  • Freie Finanzspritze: Sie zeigt den theoretisch möglichen freien Finanzspielraum der Gemeinde, bezogen auf das Haushaltsjahr, auf. Die Berechnung ergibt sich durch Gegenüberstellung der Erträge zu den Aufwendungen einschließlich der Tilgungsanteile für Fremdkapitalrückführungen. Die Finanzspitze als Finanzbeurteilungsinstrument ist in ihrem Absolutwert zu werten, da nur das Volumen der Finanzspitze die tatsächlichen Finanzierungsmöglichkeiten einer Gemeinde widerspiegelt. Ein diesbezüglicher Negativwert deutet entweder auf existente Finanzprobleme der Gemeinde hin, kann aber seine Ursache auch in einer falschen Ausgabenzuordnung haben.

  • Schulden: Die Schulden der Gemeinden sind in Schulden für den hoheitlichen Bereich = ÖH (Maastricht-relevant) und Schulden für Betriebe mit marktbestimmter Tätigkeit unterteilt. Hauptaugenmerk ist auf die Maastricht-relevanten Schulden des hoheitlichen Bereiches zu legen, da sie nicht oder nur zu einem geringen Teil durch zweckgebundene Einnahmen bedeckt werden können.

    Quelle: Gemeindefinanzstatistik 2014/Land Burgenland