Erstellt am 18. Mai 2016, 05:34

von NÖN Redaktion

Neue Lehrlinge für Therme. Die BVZ sprach mit dem neuen Sonnentherme-Geschäftsführer Harald Zagiczek über Positionierung, Ruhebereich sowie Lehrlings- und Arbeitsplätzesituation.

Alle für eine Zielgruppe: Für Geschäftsführer Harald Zagiczek ist essenziell, dass alle am Standort die Zielgruppe Familie forcieren.  |  NOEN, zVg

BVZ: Sie sind seit eineinhalb Monaten Geschäftsführer der Therme und des Hotels Sonnenpark. Wie sehen Sie das Standing des Resorts und der Destination?

Zagiczek: Durchwachsen! Sowohl international als auch am österreichischen Thermen- und Hotelmarkt ist unser Resort sehr anerkannt und genießt ein makelloses Standing. Diesbezügliche Rückmeldung erhalten wir von unseren Gästen und aus der Branche. Auch was die Destination betrifft, denn 230.000 Nächtigungen pro Jahr in Lutzmannsburg sowie mehr als 400.000 Thermenzutritte können ja nicht allzu verkehrt sein. Aus meiner Sicht hat die eindeutige Positionierung in Richtung Familie mit Kindern und Babys den wesentlichen Beitrag dazu geleistet. Was das Standing in der näheren Region betrifft, ist dieses noch ausbaufähig. Hier bin ich gefordert, Dinge zurechtzurücken.

Die nach dem Thermenumbau erwarteten Steigerungen bei Nächtigungen und Tagesgästen haben sich nicht im erhofften Maß eingestellt. Welche Schritte sind nötig, diese doch zu erzielen und nachhaltig eine positive Entwicklung abzusichern?

Zagiczek: Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten, denn der Markt hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Es gibt eine deutliche Tendenz von abnehmenden Tages- in Richtung Nächtigungsgästen. Unser Hotel Sonnenpark war bereits vor Umbau der Therme mit einer Auslastung von mehr als 85 Prozent auf sehr beachtlichem Niveau. Nach den Investitionen konnte dieser Wert sogar noch deutlich gesteigert werden. Ich denke daher nicht, dass man von einer Zielverfehlung, was den Nächtigungsgast betrifft, sprechen kann. Was den Tagesgast betrifft, ist das Geschäft in den letzten Jahren aufgrund der Marktveränderung sowie einer stetig steigenden Konkurrenzsituation erheblich schwieriger geworden! Jene Thermen, die eindeutig positioniert sind, werden langfristig erfolgreich sein. Ich bin überzeugt, dass unsere Positionierung in Richtung Familie mit Kindern, Kleinkindern und Babys richtig ist. Von dieser Linie werden wir nicht abweichen und diese weiter schärfen. Um innovative Neuerungen in regelmäßigen Zeitabständen werden wir uns bemühen, um unseren Gästen immer wieder neue Attraktionen bieten zu können. Trotz der Kritik am letzten Zubau werde ich nicht müde auch von den positiven Seiten zu berichten: Es wurde massiv in den Außenbereich investiert. Angesichts der letzten, sehr heißen Sommer möchte ich nicht daran denken, wie die Sommerfrequenzen ohne Outdoor Highlights wären.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen Leitbetrieb und den übrigen touristischen Betrieben der Region vor?

Zagiczek: Eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Leitbetrieb und den Partnerhotels ist für alle Beteiligten sehr wichtig. Für mich ist es sehr wichtig, dass alle Betriebe am Standort die gleiche Zielgruppe bearbeiten. In Lutzmannsburg könnte meiner Meinung nach beispielsweise ein Seminarhotel oder „Pärchenkuschelresort“, langfristig nicht erfolgreich sein. In unserer Therme wird für das Wohlbefinden von Kindern und Babys alles getan. Wenn man sich auf die falsche Zielgruppe spezialisiert, nützt die beste Zusammenarbeit nichts. Wenn jedoch die Positionierungen in die gleiche Richtung gehen, kann man sehr viele Synergien in den Bereichen Werbeauftritt, Vermarktung und Kosteneffizienz heben. Dies ist ein langfristiger Prozess, aber der einzig gangbare Weg.

Ein Hauptkritikpunkt – vor allem von privaten Hoteliers – ist seit dem Thermen-Umbau 2012 der Wegfall des „Silent Domes“. Liegen schon Pläne für einen neuen Ruhebereich am Tisch?

Zagiczek: Hier möchte ich schon festhalten, dass es vor dem Umbau Wochenenden in der Primetime gab, an dem die Erlebnistherme aufgrund von Überfüllung ab 11 Uhr geschlossen werden musste und zeitgleich im Silent Dome eine Auslastung von 20 Prozent vorlag. Die Entscheidung den „Silent Dome“ zu verändern ist wirtschaftlich begründet. Die Ziffern belegen, dass der Ruhebereich nicht so sehr angenommen wurde, wie dies behauptet wird. Die neue Sunny Bunny Waterworld, als exklusiver Spa Bereich für bis zu 350 Hotelgäste des Sonnenparks, ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Träger unseres Betriebs geworden. Der Markt hat sich verändert und wir mussten diesen Tendenzen Rechnung tragen. Eine Angebotserweiterung in der Therme, welche vor allem dem Tagesgast und den Gästen der Partnerbetriebe zugutekommt, wird derzeit eingehend geprüft und meinerseits auch forciert. Entscheidend ist natürlich die wirtschaftliche Darstellbarkeit. Unabgestimmte Alleingänge wird es nicht geben und die Partnerbetriebe werden entsprechend eingebunden.

In der politischen Diskussion ist die Therme in punkto Lehrlingsausbildung und Anzahl ausländischer Arbeitskräfte in Kritik geraten. Wie ist der Status quo?

Zagiczek: Dass der niedrige Lehrlingsanteil kritisiert wird, ist berechtigt. Dies werde ich umgehend korrigieren. Ich denke, dass durch die Ausbildung vieler junger Menschen der Burgenländer-Anteil automatisch und sukzessive steigen und das Unternehmen langfristig profitieren wird. Wir wollen als Gastgeber der Region auftreten und dies mit so vielen Mitarbeitern aus der Region wie möglich. Wir haben eine Lehrlingskampagne gestartet und als Ziel definiert, in den nächsten Monaten fünf bis sechs weitere Lehrlinge einzustellen. Einige Bewerbungen sind schon da. Es ist Aufgabe eines Leitbetriebes kompetente Mitarbeiter zu produzieren. Gelingt dies, wird es sicher dazu beitragen, dass sich das Standing des Resorts auch in der Region verbessern wird.

Es besteht ein Auftrag der Landesregierung zur Privatisierung der Therme. Gibt es derzeit Interessenten?

Zagiczek: Ich ersuche um Verständnis, dass ich hier auf die Eigentümer verweise. Dies sind die Wirtschaft Burgenland GmbH bzw. die Burgenländische Landesholding, also respektive das Land Burgenland. Meine Aufgabe ist die operative Führung des Betriebes.

Wo sehen Sie die Sonnentherme Lutzmannsburg-Frankenau im Jahr 2020?

Zagiczek: Es muss eine Zielsetzung sein, dass die Sonnentherme auch im Jahr 2020 gleich wie heute eine führende Rolle am österreichischen Thermenmarkt spielt und auch die Nächtigungsbetriebe die Destination Lutzmannsburg zu einer der besten und anerkanntesten Familiendestinationen des Landes aufsteigen lassen.

Alle für eine Zielgruppe: Für Geschäftsführer Harald Zagiczek ist essenziell, dass alle am Standort die Zielgruppe Familie forcieren.