Erstellt am 20. Oktober 2010, 00:00

Keine Umwidmung für Hühnerfarm. SPÖ GEGEN STANDORT Zwei junge Unternehmer aus Hochstraß dürfen ihren Biolegehennenstall nicht am geplanten Standort, den Brunnäckern, errichten.

HOCHSTRASS / Für Diskussionen in Bevölkerung und Gemeinderat sorgt ein geplanter Biofreilandhaltungsstall für 6.000 Legehennen. Das Gebäude mit einer Größe von 58 mal 19 Metern und fünf Metern Höhe sowie einer 20 kw-Photovoltaikanlage, die Strom für fünf Haushalte liefern kann, war seitens der Betreiber David Fuchs und Thomas Kogl auf den Brunnäckern vorgesehen.

Und das aus drei Gründen: weil der Standort rund 470 Meter von der Ortschaft entfernt liegt, die Nähe zur Infrastruktur wie Strom und Wasser aber gegeben ist und die Betreiber dort schon dreieinhalb Hektar Grund zur Verfügung hatten und nur mehr von zwei Grundstücksbesitzern Flächen dazukaufen mussten.

Gegner sorgen sich  um Luft und Landschaft
Die Umwidmung der notwendigen Flächen wurde bei der Gemeinderatssitzung am Freitag von der SPÖ, die die Mehrheit hat, abgelehnt. „Viele haben bei mir angerufen und sich gegen den Standort ausgesprochen“, erklärte SPÖ-Bürgermeister Werner Brenner. Er verlas ein Schreiben der Gegner des Projekts, die dadurch eine Beeinträchtigung der Landschaft, der Aussicht und der Luft befürchten.

Gutachten sieht keine Gefahr  für Geruchsbelästigung
Die Betreiber selbst hatten ein luftreinhaltetechnisches Gutachten von einem vom Land anerkannten Gutachter erstellen lassen. Darin steht, dass lediglich ein Schutzabstand von 65 bis 75 Metern vom Emissionsort erforderlich ist. Weiters heißt es, dass die nächstgelegenen Nachbarn in einer Entfernung von 300 Metern und die nächstliegenden Wohnnachbarn in Bezug auf die Hauptwindrichtung in 500 Metern Entfernung gelegen sind, weshalb nicht mit einer Beeinträchtigung durch Geruch oder Staub zu rechnen sei. Außerdem wurde den Betreibern von einem Sachverständigen des Landes zwingend an drei Seiten ein „lebender“ Sichtschutz vorgeschrieben, wodurch das Landschaftsbild erhalten bleiben soll.

„Wir haben Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft und Land über jeden Schritt des Projekts informiert“, sind David Fuchs und Thomas Kogl über die nunmehrige Entscheidung im Gemeinderat enttäuscht.

Die SPÖ begründete die Ablehnung der beantragten Umwidmung mit dem Widerstand der Bevölkerung und dem dort befindlichen Landschaftsschutz- und Erholungsgebiet. Der Ortsausschuss habe vor Jahren festgelegt, dass im betroffenen Bereich das Erholungsgebiet von Hochstraß sein soll. Die Gemeinde Lockenhaus sei zudem im Raumplanungsprogramm des Landes als Tourismusregion ausgewiesen und die Errichtung von Betrieben mit Massentierhaltung in solchen sei nur dann zulässig, wenn eine große Störung des Landschaftsbildes, eine Zersiedelung und eine Beeinträchtigung des Naturhaushaltes auszuschließen seien.

SPÖ schlägt anderen  Standort für Projekt vor
„Wir sind nicht gegen das Projekt, sondern nur gegen den Standort“, betonte SPÖ-Bürgermeister Werner Brenner. Ein Grundstückstausch, wie er bei der Gemeinderatssitzung vorgeschlagen wurde, um das Projekt im Betriebsgebiet umzusetzen, erscheint den Betreibern kaum realisierbar. Man müsste dafür mit zwölf Grundbesitzern Grund tauschen, was mit zusätzlichen Kosten für Grundbuch und Notar verbunden wäre, und hätte auch längere und damit teurere Wege bis zur bestehenden Infrastruktur. „Aufgrund der zusätzlichen Kosten wäre das Projekt für uns gelaufen“, sagen Fuchs und Kogl.

ÖVP: „Jungunternehmern  wurden Steine in Weg gelegt“
„Die Betreiber haben nur den einen Standort“, unterstrich auch ÖVP-Gemeindevorstand Karl Wittmann. Er mutmaßt, dass manche Leute den Jungunternehmern das Projekt nicht gönnen. Und ÖVP-Gemeinderätin Bettina Martin meinte, dass es mehr Leute gibt, die sich den Biovorzeigebetrieb anschauen, als Touristen. -->

Für die ÖVP hat die SPÖ das Projekt „abgewürgt“. „Zwei Jungunternehmer aus dem Dorf, die Geld investieren wollen - das gehört unterstützt und nicht dagegen gearbeitet“, betont ÖVP-Vizebürgermeister Klaus Schranz. „Jede Gemeinde sollte über neue Betriebe froh sein. Sie sichern Arbeitsplätze, bringen der Gemeinde Geld und stärken den Wirtschaftsstandort.“ Schranz schlägt die Bildung eines örtlichen Wirtschaftsausschusses in Kooperation mit Experten vor, die sich offensiv um die Ansiedelung von Betrieben in der Großgemeinde kümmern sollen.