Erstellt am 25. Mai 2011, 07:52

Halbes Leben lang im Bad. BESONDERES JUBILÄUM / Seit nunmehr 40 Jahren ist Badkassierin Maria Patek die gute Seele des Oberpullendorfer Bads.

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VON MICHAELA TANZLER

OBERPULLENDORF / Mit einem Geschenkkorb und einer Urkunde stehen die Rekruten vor Maria Patek und singen ihr ein selbst gedichtetes Ständchen vor – ihre Art der guten Seele des Schimmbads Danke zu sagen. „Mir sind die Tränen gekommen“, ist Maria Patek nach wie vor gerührt, wenn sie sich an diesen mittlerweile schon einige Jahre zurückliegenden Tag erinnert.

Ihr erster Arbeitstag im Bad liegt noch viel weiter zurück. Schon seit 40 Jahren ist Badkassierin Maria Patek das Oberpullendorfer Bad im Sommer quasi ein zweites Zuhause. Im Jahr 1971 übernahm sie mit ihrem Mann die Betreuung, da die Gemeinde damals über keinen Bademeister verfügte. „Die ersten 15 Jahre haben wir das Bad ohne Bademeister betreut, damals war das noch nicht so streng“, erzählt sie. Wieviele Bademeister in der Zwischenzeit schon mit ihr gearbeitet habe, kann sie gar nicht mehr an den Händen abzählen.

Kinder waren immer ein  besonderes Anliegen

Sicher ist, dass seit Beginn von Pateks „Amtszeit“ bereits der siebente Bürgermeister im Rathaus sitzt. „Ich habe einen ganz schönen Verschleiß gehabt“, meint sie verschmitzt. Sie selbst hat mehr Ausdauer bewiesen: In den vierzig Jahren war sie im Sommer keinen einzigen Tag im Krankenstand. „Ich bin wahnsinnig gerne da, weil ich die Leute mag und vor allem die Kinder“, so Patek vierfache Mutter, sechsfache Großmutter und achtfache Urgroßmutter. Und die Kinder lieben sie, hat sie doch immer ein Zuckerl, ein offenes Ohr und einen guten Rat parat. Hatte ein Kind Hunger aber kein Geld, kaufte Maria Patek ihm eine Leberkäsesemmel. Wurde jemandem sein Geld weggenommen, gab sie ihm Münzen für den Busfahrschein nach Hause. Von Kindern aus weniger betuchten Familien sparte sie das Tageseintrittsgeld zusammen bis damit die Kosten einer Saisonkarte abgedeckt waren, damit sie spätere Tageseintritte in Eis oder Süßigkeiten investieren konnten.

Selbst als Amor war Maria Patek schon unterwegs und ermunterte ein Mädchen dem von ihm angehimmelten Jungen einen Brief zu schreiben, den sie diesem dann ins Badkästchen legte und so den beiden zu einem Date verhalf. Die Rolle der Vermittlerin versuchte sie auch in Streitfällen zu spielen, was nicht immer nach Wunsch gelang. Patek erinnert sich noch an einen Streit zwischen einem Österreicher und einem Ungarn. „Ich habe ihnen gesagt, gebt euch die Hand. Als ich weggehen will, sehe ich, dass der Ungar dem Österreicher eine Watsch’n gibt“, so Patek. „Da habe ich mich umgedreht und dem Ungar eine geschmiert.“

„Kann kaum glauben, wie  lange ich schon da bin“

Dass sie eine Frau für alle Fälle ist, bewies Patek auch in anderen Situationen. Mit einem Schmunzeln erinnert sie sich an einen speziellen Bundesheerler. Just einen Tag, als das Fernsehen ins Bad kam, hatte der Rekrut ausgesucht, um über den Durst zu trinken. „Er ist nackt auf der Wiese gelegen. Ich habe ihn angezogen, seinen Schnaps ausgeleert und ihn von seinen Kameraden wegbringen lassen“, lacht Patek. „Am nächsten Tag ist er gekommen, um sich zu entschuldigen.“

Dass sie schon vier Jahrzehnte im Bad tätig ist, kann Patek selbst kaum glauben. Und sie hofft, dass sie noch länger dort tätig sein darf. „Man muss diesen Beruf lieben“, betont sie. „Wenn die Gemeinde sagen würde, sie haben kein Geld, würde ich das auch so machen.“

Zweites Zuhause: Das Bad ist für Maria Patek - im Bild mit Urenkelin Marlene - im Sommer wie ein zweites Wohnzimmer. Sie war auch beim letzten großen Umbau 1999 dabei, als neue Kabinen und die Wasserrutsche dazugekommen sind.

Schriftliches Danke für gute Betreuung: Besonders den Rekruten ist Patek ans Herz gewachsen.

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