Erstellt am 06. August 2014, 05:01

von Wolfgang Millendorfer und Martin Gebhart

Trauer um Prammer. Nationalratspräsidentin Prammer nach schwerer Erkrankung verstorben. Das offizielle Burgenland trauert.

Viele Besuche im Burgenland. Die verstorbene Nationalratspräsidentin Barbara Prammer mit Landesrat Helmut Bieler (l.) und Bundesrat Walter Temmel.  |  NOEN, BVZ
Bis Juli hatte sie noch ihre Amtsgeschäfte an der Spitze des Nationalrates ausgeübt. Am Samstag kam dann die tragische Nachricht, dass Nationalratspräsidenten Barbara Prammer (60) im Kreis ihrer Familie in Wien verstorben ist. Im September 2013 hatte die SPÖ-Politikerin ihre Krebserkrankung öffentlich gemacht. Nun hat sie ihren Kampf dagegen verloren. Ganz Österreich trauert seit Samstag um Barbara Prammer.

Bestürzt reagierten SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann und ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger auf ihren Tod. Beide sprachen davon, dass Österreich eine starke Persönlichkeit verloren habe.

Faymann: „Sie sah sich selbst als Kind der Kreisky-Zeit und hat nie aufgehört, an eine Zukunft zu glauben, in der soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit zur Selbstverständlichkeit geworden sind.“

Spindelegger konstatierte, dass ihre Arbeit über die Parteigrenzen hinweg geschätzt wurde. „Sie hat in ihrer politischen Laufbahn lösungs- und konsensorientiert für die Menschen in diesem Land gearbeitet“, so der Vizekanzler.

Auch die komplette Opposition würdigte Barbara Prammer. SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die ihr an der Spitze der SPÖ-Frauen nachgefolgt war, verabschiedete sich mit ganz persönlichen Worten: „Ich verneige mich mit Respekt vor dieser großen Frau, die für mich ein ganz wichtiger Teil meines Lebens war.“

„Österreich verliert eine Ausnahmepolitikerin“ 

Auch im Burgenland reagierte die Landespolitik mit Bestürzung. Landeshauptmann Hans Niessl würdigte Prammers Arbeit und Einsatz: „Sie war eine prägende Persönlichkeit der Republik und eine herausragende Vertreterin der Sozialdemokratie, die sich in ihrer ganzen Laufbahn für eine gerechte Gesellschaft eingesetzt hat.“

Für Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl galt Prammer als Politikerin, die über Parteigrenzen hinweg anerkannt war: „Mit Engagement hat sie sich stets um Ausgleich und Konsens bemüht.“

„Trotz unterschiedlicher inhaltlicher Auffassungen haben wir einen sehr freundschaftlichen Kontakt gepflegt“, beschreibt der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) die Zusammenarbeit mit Prammer. Ebenso Team-Stronach-Nationalrat Rouven Ertlschweiger: „Sie war eine hervorragende Nationalratspräsidentin, die dem Hohen Haus sehr viel Würde verliehen hat.“

Grünen-Sprecherin Regina Petrik würdigte Barbara Prammer als „herausragende Demokratin und überzeugende Kämpferin für Frauen- und Menschenrechte“.
 


Zur Person

Barbara Prammer (1954 – 2014)

Geboren wurde Barbara Prammer am 11. Jänner 1954 in Ottnang am Hausruck in Oberösterreich. Politisch fasste sie in den 70er-Jahren in der Jungen Generation Fuß. 1978 absolvierte sie ein Soziologiestudium in Linz. Ehe sie in die Politik einstieg, arbeitete Prammer beim AMS Oberösterreich. Ab 1991 war sie SPÖ-Landtagsabgeordnete und Zweite Landtagspräsidentin in Oberösterreich. 1995 wurde sie als Landesrätin erstes weibliches Mitglied der Landesregierung. 1997 holte sie der damalige SPÖ-Bundeskanzler Viktor Klima als Frauenministerin in die Bundesregierung. Seit 30. Oktober 2006 war sie – als erste Frau – an der Spitze des Nationalrates gestanden.