Erstellt am 03. Februar 2016, 10:01

von NÖN Redaktion

Londonerin managt Festival. Mit der gebürtigen Deutschen Sibylle Jackson, die jetzt in Englands Hauptstadt lebt, hat man unter über 20 Bewerbern eine neue Geschäftsführerin gefunden.

Jackson über Lockenhaus: » Man muss das selbst erlebt haben, um diese besondere Atmosphäre wahrzunehmen.«  |  NOEN, zVg

Die BVZ sprach mit Geschäftsführerin Sybille Jackson über ihre Vorstellungen fürs Kammermusikfest.

BVZ: Wieso haben Sie sich für die Stelle der Geschäftsführerin des Kammermusikfests beworben?

Jackson: Dem Magnet Lockenhaus konnte ich nicht widerstehen. Dieses Festival ist schon immer etwas Besonderes gewesen. Es hat einen hervorragenden Ruf.

BVZ: Welche Ausbildungen haben Sie absolviert?

Jackson: Nach meiner kaufmännischen Ausbildung in einer Berliner Kunstgalerie studierte ich Geschichte und Kunstgeschichte am University College London. Dann folgte ein Magisterstudium an der University of Cambridge, wo ich über ein musikgeschichtliches Thema promovierte.

BVZ: Welche Funktionen hatten Sie bis jetzt inne?

Jackson: Meine ersten beruflichen Erfahrungen im Musikmanagement machte ich als Assistentin im Presse- und Marketingbüro der Dresdner Musikfestspiele. In England war ich viele Jahre als Musikagentin und Direktorin in der Agentur Hazard Chase tätig, wo ich weiterhin Consultant für junge Musiker bin.

BVZ: Was macht für Sie das Kammermusikfest in Lockenhaus aus?

BVZ: Lockenhaus ist ein Mythos. Insbesondere sein einzigartiges Konzept, das seit 1981 die talentiertesten und interessantesten Musiker in ein kleines Dorf im Burgenland lockt, die sich für zwei Wochen dem Normalbetrieb des globalen Musikgeschäfts entziehen und sich auf der Ebene „Musik um der Musik willen“ treffen und gemeinsam experimentieren, hat Lockenhaus zu einem riesigen Bekanntsheitsgrad bei vielen Freunden der Kammermusik in der ganzen Welt verholfen.

BVZ: Welche Ziele haben Sie für das Kammermusikfest?

Jackson: Gemeinsam mit künstlerischem Leiter Nicolas Altstaedt und unserem Vorstand wollen wir uns ganz besonders um neues Publikum sowie die Jugendarbeit kümmern und dabei das künstlerische Konzept stärken und ausbauen.

BVZ: Wird es zum diesjährigen 35-jährigen Jubiläum irgendwelche Besonderheiten geben?

Jackson: Wie gewohnt geben wir die einzelnen Programme nicht im Voraus bekannt. Wir wollen, dass sich das Publikum unvoreingenommen auf ein gewisses Abenteuer einlässt! Aber wir dürfen einige fantastische Musiker und Ensembles zum ersten Mal begrüßen, wie das junge Streichquartett Quatuor Zaide aus Frankreich, den Cellisten Julian Steckel und den Geiger Anthony Marwood aus London.

BVZ: Was darf man sich hinter dem avisierten Motto „Terra Nova“ erwarten bzw. vorstellen?

Jackson: Vieles! „Neuland“ heißt, neue Wege zu beschreiten. Auf der einen Seite betrifft das Millionen von Flüchtlingen, denen das Festival 2016 in Sympathie gewidmet ist. Die Herausforderung, Menschen auf der Flucht Verständnis und Offenheit entgegenzubringen, hat bei Nicolas Altstaedt die Frage ausgelöst, inwieweit sich Komponisten von Bach bis Widmann mit ihrem eigenen Heimatverlassen auseinandergesetzt haben.

Da kommt man schnell zur Erkenntnis, dass mutiges Erkunden von Neuland alle wichtigen Erneuerungen hervorbrachte, die wir heute als Meilensteine in der Musik betrachten. Das lädt hoffentlich zu einer musikalischen Erkundung einiger dieser Meilensteine ein, wie sie heuer präsentiert werden.

BVZ Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit Altstaedt vor?

Jackson: Als regen Austausch. Ich sehe mich hauptsächlich als Umsetzer seiner kreativen Ideen, im organisatorischen und repräsentierenden Bereich. Um ein international renommiertes Kammermusikfestival erfolgreich zu führen, braucht man nicht nur spannende Ideen, erstklassige Künstler und treue Besucher, sondern auch viele großzügige Helfer und Unterstützer. Die möchte ich mit Nicolas weiterhin für Lockenhaus begeistern, damit das Festival auf lange Sicht ein internationaler Anziehungspunkt bleibt.