Erstellt am 06. Mai 2015, 06:05

Lernen von Piloten. Methoden aus der Luftfahrt werden für den Operationssaal in Oberpullendorf adaptiert, um die Fehler zu vermeiden.

Präsentierten das Projekt: Ärztlicher Direktor Kurt Resetarits, Kapitän Hans Härting, Gesundheitslandesrat Peter Rezar, Pflegedirektorin Bettina Schmidt und Primar Herbert Tillhof von der Anästhesie und Intensivmedizin.  |  NOEN, BVZ

Mit Methoden aus der Luftfahrt sollen auch Operationssäle sicherer werden. Die Krankenanstalten der KRAGES (Krankenanstalten GmbH) haben mit Unterstützung des externen Beratungsunternehmens AssekuRisk ein neues Patientensicherheitssystem erarbeitet.

„Es geht auch um ein gemeinsames Verständnis“

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Einführung von Checklisten, die den Patienten in den Operationssaal begleiten. Mit diesem neuen Sicherheitssystem sind noch andere wichtige Ziele verknüpft: Bei der Implementierung von Checklisten geht es nämlich nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um ein neues System.

„Es geht auch um ein gemeinsames Verständnis aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was den Aufbau einer neuen Sicherheitskultur betrifft“, so Gesundheitslandesrat Peter Rezar.

Es gehe auch um abteilungs- und berufsgruppenübergreifendes Denken und Handeln sowie um die Kommunikation der MitarbeiterInnen untereinander und mit den Patienten, so der Landesrat weiter.

Methoden erstklassig auf OP-Saal übertragbar

Die Vertreter von AssekuRisk sind überzeugt, dass die „großen Drei“ Vergessen, Verwechseln und Übersehen sind. Pilot und Vorstandsmitglied Hans Härting erklärte, dass man unter Einbindung der Führungskräfte Sicherheitsbarrieren aufbaue. „Operationssäle sind heute schon komplexer als Airbus-Cockpits“, so Härting.

Im Bereich der Luftfahrt gibt es klare Methoden, die auch auf die Arbeit im Operationssaal erstklassig anwendbar sind. Man spricht von Techniken des „Crew Ressource Managements“ (CRM). Deren Einsatz verbesserte die Sicherheit in der Luftfahrt vor rund 30 Jahren sprunghaft. Alle internationalen Fluglinien halten solche Trainings verpflichtend ab.

„Checkliste als Hilfe und nicht als Vertrauensentzug“

Die Eckpfeiler sind auf den Alltag im Krankenhaus übertragbar, müssen in der Umsetzung jedoch angepasst werden: effizientes Teamwork, offene Kommunikation sowie optimierte Entscheidungsfindung in Risikosituationen. Die Trainings werden von Linienpiloten abgehalten.

Studien zeigen, dass die Schadensquote durch Medical-Team-Trainings deutlich gesenkt werden kann. „Bei der Pilotstudie zeigte sich, dass etwa die Zahl der chirurgischen Infektionen durch die Einführung der Checkliste um 45 Prozent zurückgegangen ist. Das können wir mit keinem Medikament erreichen“, so Härting.

Ärztlicher Direktor Kurt Resetarits betont, dass die Einführung deshalb so gut gelungen sei, weil man alle Führungskräfte überzeugen konnte. „Es ist wichtig, dass man die Checkliste als Hilfe sieht und nicht als Vertrauensentzug“, so Resetarits.

„Fehler vermeiden und aus ihnen lernen“

Das System wurde bereits in allen Operationssälen der KRAGES-Spitäler sowie allen Endoskopieeinheiten eingeführt.

Rezar betont, dass Priorität sein muss, dass Fehler nicht zu einem Zwischenfall beim Patienten führen. „Es gilt Fehler weitestgehend zu vermeiden und aus ihnen zu lernen“, so der Landesrat. Und Primar Herbert Tillhof ergänzt: „Natürlich war man in der Anästhesie schon immer umsichtig, aber die Checkliste erinnert nochmals.“

Präsentierten das Projekt: Ärztlicher Direktor Kurt Resetarits, Kapitän Hans Härting, Gesundheitslandesrat Peter Rezar, Pflegedirektorin Bettina Schmidt und Primar Herbert Tillhof von der Anästhesie und Intensivmedizin.