Erstellt am 20. September 2014, 16:34

von APA/Red

Übungsalarm: Bootsunfall am Neufelder See. Ein lauter Knall unterbricht die spätsommerliche Mittagsidylle am Neufelder See. Sekunden später gellende Hilferufe, Verletzte treiben im Wasser. Augenzeugen einer fiktiven Kollision zweier Boote verständigen die Einsatzkräfte.

Vertreter der Österreichischen Wasserrettung und des Feuerwehr-Tauchdienstes Burgenland bei der Bergung eines Tauchers am Samstag, 20. September 2014, während einer Einsatzübung am Neufelder See im Burgenland.  |  NOEN, APA/CHRISTIAN GMASZ
Unter dieser Annahme haben die Wasserrettung und der Feuerwehr-Tauchdienst Burgenland am Samstag geübt, um für Notfälle gerüstet zu sein.

Noch vor diesem Szenario wurde am Vormittag bereits im Stationsbetrieb trainiert, erläuterte Stefan Ferschich, Landesleiter der Wasserrettung, im APA-Gespräch. Dabei standen das Bergen von verletzten Tauchern, der Aufbau einer Seilfähre, wie sie bei Hochwasser auf Flüssen zum Einsatz kommen kann und der Betrieb einer erweiterten Erste-Hilfe-Station im Mittelpunkt.

Boot versenkt, um Ernstfall zu üben

Um den angenommenen Bootsunfall realistisch erscheinen zu lassen, hatte sich die Übungsleitung Mühe gegeben. "Im Vorfeld wurde schon einmal ein 'Bootsdummy' versenkt, das die Feuerwehrtaucher suchen und bergen müssen. Für unser Personal sind Puppen im Wasser versteckt werden", schilderte Ferschich.

Das zweite am "Unfall" beteiligte Boot trieb kieloben im See: "Zusätzlich haben wir noch einen Kanister versenkt, der ein Gefahrgut darstellt, das natürlich auch geborgen werden muss."

Insgesamt waren um die 30 Kräfte an der Aktion beteiligt. Während die Feuerwehrtaucher nach dem versunkenen Boot suchten, durchkämmten die Wasserretter den See bis zu einer Tiefe von fünf, sechs Metern mit Schnorchelausrüstung. Bald wurden die ersten Opfer gefunden und ans Land gebracht.

350 Wasserretter im Burgenland sorgen für Sicherheit

Bei vermissten Personen im Wasser ist für die Helfer rasches Eingreifen unumgänglich. Die Zeitspanne, in der Hoffnung auf eine erfolgreiche Rettung besteht, hänge stark vom Wetter ab: "Je kühler die Temperatur ist, umso mehr Überlebenschancen hat die Person", so Thomas Bochdalofsky, Sachgebietsleiter Tauchdienst bei der Feuerwehr im Burgenland. Umgekehrt könnten durch Sauerstoffmangel, je wärmer das Wasser ist, umso schneller irreparable Gehirnschäden entstehen.

Etwa 350 Mitglieder zählt derzeit die Wasserrettung im Burgenland, erläuterte Ferschich. Einsatzstellen gibt es in Pöttsching und Jennersdorf sowie in Oggau, wo auch das Boot für den Neusiedler See vor Anker liegt. Am Neufelder See und am Steinbrunner See sei der Stützpunkt während der Saison immer besetzt. Am Neusiedler See steht für das Boot an den Wochenenden Personal zur Verfügung.

Erste Aufgabe im Einsatz sei es, das Suchgebiet einzugrenzen, schilderte Bochdalofsky. Dann wird versucht, mit der sogenannten Radialsuche die vermissten Personen oder Gegenstände aufzuspüren: "Es sind zwei Taucher an der Leine, die dann in Radialform, immer um einen Meter zusätzlich, die Fläche absuchen."

33 Feuerwehrtaucher in Mattersburg stationiert

Der Suchtrupp setzt eine Boje an der Fundstelle. Befindet sich eine Person im Wasser, wird sie sofort an die Oberfläche gebracht. Fahrzeuge beispielsweise werden zum Schutz vor weiterem Abrutschen gesichert. Dann tritt der unter anderem mit Hebeballons ausgerüstete Bergetrupp in Aktion.

33 aktive Einsatztaucher kann die Feuerwehr im Burgenland aufbieten. Das Fahrzeug mit der Ausrüstung für zwölf Taucher bei allen Witterungslagen und einer Helmtauchausrüstung für Arbeiten unter Wasser ist in Mattersburg stationiert, so der Leiter des Tauchdienstes.

Im Alarmfall rückt es mit mindestens drei Einsatzkräften aus. Weitere können zusätzlich, weil sich die Einsatztaucher praktisch über alle Regionen des Landes verteilen, rasch an Ort und Stelle sein.

Ebenfalls Übungen: Oberpullendorf und Güssing

Im Burgenland fanden am Samstag auch zwei weitere Übungen der Blaulichtorganisationen statt, an denen mehrere Hundert Kräfte teilnahmen.

Im Bezirk Oberpullendorf wurde unter Einbindung der Rettungshundebrigade die Vermisstensuche nach einem Erdbeben geübt. Ebenfalls eine Suchaktion sowie einen Verkehrsunfall und zwei Brände hatten die Helfer im Bezirk Güssing zu bewältigen.