Erstellt am 09. November 2011, 00:00

„Istanalyse der Situation ist der erste Schritt“. GEWALT IN DER STADT / Ortschef Geißler sucht den Dialog. Der Kinder- und Jugendanwalt empfiehlt eine Betrachtung der Lage.

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OBERPULLENDORF / Ende August wurde ein 21-Jähriger vor einer Diskothek in Oberpullendorf zusammengeschlagen und erlitt einen doppelten Kieferbruch. Die Familie hatte damals Konsequenzen gefordert, das Thema wurde auch im Gemeinderat diskutiert. Bürgermeister Rudolf Geißler hatte damals nach einer angeregten Diskussion vorgeschlagen, das Thema in kleinerer Runde zu erörtern. „Ich habe nun Gespräche geführt“, so der Ortschef, „unter anderem mit der Gastwirtschaft, mit dem Kinder- und Jugendanwalt und mit den Sicherheitsbehörden.“ Geißler möchte vor allem auf Prävention und Aufklärung setzen. „Alle sollen etwas in diesem Bereich beitragen“, so Geißler.

Nicht nur in der Stadt  Oberpullendorf ein Problem

 

Für Kinder- und Jugendanwalt Christian Reumann ist es wichtig zu betonen, dass dies kein spezifisches Problem von Oberpullendorf ist. „Ich schätze die Lage so ein, dass Oberpullendorf nicht die Hölle schlechthin in dieser Hinsicht ist. Da laufen Dinge, die sonst wo auch laufen“, so Reumann.

„Das erste, was man jetzt machen sollte , ist eine Ist-Analyse“, so der Kinder- und Jugendanwalt, „damit man zielgruppenorientiert Maßnahmen setzen kann. Dabei sollte die Größenordnung der Vorfälle erhoben werden, wer macht was und was stört wen, erklärt Reumann. Auch das Alter spielt eine große Rolle. „Für mich ist es auch wichtig, die Eltern in die Pflicht zu nehmen“, hebt der Kinder- und Jugendanwalt hervor. „Allerdings setzen auch Personen über 18 oft Aktionen, die nicht passen. Die fallen nicht mehr unter das Jugendschutzgesetz. Ein 18-Jähriger ist volljährig, dem kann man von Elternseite keine Vorschriften mehr machen.“

Polizei: Verstärkte Präsenz  und Überwachung

 

Bezirkshauptmann Klaus Trummer erklärt: „Wir können nur von der polizeilichen Seite her schauen, was gibt es an Ressourcen und was können wir damit tun.“ Und der Bezirkspolizeikommandant ergänzt: „Wir von der Polizei haben seither die Präsenz und Überwachung in Oberpullendorf und vor speziellen Lokalen am Wochenende intensiviert“, erklärt Emmerich Schedl die Vorkehrungen bei der Polizei gegen die erhöhte Gewalt im Bezirksvorort. Ihm seien in den vergangenen Wochen auch keine Vorfälle gemeldet worden, erzählt er im Gespräch mit der BVZ.

Auch Bezirkshauptmann Klaus Trummer meint: „Es passieren schon Sachbeschädigungen, die Zahl der Anzeigen ist aber nicht besorgniserregend hoch.“

Bezug nehmend auf den Angriff auf den 21-Jährigen Ende August und den Fall des Überfalls auf eine junge Frau beim Oberpullendorfer Schwimmbad vor zwei Wochen ergänzt er: „Wenn solche Fälle passieren, ist das natürlich höchst bedauerlich.“

Kinder- und Jugendanwalt Christian Reumann sieht Vorkommnisse dieser Art ebenfalls auf einer ganz anderen Ebene. „Das hat mit der Grundsituation in Oberpullendorf nichts zu tun, das ist eine extreme Ausformung“, so der Kinder- und Jugendanwalt. „In Oberpullendorf muss niemand Angst haben, wenn er in der Nacht allein auf der Straße unterwegs ist.“

Dem stimmt auch Bürgermeister Rudolf Geißler zu. „Ich frage mich, was in einem Jugendlichen vorgeht, wenn er in einer Freistunde raus geht und einen Überfall begeht“, so der Oberpullendorfer Bürgermeister.